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Aus der Stadt Technik-Salon zum Feuerwerk mit Funkeleffekt
Hannover Aus der Stadt Technik-Salon zum Feuerwerk mit Funkeleffekt
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00:15 11.05.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Vortrag mit Knalleffekt: Nick Edgington beim praktischen Teil des Vortrags über Pyrotechnik. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Das Thema brachte all das mit sich, denn es ging um Pyrotechnik. Moderator Eckhard Stasch vom Technik Salon – so etwas wie der kleine Bruder des Literarischen Salons – hatte drei Feuerwerksexperten in den Saal der Technischen Informationsbibliothek eingeladen: Anke Lohmann bildet an der Deutschen Eventakademie angehende Feuerwerker aus, Nick Edgington ist der Brennmeister beim Internationalen Feuerwerkswettbewerb in Herrenhausen und Georg Alef leitet die Forschungsabeteilung der Feuerwerksfirma Weco. Alle sind ausgebildete Pyrotechniker. Das zu werden ist nicht ganz einfach. Anke Lohmann erklärte, was alles zur Ausbildung gehört. Neben einer „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ und einer langen Ausbildung gehört auch Leidenschaft dazu. „Man muss für den Job brennen“, sagte Lohmann. Aber nicht zu sehr. „Wir wollen keine Freaks“, schränkte sie später ein.

Mit dem Thema Pyrotechnik hat sich der Technik-Salon an der Universität Hannover beschäftigt.

Ein paar Freaks gab es auf dem Video zu sehen, dass Moderator Stasch kurz darauf präsentierte: Jugendliche, die einander mit Feuerwerksraketen beschießen und sich später schreiend vor Schmerz am Boden wälzen. Die anwesenden Pyrotechniker reagierten mit Abscheu und Empörung. „Das ist nicht witzig, sich so etwas anzuschauen“, sagte Anke Lohmann, und ihr Kollege Georg Alef ergänzte: „Vor solchen Leuten habe ich Angst.“ Solche Fälle von Feuerwerksmissbrauch könnten schließlich zur Verschärfung von Gesetzen führen, was wiederum die Arbeit von Pyrotechnikern erschweren könnte.

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Andererseits seien solche Grenzüberschreitungen ja Realität, gab Moderator Stasch zu bedenken und kam auf das Thema Bengalos im Stadion zu sprechen. Wie sollen Fans ein Stadion in einen Hexenkessel verwandeln, ohne Pyrotechnik zu verwenden, fragte er die Feuerwerker. Die Antworten waren eindeutig: „Atmo machen geht anders“, sagte Anke Lohmann und erklärte, dass der Rauch der Seenotkennzeichen, die meist in den Stadien gezündet werden, gesundheitsschädigend sei. Georg Alef wies darauf hin, dass beim illegalen Stadionfeuerwerk meist Magnesium verbrannt werde. „Das sind die heißesten Feuerwerkskörper, die wir haben“, sagte er. Seine Einschätzung: „Das ist versuchter Totschlag.“ Nick Edgington wies darauf hin, dass Feuerwerk im Stadion durchaus eine schöne Sache sei – wenn es von Profis gemacht werde. In den USA etwa gebe es zu großen Spielen eine Pyroshow mit Silberwänden und Böllerschüssen bei jedem Tor.

Wie so ein Silberfunkenregen zustande kommt, zeigte Feuerwerker Alef an praktischen Beispielen. Vor der Flamme eines Gasbrenners ließ er Metallsalze herunterrieseln – und erzeugte so einige interessante Funkeleffekte. Hier konnte man etwas lernen: Holzkohlepulver macht einen rötlichen Goldregen, Eisen sorgt für Wunderkerzengefunkel und Titan macht Silberwolken. Schön.

Überhaupt war das eine sehr lehrreiche Veranstaltung. Man erfuhr allerlei von Zündkreisen, Abschussvorrichtungen, Zerlegerladungen, Abbrennplänen und Funkengebern. Und auch, dass bei einem Großfeuerwerk keine Raketen in den Himmel steigen, sondern „Bomben“. Das Schwarzpulver, das die Sache nach oben befördert, fliegt nämlich nicht mit (wie bei einer Rakete), sondern bleibt am Boden, es brennt in einem Becher ab und der Feuerwerkskörper wird durch ein Rohr hochgeschossen.

Auch wenn das Thema Umweltverschmutzung, Kohlendioxydemmissionen und Feinstaubbelastung ausgeklammert wurde, war dieser Technik-Salon ein durchaus erhellender Abend.

Am Freitag, 29. Mai unternimmt der Technik-Salon von 14 bis 17 Uhr eine Exkursion ins Zementwerk Höver. Anmeldung per E-Mail.

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