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Aus der Stadt Ein Hauch von Rock ’n’ Roll im Kinosessel
Hannover Aus der Stadt Ein Hauch von Rock ’n’ Roll im Kinosessel
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18:16 08.03.2012
Foto: Sie proben für ihre erste, eigene Kinovorstellung: Die hannoversche Band The High Speed Karmageddon.
Sie proben für ihre erste, eigene Kinovorstellung: Die hannoversche Band The High Speed Karmageddon. Quelle: Gabriel
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Hannover

Die hannoversche Musikszene trifft sich in diesem Jahr nicht nur in den städtischen Probekellern oder auf den Festivalbühnen im Sommer. Nein, man kommt in den Kinosälen der Stadt zusammen, um die eigenen Schauspielleistungen zu bewundern. Denn mit "Gangster, Geld & Rock’n’Roll" kommt ein Film auf die Leinwand, der fast komplett vom heimischen Musikpersonal gestaltet wurde. Die Darstellerliste liest sich wie ein Verzeichnis des aktuellen Bandkatalogs der Stadt. So spielt Christoph Stein Schneider von Fury in the Slaughterhouse und den Wohnraumhelden genauso mit wie die Sänger der Schulz, Jutta Weinhold und Dete Klamann. Bandmitglieder der Bands Transmitter, Monsters of Liedermaching und Guano Apes sind auch dabei. Und es gibt sogar einen Auftritt von Siggi und Raner, der kurz vor dem Tod von Jochen Krause aufgezeichnet wurde. Nur Heinz Rudolf Kunze wollte dann doch nicht so richtig beim Rockreigen mitmachen.

Das Drehbuch zum Film stammt von Autor Lars Oppermann, der Gitarrist der hannoverschen Band The High Speed Karmageddon, die sich im Film selbst spielt und auch den größten Teil des Soundtracks beisteuert. Derzeit probt die Band regelmäßig, weil fast jede Filmvorführung mit einem richtigen Rockkonzert gefeiert wird. Rock ’n’ Roll im Kinosessel.

"Vor einem Jahr wurde ich gefragt, ob ich nicht mein Buch ,Das Hiob Experiment’ verfilmen möchte", erzählt Oppermann im stickigen Proberaum in Wülfel zwischen Modelpostern und Schlagzeugbecken. "Aber mir war nicht nach Psychokrimi, eher nach einer Komödie." Also schrieb er ein Drehbuch, zeigte es in Musikerkreisen umher und war erstaunt über die positiven Reaktionen. Fast 150 Laiendarsteller wollten ganz ohne Gagen mitmachen. "Also haben wir das gemacht, was Rock ’n’ Roll ausmacht: Wir haben einfach losgelegt."

So prominent der Film besetzt ist, so abgedreht wirkt die Geschichte des Roadmovies. Ein Musikproduzent mit dem Namen Jack Pott hat die Gabe, nach genau jeweils sechs Jahren, sechs Monaten und sechs Tagen ein Hit-Album zu produzieren. Die Rockband The High Speed Karmageddon erfährt davon und beginnt sofort mit der Suche nach dem Mann- denn für das Hymnenalbum bleiben nur drei Wochen Zeit. Zudem müssen für die Aufnahmen 10.000 Euro beschafft werden. Also wird alles versucht, um so schnell wie möglich Geld zu beschaffen.

Gedreht wurde dabei 30 Tage lang in der Glocksee, in Proberäumen, in der Fössefeldschule und in der Villa Nordstern in Lehrte. Unterstützung fanden die Musiker bei Andreas Barthel und dessen Team von independent entertainment. Die Filmemacher haben schon viele Live-Konzerte mitgeschnitten und Dokumentationen mit Kabarettist Dietrich Kittner erstellt, aber einen Kinofilm zu gestalten, war dann doch eine Premiere. Aber Barthel – natürlich auch Musiker – gefiel die Idee so gut, dass er mit seinen Kameras anrückte und mitmachte. Die professionelle Zusammenarbeit stellte für die Musiker durchaus eine Herausforderung dar. "Manchmal sind drei Sätze schon schwierig. Oft bin ich von der Arbeit gekommen und war völlig durch. Aber es machte einfach Spaß", erzählt Frontmann der Band, Manuel Knust. "Es war eine großartige Erfahrung, und vielleicht haben wir unsere versteckten Talente entdeckt", sagt Schlagzeuger Andy Charcoal. "Wir haben einfach versucht, so authentisch wie möglich zu bleiben – denn das ist für uns auch Rock ’n’ Roll", sagt Oppermann.

In mehr als 40 Kinos wird der Film im April anlaufen. Für die Vorstellung im Cinemaxx Hannover am 13. April waren die Hälfte der Karten schon innerhalb von drei Tagen weg. Über einen zweiten Teil möchte Oppermann noch nicht nachdenken. "Wir warten erst mal ab und hoffen, dass ganz viele Menschen in die Kinos kommen." Es sollen wilde Filmpartys werden. Nur an das Rauchverbot müssen sich auch die Rocker halten. Und so hart dürfte der Mucker-Exzess dann auch nicht werden. Die FSK-Prüfung empfiehlt den Film zumindest ab 12 Jahren.

Jan Sedelies