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Aus der Stadt Betrüger im Krankenbett
Hannover Aus der Stadt Betrüger im Krankenbett
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00:15 07.07.2013
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Symbolbild Quelle: dpa
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Hannover

Michael heißt in Wirklichkeit Heiko und ist nicht krank, sondern kriminell. Wenige Stunden nach seiner Aufnahme verlässt er das Krankenhaus wieder, um bei seinem 75-jährigen Zimmernachbar einzubrechen.
Während Didrigkeit den Raum für eine gute halbe Stunde verlässt, durchwühlt Heiko K. unbemerkt seine Sachen. „Von meiner Physiotherapeutin hatte ich die Aufgabe, Gehübungen zu machen“, berichtet der 75-Jährige. Seine Geldbörse mit Ausweispapieren und seinen Haustürschlüssel lässt er in seinem Schrank zurück. Den Schrankschlüssel hatte er in seinem Nachttisch versteckt.

Als der 75-Jährige zurückkommt, ist K. schon nicht mehr da. Didrigkeit ahnt zu diesem Zeitpunkt nichts Böses. „Ich dachte, er geht auch ein bisschen spazieren“, sagt er. Doch auch in den nächsten Stunden taucht der Zimmergenosse nicht mehr auf. „Als ich nachts um 4 Uhr aufwachte und er nicht in seinem Bett lag, wurde mir etwas mulmig“, erzählt der 75-Jährige. Nach dem Aufwachen schaut er gleich nach seinen Wertsachen, doch die sind nicht mehr da. Also ruft er die Polizei und lässt seine ec-Karte sperren. Zu spät.

Zwei Polizisten bringen Didrigkeit in seine Wohnung nach Langenhagen-Engelbostel. Dort erwartet den 75-Jährigen, was er befürchtet hatte: Heiko K. hat noch am Abend alle Räume nach Wertsachen durchsucht. Dabei ist er sehr gründlich vorgegangen. „Er hat sogar ein verpacktes Geschenk für meinen Enkel aufgerissen“, sagt Didrigkeit. Mitgenommen habe der Einbrecher die Babyhandtücher aber nicht. Gegenstände interessieren ihn wohl nicht, dafür aber die Geheimnummer zur ec-Karte seines Opfers. Die fand er in einem Geldbeutel. Vom Konto konnte der Täter um 22.25 Uhr aber nur 300 Euro plündern. „Einen Tag später wäre meine Rente auf dem Konto gewesen“, sagt der 75-Jährige.

Seine Spuren wollte Heiko K. offenbar verwischen. „Die Polizei hat keine Fingerabdrücke gefunden“, berichtet Didrigkeit. Nur in seiner Toilettenschüssel habe der Einbrecher etwas hinterlassen und nicht gespült. Davon hätten die Polizisten aber keine Probe nehmen wollen. „Vermutlich war es eine falsche Fährte“, mutmaßt Didrigkeit.

Unentdeckt ist der Täter trotzdem nicht geblieben. „Auf der Wache hat man mir acht verschiedene Personen gezeigt, ich habe ihn sofort wiedererkannt“, sagt Didrigkeit. Schließlich habe der Täter ein Erkennungsmerkmal: „Auf der linken Seite hat er eine Hasenscharte“, sagt der 75-Jährige. Sie sei aber erst bei genauem Hinschauen zu erkennen.

Heiko K. wird verdächtigt, bundesweit mehr als 100 Diebstähle in Kliniken begangen zu haben. Nach HAZ-Informationen soll der wohnsitzlose Seriendieb auch in Hannover mehrfach zugeschlagen haben. Er ist vermutlich auch für zwei Diebstähle im Friederikenstift und im Oststadtkrankenhaus verantwortlich. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat ihre Ermittlung gegen Heiko K. aber vorläufig eingestellt. „Der Aufenthalt des Beschuldigten ließ sich nicht ermitteln“, teilte die Behörde Didrigkeit mit. Die Polizei geht davon aus, dass K. seine Masche im ganzen Bundesgebiet durchzieht und ständig umherreist.

Heiko K. schädigt auch die Krankenhäuser. Die Kliniken bleiben auf den Kosten für Krankenbett und Behandlung sitzen. K.s Trick: Er meldet sich als Notfall unter falschem Namen in der Klinik an und behauptet, seine Papiere nicht dabeizuhaben. Aufgenommen wird er trotzdem. „Die Krankenhäuser dürfen keinen kranken Menschen unversorgt lassen“, sagt Petra Kesten-Kühne, Sprecherin des Klinikums Region Hannover. Solche Betrugsfälle kämen aber nur selten vor. Polizei und Klinikum haben dazu keine Statistik.

Die Polizei rät zur Aufmerksamkeit

In Krankenhäusern kommt es immer wieder zu Diebstählen in den Patientenzimmern. Die Kliniken übernehmen für den dadurch entstandenen Schaden in der Regel keine Haftung. Um Diebstählen im Krankenhaus vorzubeugen, gibt die Polizei Hannover daher folgende Ratschläge:
  •  Wertsachen zu Hause lassen: „Patienten sollten grundsätzlich keine größeren Bargeldsummen oder wertvollen Gegenstände mit ins Krankenhaus nehmen“, rät Polizeisprecher Thorsten Schiewe. Sicherer sind diese Dinge in der Obhut von Angehörigen oder Bekannten.
  • Wichtige Gegenstände abgeben: ec-Karten, Haustürschlüssel oder Personalpapiere sollten beim Stationspersonal abgegeben werden. Einige Kliniken verfügen auch über einen Tresor, in dem Wertsachen eingeschlossen werden können.
  • Türen schließen: Die Zimmertüren sollten immer geschlossen sein. Leere Räume locken Diebe an.
  • Verdächtige Personen melden: Da es sich bei Krankenhäusern um öffentliche Gebäude handelt, ist der Zugang grundsätzlich jedem gestattet. Diesen Umstand nutzen auch Diebe aus. Im Zweifel sollte man unbekannte Besucher ansprechen. „Verdächtige Personen sollten sofort dem Klinikpersonal gemeldet werden“, empfiehlt Behördensprecher Schiewe.
  •  Diebstahl anzeigen: Auch wenn es sich nur um kleine Verluste handelt, sollte jeder Diebstahl beim Pflegepersonal gemeldet und Anzeige bei der Polizei erstattet werden.
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Von Christian Link

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