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Aus der Stadt Schluss mit langen Öffnungszeiten
Hannover Aus der Stadt Schluss mit langen Öffnungszeiten
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19:56 30.12.2014
Von Conrad von Meding
Zu wenig Kunden am Abend - die E-Center schließen nun früher.
Zu wenig Kunden am Abend: Die E-Center schließen nun früher. Quelle: dpa
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Hannover

Zu wenig Kunden hätten das Angebot angenommen, die Umsätze blieben hinter den Erwartungen zurück - und den Mitarbeitern seien die langen Abende angesichts leerer Läden nicht zuzumuten, heißt es in einer Mitteilung. Mitbewerber Rewe, der einige hannoversche Märkte sogar bis 24 Uhr öffnet, will hingegen von seiner Strategie nicht abweichen. Auch Kaufland am Raschplatz bleibt bei der 24-Uhr-Öffnung.

„Der Bedarf der Kunden ist in den Abendstunden nicht so hoch gewesen, dass er die Belastung für die Mitarbeiter und die Kosten rechtfertigen konnte“, sagt Thorsten Wucherpfennig. Zudem habe Wucherpfennig wie alle mittelständischen Unternehmen in Deutschland ein Problem, Fachkräfte zu gewinnen. „Da wir die jetzt auf weniger Stunden in den Centern einteilen können, erhöht sich die Qualität für die Kunden.“

Fast alle Geschäfte in der City schließen um 20 Uhr

2007 hatte der Landtag entschieden, für Niedersachsen die Ladenöffnungszeiten komplett freizugeben: An allen Tagen außer sonntags darf seitdem rund um die Uhr verkauft werden - daran hat auch die Verfassungsbeschwerde eines hannoverschen Karstadt-Betriebsrats nichts geändert. Daraufhin hatten unter anderem die Innenstadthändler lange Abendöffnungen eingeführt. Von der Ernst-August-Galerie über die Kaufhäuser bis zu inhabergeführten Geschäften waren Läden bis 21 Uhr und teilweise länger geöffnet - schon 2009 allerdings bröckelte die Front angesichts ausbleibenden Kundeninteresses. Inzwischen schließen fast alle Geschäfte in der Innenstadt um 20 Uhr.

Im Lebensmitteleinzelhandel hingegen haben die Nachtöffnungen stark zugenommen. Fast jeder fünfte Rewe-Standort habe bis Mitternacht geöffnet, teilte Unternehmenssprecher Raimund Esser gestern gegenüber der HAZ mit. In fast 70 Prozent der Filialen könne bis 22 Uhr eingekauft werden. Dass zu wenig Kunden kämen, wie es bei Wucherpfennig heißt, will Esser nicht bestätigen. Weil die Betriebs- und Personalkosten hoch seien, stünden die langen Öffnungszeiten aber stets auf dem Prüfstand: „Die Kunden bestimmen über ihr Einkaufsverhalten die Öffnungszeiten. Wo immer es somit wirtschaftlich sinnvoll ist und die Nachfrage vor Ort da ist, haben unsere Märkte länger als 20 Uhr geöffnet“, sagt Esser.

Hans-Joachim Rambow, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands, glaubt nicht, dass die langen Öffnungszeiten sich rechnen. „Die Leute essen ja nicht mehr, weil die Läden länger offen sind - der Gesamtumsatz im Lebensmitteleinzelhandel steigt dadurch nicht an.“ Letztlich handele es sich um einen Verdrängungswettbewerb. „Erst wurde jahrelang über eine Vergrößerung der Verkaufsflächen versucht, mehr Umsatz zu machen, jetzt sollen den Konkurrenten über die langen Abendöffnungen Kunden abgeworben werden.“ Die Strategie sei „Teil einer Experimentierphase“.

Neue Öffnungszeiten: Beim neuen E-Center im Roderbruch, das Mitte Dezember eröffnet wurde, gilt bereits die Schließzeit 20 Uhr, das Center an der Göttinger Chaussee in Ricklingen folgt mit der Regelung im Januar. Die beiden E-Center in der Südstadt und Bothfeld bleiben montags bis sonnabends bis 21 Uhr geöffnet. An der morgendlichen Öffnung um 8 Uhr – Bäckerei-Shops um 7 Uhr – soll sich nichts ändern.

Andreas Schinkel 30.12.2014
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