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Aus der Stadt Herr Sanchez kehrt zurück
Hannover Aus der Stadt Herr Sanchez kehrt zurück
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18:16 14.03.2014
Von Sonja Fröhlich
 „Ich dachte, 
in Deutschland könnte ich Schnee sehen“: Juan Zamora Sanchez vor dem Rathaus. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Die deutsche Geschichte von Juan Zamora Sanchez beginnt „unterm Schwanz“ auf dem hannoverschen Ernst-August-Platz. Nur mit einem kleinen Koffer war der Spanier im Sommer 1963 von Almería in Andalusien nach Hannover gereist, und als er hinaus auf den Platz tritt, steht er inmitten hunderter Tauben. Der junge Mann klatscht in die Hände und freut sich: All die Vögel schwirren hoch. Ein Polizist, der die Szene beobachtet hat, freut sich nicht. Er geht auf den Spanier zu. „Hier“, betont er, „wird nicht geklatscht!“ Der 19-Jährige versteht zwar kein Deutsch, aber die Rüge ist angekommen. „Paloma“ (Tauben) und „Gendarme“ (Polizist) notiert er sich in einem kleinen Notizbuch.

51 Jahre später steht Juan Zamora Sanchez wieder unter dem Denkmal – und fragt sich, wo all die Tauben geblieben sind. Damals kam er als Gastarbeiter nach Hannover, in seiner Heimatstadt Almería hatten sie Plakate aufgehangen: „Wir brauchen Männer für Arbeit in Deutschland“, hieß es da frei übersetzt. In Spanien gab es keine Arbeit, und wenn doch, dann für einen Hungerlohn. Also ging der junge Mann ins Rathaus und ließ sich vermitteln. Er wollte unbedingt in den Norden Deutschlands. „Ich dachte, da ist es kalt und ich könnte Schnee sehen.“

Nun aber, im März 2014, scheint die  Sonne auf den Ernst-August-Platz, und Herr Sanchez fragt sich, warum es im März so warm ist in Deutschland. Gern hätte er seiner Frau Juani Schnee gezeigt, auch wenn es nur noch Reste gewesen wären. „Bei uns in Almería ist es heute kühl und windig“, sagt sie.

Vielleicht wäre Sanchez nie wieder nach Hannover gekommen, wenn nicht Tochter Susana hier einen Praktikum beginnen würde. So sind die Eltern einfach mitgereist und bleiben, bis zu Susanas erstem Arbeitstag an der internationalen Kindertagesstätte Biki. Erstmal soll es nur für diese drei Monate sein. Aber man weiß ja nie.

Gastmutter Uta Saenger hat auch den Eltern eine Unterkunft angeboten und hilft als Dolmetscherin aus. Es ist das erste Mal, dass der vierfache Vater Juan Zamora Sanchez überhaupt wieder in Hannover, überhaupt in Deutschland, ist. Er guckt sich um und sagt, so viel habe sich in Hannover gar nicht verändert. Wohl seien einige Gebäude, Glasfassaden oder auch die Promenade hinzugekommen. „Aber ich erkenne noch alles wieder.“ Sanchez zeigt in Richtung Kröpcke, sein früherer Weg zur Arbeit. Gearbeitet hat Sanchez damals bei den Gaswerken Hannover. Doch an dem früheren Verwaltungsgebäude an der Osterstraße angekommen, entdeckt Sanchez seine alte Arbeitsstätte nicht mehr. Kein Wunder: Das altehrwürdige Gebäude ist 2012 trotz massiver Kritik von Bauhistorikern abgerissen worden.

Vor 51 Jahren aber brach von dort aus Morgen für Morgen Sanchez’ Team aus zwei Deutschen und drei weiteren spanischen Gastarbeitern in einem Transporter auf, um Rohre zu verlegen oder zu reparieren. Untergebracht waren sie in einer Unterkunft im Kugelfangtrift.

Auf dem Weg durch die Stadt fallen Sanchez heute immer wieder Episoden ein. Etwa, wie er sich aus Einzelteilen ein Fahrrad zusammenbaute, um vom Kugelfangtrift zur Arbeit zu fahren – so sparte er sich das Geld für Bus und Bahn.  700 Mark im Monat verdiente der Gastarbeiter damals, einen Teil schickte er seinen Eltern. Weil er zum Militär musste, kehrte er schon ein Jahr später nach Spanien zurück. Anschließend kam er erneut nach Deutschland, diesmal mit seiner Frau Juani – erst arbeiteten sie in Bielefeld, dann in München („Davon hatten wir gehört, dass es wärmer ist“). Und Schnee sollte es dort trotzdem geben.

Hannover hatte ihm allerdings am besten gefallen, sagt Sanchez, „wegen der breiten Straßen, der klaren Sprache und der guten Arbeitsbedingungen“. Die schlimmsten Umstände erlebte er in der Fabrik in Bielefeld erlebt. Bei der Maschinenarbeit wurde ihm ein Daumen abgeschnitten, keiner kümmerte sich so recht um ihn. „Erst nach dem Krankenhaus habe ich erfahren, dass man mir den Daumen hätte annähen können.“ So kam er mit einem Stummel an der Hand in die Fabrik zurück, nahm seinen Daumen und verbrannte ihn – eine Art Beerdigung. Eine Versicherung gab es für ihn nicht.

Am Neuen Rathaus angekommen beginnen die Augen des 70-Jährigen zu leuchten. „Das ist das schönste Gebäude Hannovers“, sagt er, und für einen Moment füllen sich seine Augen mit Tränen. Schon damals sei er viel im Maschpark spazieren gegangen. Als der Teich zugefroren war, beobachtete er die Menschen, die auf Schlittschuhen ihre Kreise zogen. Er selbst nahm zwei Steine in die Hände, legte sich aufs Eis und ließ sich einen Schubs geben. „Das war ein Spaß.“ Insgesamt vier Jahre verbrachte das Paar in Deutschland, bis es in die spanische Sonne zurückkehrte.

Ein paar Worte und Redewendungen weiß Sanchez noch. „Bitte sehr“ oder „Auf Wiedersehen“, so etwas. Aber auch die Worte „Tauben“ und „Polizist“ haben sich eingebrannt.

Am kommenden Mittwoch fahren in Hannover keine Busse und Bahnen der Üstra. Grund ist der Aufruf der Gewerkschaft ver.di zu einem ganztägigen Warnstreik. Auch die städtischen Kitas sowie aha und das Regionsklinikum sind betroffen.

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