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Aus der Stadt Ehrenamtliche stoßen an ihre Grenzen
Hannover Aus der Stadt Ehrenamtliche stoßen an ihre Grenzen
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00:26 08.11.2015
Bald doppelt so viele Einsätze nötig: Am Messebahnhof Laatzen helfen bisher viele Ehrenamtliche – bald sollen Hauptamtliche ran. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

„Die Arbeit in den Kleiderkammern von Flüchtlingsheimen ist fast ein Vollzeitjob. Ich sehe die Gefahr, dass die Ehrenamtlichen ausbrennen“, sagt Diakon Johannes Meyer, der in Hannover den Einsatz von Ehrenamtlichen koordiniert. Auch Alfred Blume, der jeden Morgen an dem Messebahnhof in Laatzen bei der Verteilung von Asylsuchenden auf Busse hilft, sieht Probleme, wenn die Flüchtlinge zahlreicher werden. „Irgendwann ist das nicht mehr zu wuppen“, sagt er.

In den sozialen Netzwerken macht der Hilferuf einer jungen Flüchtlingshelferin aus Hamburg die Runde, die sich am Ende ihrer Kräfte fühlt. Bundesweit fordern Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Johanniter, Ehrenamtliche vermehrt durch bezahlte Kräfte zu ersetzen.

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In Hannover gehen jetzt das DRK und die Regionsverwaltung diesen Weg. „Langfristig geben wir immer mehr Aufgaben in die Hände von Hauptamtlichen“, sagt DRK-Sprecherin Christine Blachnik. Wenn aber Turnhallen und leer stehende Gebäude über Nacht als Notunterkünfte hergerichtet werden müssen, könne man auf die Ehrenamtlichen aus dem Bereich Katastrophenschutz nicht verzichten. Das seien bewährte Helfer, die etwa bei Evakuierungen nach Bombenfunden mit anpackten. „Daueraufgaben wie Verpflegung und sozialarbeiterische Betreuung werden in den Flüchtlingsheimen aber von Hauptamtlichen erledigt“, sagt Blachnik. Selbst eine nur auf sechs Wochen befristete Notunterkunft wie die Messehalle habe man von fest angestellten Mitarbeitern betreiben lassen.

Auch die Regionsverwaltung, zuständig für die Betreuung von Flüchtlingen am Messebahnhof, will jetzt einen privaten Dienstleister engagieren, um die Ehrenamtlichen zu entlasten. „Wir verlagern die Arbeit auf die Schultern von professionellen Helfern“, sagt Regionssprecherin Christina Kreutz. An dem Bahnhof in Laatzen ist bisher ein Zug täglich mit stets etwa 450 Menschen eingetroffen. Die Asylsuchenden wurden verpflegt und auf bereitstehende Busse verteilt, die sie in die niedersächsischen Erstaufnahmeunterkünfte brachten. Ab übernächster Woche aber sollen zwei Züge eintreffen mit der doppelten Anzahl von Asylsuchenden. Bei der Region hofft man, dass die Züge zeitlich möglichst dicht hintereinander einfahren und nicht mit großem Abstand. „Ansonsten müssen wir in Schichten arbeiten“, sagt Kreutz.

Die Stimmung unter den Helfern am Messebahnhof scheint noch immer gut zu sein. „Alle sind mit großem Eifer dabei“, sagt Helfer Alfred Blume. Der Einsatz sei aber eine Gratwanderung zwischen Beruf und ehrenamtlichem Engagement. „Schließlich müssen auch die Arbeitgeber mitspielen und die Leute freistellen“, sagt Blume.

In Niedersachsen berichten Hilfsorganisationen von einer ähnlichen Situation. „Die Bereitschaft zu helfen ist nach wie vor groß“, berichtet Christian Riebandt von den Maltesern in Celle. „Ein Großteil der Hilfe wird aber so schnell wie möglich auf Hauptamtliche übertragen. Man darf die Ehrenamtlichen nicht verheizen.“

Von Andreas Schinkel und Karl Doeleke

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