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Aus der Stadt Ein Loch unter den Schienen in Hannover-Vahrenheide
Hannover Aus der Stadt Ein Loch unter den Schienen in Hannover-Vahrenheide
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21:14 03.01.2011
Von Vivien-Marie Drews
Fachleute untersuchen am Montag die Belastbarkeit der Gleise. Seit Sonnabend klafft in Vahrenheide ein Loch unter der Trasse.
Fachleute untersuchen am Montag die Belastbarkeit der Gleise. Seit Sonnabend klafft in Vahrenheide ein Loch unter der Trasse. Quelle: Martin Steiner
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In Vahrenheide haben Spezialisten am Montag nach der Ursache für die Erdabsackung unter den Stadtbahngleisen entlang der Vahrenwalder Straße gesucht – und sind fündig geworden. In einem unterirdischen Schmutzwasserkanal mit etwa 45 Zentimetern Durchmesser, der in Höhe der Straße Alter Flughafen die Vahrenwalder Straße kreuzt, fanden die Experten mehrere Risse. „Das Teilstück des Kanals ist am Montag mit Schiebern geschlossen und dann mit einer kleinen Kamera durchfahren worden“, erklärte Stadtsprecher Klaus Helmer. Wenige Stunden später waren die Bilder ausgewertet, die Risse als Ursache für das etwa 80 Zentimeter große und 1,50 Meter tiefe Loch unter den Stadtbahngleisen ausgemacht. „Durch die schadhaften Stellen ist Grundwasser in das Kanalrohr gedrungen und hat dabei reichlich Erdreich mit sich gespült. Da gibt der Boden irgendwann nach“, sagte der Stadtsprecher und versicherte: „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Sache.“ Wegen der Absackung hat die Üstra den Stadtbahnverkehr auf der Trasse nach Langenhagen vorerst eingestellt. Bisher konnte noch nicht geklärt werden, wie groß die Fläche ist, auf der der Boden zwar noch nicht in sich zusammengebrochen ist, aber nicht mehr die notwendige Stabilität aufweist, um täglich Stadtbahnen und Tausende Autos darüber rollen zu lassen. Fachleute unternahmen am Montag mehrere Belastungstests. Dabei gaben die Gleise der Stadtbahn mehrere Zentimeter nach unten nach.

Am Dienstag soll nun ein Bodengutachter den Bereich untersuchen. „Wir hoffen, dass die Ergebnisse umgehend vorliegen werden“, sagte Stadtsprecher Helmer. Erst dann könne entschieden werden, welche Maßnahmen notwendig seien, um den Boden zu stabilisieren. Noch ist also offen, ob auf der Vahrenwalder Straße womöglich umfangreiche Bauarbeiten bevorstehen. Ein neuer Schmutzwasserkanal muss aber nicht verlegt werden. Die Risse in dem Kanalrohr konnten bereits am Montag geflickt werden. „Dafür wurden Gummirohre in den Kanal eingeführt und mit Überdruck aufgepumpt. Sie sollen die beschädigten Stellen abdichten“, erklärte Helmer.

In den vergangenen Jahren ist es im Stadtgebiet Hannover immer wieder zu Absackungen gekommen, die auf gleiche Art und Weise durch defekte Abwasserkanäle verursacht wurden. So hatten Bauarbeiter im Sommer ein etwa zwei Meter tiefes Loch entdeckt, das sich ebenfalls auf der Vahrenwalder Straße in Höhe Niedersachsenring über eine Länge von 15 Metern erstreckte. Auch in der Celler Straße war der Boden im Jahr 2009 in sich zusammengebrochen. „Die Stadt weiß, dass das Kanalnetz saniert werden muss. Das erklärte Ziel ist, in Zukunft jährlich 25 Kilometer Rohre zu überprüfen und auszubessern“, sagte Stadtsprecher Helmer. Allein für das Jahr 2011 seien dafür 21 Millionen Euro im Haushalt eingeplant.

Bisher ist es durch die plötzlichen Absackungen zu keinen Unfällen gekommen. Auf der beschädigten Stadtbahntrasse entlang der Vahrenwalder Straße hätte es im schlimmsten Fall zu einer Entgleisung kommen können. Ein Stadtbahnfahrer hatte das Loch am Sonnabend entdeckt und umgehend den Leitstand informiert. Die Üstra sperrte die Strecke daraufhin.

Einen ähnlichen, aber weitaus gefährlicheren Vorfall gab es im Jahr 1977 auf der Stadtbahnstrecke entlang der Hildesheimer Straße. Dort rollte die Bahn damals noch über der Erde. „Die Bauarbeiten am Tunnel liefen bereits, dadurch sackte an einer Stelle das Erdreich auf einer beachtlichen Fläche ab“, sagte Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Ein Stadtbahnfahrer bemerkte die Gefahr. „Er konnte seine Bahn nicht mehr bremsen, brachte sie aber mit voller Geschwindigkeit und viel Schwung heile über das Loch hinweg“, berichtete Iwannek. Der Üstra-Mitarbeiter hastete daraufhin aus seinem Fahrerstand und warnte seinen Kollegen, der unmittelbar hinter ihm unterwegs war und geradewegs auf die gefährliche Stelle zufuhr. Wenige Meter vor dem Loch kam die Bahn mit 210 Menschen an Bord zum Stillstand. Im Nachhinein wurde klar: Die schwebenden Gleise hätten der Belastung wohl nicht mehr standgehalten.

Üstra-Kunden müssen umsteigen

Bis der Boden unter der Stadtbahntrasse in Vahrenheide wieder stabilisiert ist, hat die Üstra den Verkehr der Stadtbahnlinie 1 in diesem Bereich vorerst eingestellt. Die Verkehrsbetriebe haben einen Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Sie pendeln zwischen den Haltestellen Kabelkamp und dem Endpunkt in Langenhagen. „Wir haben derzeit acht Fahrzeuge im Einsatz“, sagte Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Wenn am Donnerstag die Ferien vorbei und wieder Hunderte Schüler auf der Strecke unterwegs sind, sollen zwei zusätzliche Busse bereitgestellt werden, um das Passagieraufkommen zu bewältigen. „Natürlich ist der Ersatzverkehr nicht so komfortabel wie die Fahrt mit der Stadtbahn. Aber aus unserer Sicht läuft bisher alles reibungslos“, sagte Iwannek. Täglich müssten mehrere Tausend Fahrgäste von der Bahn in den Bus umsteigen. An der Haltestelle Kabelkamp sind Üstra-Mitarbeiter vor Ort, um sicherzustellen, dass die Passagiere ihre Anschlussbusse und -bahnen bekommen. Für gehbehinderte Kunden bietet die Üstra einen besonderen Service an: Für sie pendelt ein Taxi zwischen der Haltestelle Büttnerstraße und dem Endpunkt in Langenhagen.

03.01.2011
Vivien-Marie Drews 03.01.2011