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Aus der Stadt Eiche darf nicht gefällt werden
Hannover Aus der Stadt Eiche darf nicht gefällt werden
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00:15 13.11.2013
Foto: Elke Kotzan-Bartke zeigt die Risse in den Kellerwänden ihres Hauses.
Elke Kotzan-Bartke zeigt die Risse in den Kellerwänden ihres Hauses. Quelle: Surrey
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Hannover

 „Bereits zum zweiten Mal bilden sich daumendicke Risse im Keller“, berichtet Elke Kotzan-Bartke, eine der Wohnungseigentümerinnen im Haus an der Gerdingstraße. Ein Statiker habe den Sanierungsaufwand jetzt auf 30 000 Euro beziffert. „Dabei sollte die Wohnung unsere Altersvorsorge sein“, sagt Kotzan-Bartke. Sie kann nicht verstehen, dass sich die Stadt auf ihre Baumschutzsatzung beruft und das Absägen nicht genehmigt. „Ich will das gern bezahlen, obwohl es sich um einen von der Stadt gepflanzten Baum handelt“, sagt die Hausbesitzerin.

Tatsächlich hatte die Stadt den Weg, der zum Haus führt, erst Mitte der achtziger Jahre angelegt. Direkt am Zaun pflanzte man Hecken. Einer der Büsche entpuppte sich später als gestandene Eiche, die stetig und in unmittelbarer Nähe des Hauses in die Höhe wuchs.

Schon vor vier Jahren sackte der Kellerboden ab

Alarmiert sind die Hauseigentümer vor allem deshalb, weil die Schäden schon zum zweiten Mal auftreten. Bereits vor vier Jahren sackte der Kellerboden ab, ganze Wandstücke brachen heraus. Die Eigentümer waren gezwungen, 14 000 Euro für Reparaturen auszugeben. Die Stadt lehnte es ab, sich an den Kosten zu beteiligen.

Als sich Anfang des Jahres erneut Risse in den Kellerwänden bildeten, dieses Mal an anderen Stellen, trat die Eigentümergemeinschaft die Flucht nach vorne an. Kotzan-Bartke beauftragte das Ingenieurbüro IGH aus Hannover, die Schäden am Haus unter die Lupe zu nehmen und nach Ursachen zu forschen. Die Experten entnahmen Bodenproben und kamen zu dem Schluss, dass die Eiche dem Erdreich zu viel Wasser entzieht, der Boden dadurch austrocknet und absackt. „Eigentlich müsste die Eiche einen Abstand von zwölf Metern haben, so versicherte uns das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie“, erzählt Kotzan-Bartke. Der Baum, der unvermutet in der Hecke wuchs, steht aber nur fünf Meter vom Haus entfernt.

Anwohner: Stadt misst mit zweierlei Maß

Im städtischen Grünflächenamt griff man nicht zur Motorsäge, sondern gab ein Gegengutachten in Auftrag. Eine Sachverständige der Landwirtschaftskammer Niedersachsen befand, „dass die Eiche nicht schadensursächlich ist für die Setzung des Gebäudes.“ Grob gesagt kann die Eiche nach Ansicht der Expertin nicht so viel Wasser aus dem Boden saugen, als dass die trockene Erde in sich zusammenfällt. Die „nicht fachgerechte Gründung“ des Fundaments sei dagegen eine mögliche Ursache für den Schaden. „Ein Fällen des Baumes würde die Situation also nicht verändern“, fasst Stadtsprecher Dennis Dix jetzt zusammen.

Bei den Hauseigentümern verursacht das Vorgehen der Stadt dennoch Kopfschütteln. Sie können nicht verstehen, warum ein Baum geschützt wird, obwohl es strittig ist, ob er nicht für massive Schäden verantwortlich ist. „Die Stadt misst offenbar mit zweierlei Maß. Im Sahlkamp war es ein Leichtes, vier Eichen zu fällen, um Platz für einen Supermarkt zu schaffen“, ärgert sich Kotzan-Bartke.

Von Andreas Schinkel

Bitte nicht übertreiben

Im Grunde ist die Baumschutzsatzung ein gutes Instrument. Sie schützt die großen Bäume im Stadtgebiet davor, persönlichen Interessen einzelner Anlieger geopfert zu werden. Vor allem im dicht bebauten Areal einer Großstadt sollten Bäume möglichst erhalten werden, das Fällen darf nur Ausnahme sein.

Nun greift die Stadt aber mit solch einer Satzung immer wieder tief in die Eigentumsrechte auch von privaten Grundstücksbesitzern ein, indem sie ihnen das Fällen sogar in den eigenen Gärten verbietet. Wer solche Vorgaben macht, darf sich nicht in den Verdacht bringen, dass er mit zweierlei Maß misst.

Da stößt es seltsam auf, dass für einen Supermarktneubau im Sahlkamp problemlos vier große Bäume fallen dürfen, während sich Privatleute oft einem langen bürokratischen Prozedere unterziehen müssen, bevor sie die Genehmigung erhalten – wenn überhaupt. Und wenn in direkter Nachbarschaft eines alten Baums über Jahre hinweg immer größere Risse in einem Haus entstehen, dann sollte die Stadt besonders genau hinschauen, ob der Schutz des Hauses nicht über dem Schutz eines versehentlich gepflanzten Baums steht.

Von Conrad von Meding

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