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Aus der Stadt "Nicht abschaffen, aber verbessern"
Hannover Aus der Stadt "Nicht abschaffen, aber verbessern"
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17:49 23.11.2016
Von Saskia Döhner
Wie gut ist die Schule? SPD-naher Arbeitskreis von Gymnasialleitern möchte die regelmäßigen Schulinspektionen nicht abschaffen, aber verbessern.
Wie gut ist die Schule? SPD-naher Arbeitskreis von Gymnasialleitern möchte die regelmäßigen Schulinspektionen nicht abschaffen, aber verbessern. Quelle: Julian Stratenschulte
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Bei der Onlinebefragung des Landes in diesem Jahr hatten rund 10.000 Lehrer angeben, dass das jetzige Verfahren sie massiv belastet.

Der Philologenverband möchte den Schul-TÜV, den der damalige Kultusminister Bernd Busemann (CDU) vor rund zehn Jahren nach niederländischem Vorbild eingerichtet hat, am liebsten ganz abschaffen. Das will der SPD-nahe Arbeitskreis der Gymnasialleiter explizit nicht. "Im Gegenteil, wir wollen die Schulinspektion verbessern", sagt Winfried Baßmann, der frühere Direktor des Kurt-Schwitters-Gymnasiums in Misburg. "Wer die eigenverantortliche Schule möchte, der muss auch externe Evaluation zulassen", betont Reinhold Lüthen, Schulleiter aus Rinteln. "Nur mit internen Überprüfungen wird es nicht gehen." Der kritische Blick von außen diene der schulischen Qualitätsentwicklung.

Das derzeitige Verfahren erfordere oft monatelange Vorbereitung, sagt Baßmann, es müssten Protokolle, Beschlüsse, Konzepte, Papiere jeder Art, gesammelt werden, und am Ende blieben die Schulen oft mit vielen Prozentangaben und Zahlenreihen etwas ratlos zurück. "Die Schulentwicklung muss bei der Inspektion im Vordergrund stehen", unterstreicht Lüthen, das heißt, es müsste auch im Nachgang der Begutachtung konkrete Beratungs- und Unterstützungsangebote geben.

Die Direktoren wünschen sich einen individuellen Blick der Prüfer, ohne dabei den grundsätzlichen Aspekt einer landesweiten Evaluation aus den Augen zu verlieren. "Bislang werden alle Schulen über einen Kamm geschert", sagt Baßmann, "dabei ist jeder Standort anders und hat einen anderen Hintergrund und eine andere Schülerklientel."

Wichtig sei auch ein stärkerer Schulform- und Fachbezug der Inspektoren. So könnten Mathematiklehrer nicht unbedingt die fachliche Qualität einer Deutschstunde in der Oberstufe bewerten, sondern nur festhalten, ob es mehr Gruppenarbeit oder mehr Frontalunterricht gegeben habe, wie die Mitarbeit der Schüler gewesen und ähnliches mehr. Möglicherweise würden die Prüfer dann auch mal nicht nur 20 Minuten, sondern länger in einer Unterrichsstunde bleiben, wenn die Schule das wünsche.

Die Direktoren treten auch für eine dialogorientierte Rückmeldung ein: "Warum sagt man dem einzelnen Lehrer nicht, wie seine Stunde war, wen dieser es wünscht?, fragt Baßmann. "Die Schulinspektion ist ein teures Instrument", sagt Lüthen, "es sollte auch ein effizientes sein." Für mehr Beratung müsste allerdings auch das entsprechende Personal in Landesschulbehörde vorhanden sein. Wenn ein Dezernent für 25 Schulen und mehr zuständig sei, bliebe für die einzelnen Standort wenig Zeit.

Nicht nur die schulfachlichen Dezernenten, auch die Fach- und Unterrichtsberater und die Schulpsychologen seien überlastet. Neben mehr Ressourcen wünscht sich der Schulleiter-Arbeitskreis aber auch einen generellen Mentalitätswechsel in der gesamten Schulbehörde: "Mehr Unterstützung, weniger Aufsicht."

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