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Aus der Stadt Ein kleines Museum wird erwachsen
Hannover Aus der Stadt Ein kleines Museum wird erwachsen
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00:23 02.04.2015
Von Rüdiger Meise
Im Möbelhaus ist Andrea Meyer für das Museum zuständig - so auch für den Original-Rometsch auf Käferbasis von 1951 im Schaufenster.
Im Möbelhaus ist Andrea Meyer für das Museum zuständig - so auch für den Original-Rometsch auf Käferbasis von 1951 im Schaufenster. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

 „Das kleinste Designmuseum Deutschlands“, wie sein Schöpfer Anand Steinhoff stolz sagt. 2012 verwirklichte er seine Idee, und seither steigen die Besucherzahlen in dem originellen Bau stetig. Die aktuelle Ausstellung „Käfer de luxe“ haben bislang rund 12 000 angemeldete Besucher gesehen. Besucher des Möbelhauses, die beim Schlendern durch die Etagen auch das Museum besichtigen, sind dabei nicht mitgezählt.

Vor wenigen Tagen führte Andrea Meyer, die bei Steinhoff für die tägliche Betreuung des Museums zuständig ist, eine Gruppe von Industriedesign-Studenten aus China und Korea durch die Ausstellung. „Wir sind selbst überrascht über die Anziehungskraft von ‚Käfer de luxe‘“, sagt Steinhoff. Besuchergruppen aus Südafrika, Spanien und Italien sowie der ehemalige VW-Aufsichtsrat Jürgen Peters waren schon am Braunschweiger Platz, um zu sehen, welch illustre Blechkleider der Karosseriebauer Friedrich Rometsch in den Fünfzigern aus Käfer-Chassis schneiderte.

Alle Bilder zur Ausstellung "Käfer de Luxe" im Möbelhaus Steinhoff am Braunschweiger Platz in Hannover.

Mit der Ausstellung erzählt Anand Steinhoff ein fast vergessenes Kapitel VW-Geschichte: In den Fünfzigerjahren ist das Wirtschaftswunder in vollem Gange. Wer es sich leisten kann und etwas auf sich hält, liebt es individuell und fährt ein Auto, das kein anderer hat. Das bringt das Geschäft der Karosseriebauer buchstäblich ins Rollen. Friedrich Rometsch baut flache, geschwungene, sportliche Karosserien. Schnell zählen bekannte Hollywood-Schauspieler wie Gregory Peck und Audrey Hepburn zu seiner Kundschaft.

Akkordarbeiter dengeln in der Rometsch-Werkstatt am Stadtrand von Berlin Aluminiumbleche über Modellen aus massivem Holz. Bei Steinhoff ist ein solches Holzmodell ausgestellt. „Es gab keine Zeichnungen, nur Modelle und Skizzen“, sagte ein ehemaliger Arbeiter. So wurde jedes Rometsch-Auto zum Unikat.

Ausgeliehen sind sämtliche Exponate, die bei Steinhoff zu sehen sind, von Traugott Grundmann, einem Geschäftsmann, der in Hessisch Oldendorf die größte VW-Sammlung der Welt zusammengetragen hat. Auf der Internetseite des Designmuseums erklärt Grundmann die Geschichte des „Käfer de luxe“, dessen Ende Anfang der Sechzigerjahre durch den Bau der Berliner Mauer eingeläutet wurde. Das Interview mit Grundmann führt Anand Steinhoff selbst - ein solches Gespräch ist fester Bestandteil jeder Ausstellung des Museums.

Der Möbelunternehmer hat sich mit dem kleinen Museum einen Traum verwirklicht, den er weiterträumen will. „Seit meiner frühen Kindheit ist Design ein wesentlicher Teil meines Lebens“, sagt Steinhoff. Seine Idee, ein Minimuseum für Design in Hannover zu eröffnen, fand 2010 namhafte Unterstützer - unter anderem Wolfgang Schepers, den ehemaligen Direktor des Museums August Kestner, die bis dato einzige Adresse für die Geschichte des Designs in der Stadt. Mit Manuela van Rossem vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg fand Steinhoff eine Kuratorin, die bis heute jede Schau verantwortet. Allein der Bau des zwölf Tonnen schweren Museums im Möbelhaus kostete ihn eine sechsstellige Stumme - und seinem Statiker manche Stunde Schlaf.

Die erste Ausstellung 2012 war Werk und Wirken des US-Designerehepaars Ray und Charles Eames gewidmet. Weltbekannt wurde der 1956 von beiden kreierte „Lounge Chair“, eine Variante des Klubsessels aus Schichtholz und Leder. Im Steinhoff-Museum war das gute Stück ebenso zu sehen wie dessen Vorbild: ein Baseballhandschuh. 5000 Besucher zählte die Ausstellung am Ende.

Die zweite Ausstellung „Seid-wärts“, die Bilder der legendären Seidenstraße oder Werkzeuge zur Verarbeitung des edlen Stoffs zeigte, sahen 10 000 Besucher. Aus den damals ausgestellten, bis zu sechs Meter langen Saris fertigte Star-Designer Jan Kart anschließend in seiner indischen Manufaktur edle Teppiche.

Die aktuelle Schau „Käfer de luxe“ ist jüngst bis zum Juni verlängert worden. Danach will Steinhoff eine Ausstellung zum Leben und Wirken des finnischen Architekten und Designers Alvar Aalto präsentieren - wie immer kuratiert von Manuela van Rossem.

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