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20:19 10.04.2014
Ein außergewöhnliches Hobby: Planespotting. Quelle: Von Ditfurth
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Es hat etwas Majestätisches, wenn sich ein Flugzeug in die Luft erhebt. Ja, gar etwas Siegreiches. Unter ohrenbetäubendem Lärm schieben die Triebwerke die Maschine in die Höhe. Die Schwerkraft ist niedergerungen, die Aerodynamik übernimmt. So behäbig ein tonnenschweres Flugzeug am Boden auch scheint, wird es rückwärts vom Terminal auf die Rollbahn geschoben, so elegant sieht es aus, wenn die übergroßen Reifen den Kontakt zur Startbahn verlieren. Dann verschwinden die Fahrwerke im runden Flugzeugbauch, und der Flieger ist wenig später nur noch ein winziger Punkt am Horizont.

Bernd-Rainer Busch beobachtet diesen Vorgang aus der Ferne. Er liebt es zwar, beim Start in den Sitz gedrückt zu werden. Doch heute schaut er nur zu. Durch das Objektiv seiner Kamera. Am Ende der südlichen Startbahn am Flughafen Hannover steht eine Maschine bereit. Langsam rollt sie an, Busch richtet seine Kamera auf den Flieger. Klick, klick, klick. Die Maschine beschleunigt auf über 250 Kilometer in der Stunde, schießt an Busch vorbei. Wieder hört man den Auslöser seiner Spiegelreflexkamera mit dem großen Teleobjektiv. Der Linienflieger der British Airways hebt ab, Busch verfolgt ihn noch einige Sekunden durch den Sucher seiner Kamera – bis der nach einer sachten Rechtskurve an Höhe gewinnt und davonfliegt.

Planespotter fahren zum Teil Hunderte Kilometer, um ein Flugzeug zu sehen. Einblicke in eine Szene:

Auf der kleinen Anhöhe, dem sogenannten Spotterhügel, direkt am Zaun neben der Landebahn, hat man einen guten Blick auf das Treiben an den Terminals. Von hier lässt sich das Betanken und Beladen der Maschinen beobachten. An Wochenenden mit klarem Himmel und Sonnenschein drängen sich hier Dutzende Menschen mit Kameras und schießen Bilder von startenden und landenden Flugzeugen. Stundenlang hocken sie da und warten. Was für Außenstehende nicht ganz leicht zu begreifen ist, bereitet den sogenannten Planespottern – den Flugzeugbeobachtern – großes Vergnügen.

Busch ist frühmorgens aus Bremen angereist, um bei blauem Himmel Fotos zu machen. An diesem Vormittag wird er nur gewöhnliche Linienflüge fotografieren. Eine Maschine hebt in Richtung der Kanaren ab, eine geht nach London. Solche Passagiermaschinen beeindrucken ihn nicht sonderlich, erzählt er. Und erinnert sich an einen weitaus aufregenderen Tag im Sommer 2013.

Im Juni vergangenen Jahres kam US-Präsident Barack Obama nach Berlin. Und mit ihm seine Entourage. Flieger um Flieger landete in der Hauptstadt und öffnete seine Luken. „Aus einem Flugzeug kam seine Limousine gerollt“, sagt Busch. Solche Momente sind für Planespotter ganz besondere. Die wuchtigen Maschinen der US-Luftwaffe vom Typ Lockheed C-5, auch Galaxies genannt, wiegen schon ohne Fracht knapp 380 Tonnen und brauchen eine Startbahn von mehr als zweieinhalb Kilometer Länge. „Um so etwas zu sehen, nimmt man gerne eine lange Anreise in Kauf“, sagt der Flugzeugliebhaber.

Einen perfekten Tag am Rollfeld stellt sich Busch so vor: gutes Wetter, freie Sicht auf die Start- und Landebahn – und die Ankunft einer Antonov 124. Das gigantische russische Transportflugzeug ist mittlerweile eine Rarität am Himmel. Gebaut wird es seit Jahren nicht mehr. Auch eine russische Tupolev 154 mit ihren Triebwerken im Heck würde Busch gerne vor die Linse bekommen – noch so eine Seltenheit.

Bernd-Rainer Busch verbringt seine Freizeit seit 2004 damit, Flugzeuge zu fotografieren. „Doch meine Leidenschaft für die Fliegerei ist schon älter“, sagt der 46-Jährige. Seine Großmutter habe ihn damals an die Hand genommen und ihm am Flughafen Bremen die Flieger gezeigt. Mittlerweile kennt er so manchen Flughafen in Europa. Einmal im Jahr fliegt er mit seiner Frau nach Malaga. Und auch im Urlaub knipst er an Flughäfen. „Meine Frau kommt selten mit, aber gönnt mir mein Hobby“, sagt er. Er fotografiert alles, was in der Luft ist. Auch Vögel. Das erzählt er, lacht ein wenig und rückt seine Sonnenbrille zurecht. Aus Verlegenheit? Nicht Busch. Er weiß, dass Planespotter für ihr Hobby häufig belächelt werden. Doch für ihn ist die Sache klar: „Jeder soll das machen, was ihm Spaß macht.“

In Deutschland sollen es etwa 2000 Menschen sein, die regelmäßig Flieger fotografieren. Planespotter sind kaum in Vereinen organisiert. Wenn überhaupt sind es lose Gemeinschaften, die sich hin und wieder an den einschlägigen Plätzen treffen. Wer nach Informationen sucht, findet aber in Internetforen und Blogs reichlich davon. Einmal angemeldet, erschließt sich die ganze Bandbreite des zeitaufwendigen Hobbys. Die besten Bilder werden prämiert, Orte mit dem besten Blick diskutiert. Wer eine Information über die Ankunft eines seltenen Fliegers, einer Regierungsmaschine oder eines Flugzeugs im Testbetrieb hat, gibt sie dort weiter.

Es ist kein Geheimnis, dass es meist Männer sind, die auf Flieger starren. Doch es gibt Ausnahmen. Carsten Bodenburg, ein Spotter aus Stelingen bei Garbsen, der sich neben Busch auf dem Hügel eingerichtet hat, weiß von einer Frau zu berichten – sie reise regelmäßig durchs Land, um Flugzeuge zu fotografieren. Zum Spotten sei sie über ihren Freund gekommen, weil er seine Filme bei ihr im Laden entwickeln ließ. Eine Romanze aus Tagen der analogen Fotografie.

Mittlerweile ist Spotten auch eine Frage der Technik, Internetdienste bieten einen Rundumservice. Nahezu der ganze Flugverkehr wird in Echtzeit auf einer Weltkarte gezeigt. Es gibt Informationen, von denen Planespotter vor Jahren nur träumen konnten: Flughöhe, Geschwindigkeit, Start- und Zielflughafen, Route – all das wird angezeigt. Ein Spotter kann also die Maschine, auf die er wartet, auf ihrem Flug bis zur Landung verfolgen, weiß genau, wie hoch sie ist und wie weit vom Flughafen entfernt.

Busch nutzt die Möglichkeiten nicht. Er behält seine Bilder für sich und ist sich auch für das Warten an der Landebahn nicht zu schade. „Natürlich mache ich mich im Internet schlau, wenn ich wissen will, ob und wann eine besondere Maschine runtergeht, doch für einen normalen Tag reicht es mir auch, einfach zu warten und mich überraschen zu lassen“, sagt der Bremer.

So hält es auch Bodenburg. Der 48-Jährige schießt seine Bilder für sich und sein Archiv. Der Mann aus Stelingen ist wohl das, was man einen alten Hasen nennt. Sein erstes Bild von einem Flugzeug machte er 1972, seit Ende der siebziger Jahre fotografiert er regelmäßig. Erst in der vergangenen Woche sei er in Frankfurt und Hamburg gewesen, um auf den Auslöser zu drücken. Doch für Bodenburg geht es auch weiter. Weit mehr als 100 Flughäfen habe er weltweit schon besucht. Immer mit der Kamera, dem Teleobjektiv und einem Block für Notizen dabei. Für ihn ist es eine Leidenschaft, der er neben seinem Job im Lager eines großen Logistikunternehmens in der Nähe des Flughafens gerne nachgeht.

Über die Jahre habe er nicht nur Tausende Bilder gemacht und archiviert, sondern auch einiges erlebt. Mit einer russischen Iljuschin 76 ist er einmal nach Luxemburg geflogen – im Cockpit stehend. „Das war ein ganz anderes Flugerlebnis“, erzählt er und gerät ins Schwärmen: „Rein in die Wolken und wieder heraus, das bekommt man ja hinten im Flieger gar nicht so mit.“ Auch am Flughafen von Kamtschatka war er schon einmal. Und das vor dem Fall der Sowjetunion. Damals war die Halbinsel in der Beringsee noch militärisches Sperrgebiet. „Ich konnte im Wald versteckte Militärmaschinen beobachten“, erinnert sich Bodenburg.

Busch und Bodenburg wissen beide, dass es nicht alle Verantwortlichen der Flughäfen gerne sehen, wenn Horden von Spottern ihre Objektive über die Sicherheitszäune schieben. „Es gibt Regeln, und die müssen eingehalten werden,“ sagt Busch. Das Flughafengelände ist tabu. Wenn ein Gelände keinen optimalen Ausblick bietet, ein anderer Flughafen wird es sicher. Beliebt sind etwa Frankfurt, München und Düsseldorf. Schon allein wegen der Vielzahl verschiedener Airlines. In Frankfurt-Hahn landen regelmäßig große Frachtflugzeuge. In Hamburg und Finkenwerder sitzen Lufthansa Technik und der Flugzeugbauer Airbus. Auch eine Reise nach London-Heathrow, Paris oder Amsterdam-Schiphol lohne sich. Da gehen die großen Maschinen über den großen Teich in die USA – und Busch und Bodenburg waren schon häufig dabei, als sie ihre Reise begannen.

Von Felix Klabe

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