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Aus der Stadt Einblicke in den Anbau vom Sprengel Museum
Hannover Aus der Stadt Einblicke in den Anbau vom Sprengel Museum
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00:19 13.06.2015
Von Daniel Alexander Schacht
Die pompeji-rote Wand setzt einen Kontrast zum Weiß im Alexander-Calder-Saal, der den Übergang vom Altbau darstellt.
Die pompeji-rote Wand setzt einen Kontrast zum Weiß im Alexander-Calder-Saal, der den Übergang vom Altbau darstellt. Quelle: Michael Thomas
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"Ich bin stolz und froh, dass alles so gut geklappt hat“, sagt Marlis Drevermann und fügt wenig später hinzu: „Jetzt wird der zwischenzeitliche Ärger verschwinden.“ Hannovers Kulturdezernentin steht bei diesen Worten vor der Rotunde im Sprengel-Erweiterungsbau. Es ist einer der vielen Lokaltermine, die der Öffentlichkeit die Vorzüge des Neubaus vor Augen führen und so dem Ärger über Terminverschiebungen und über die von 25 auf 35,7 Millionen Euro gestiegenen Baukosten begegnen sollen.

Diesmal aber findet die Führung geradezu im Feierton statt. Denn diesmal gibt es wirklich Neuigkeiten: Erstmals ist Architekt Markus Peter gemeinsam mit Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic dabei; für die Grünen-Politikerin ist es der erste Besuch im Erweiterungsbau. Vor allem aber ist – knapp drei Wochen vor dem Übergabetermin 30. Juni – erstmals der Endzustand absehbar.

Kultusministerin Gabriele Heinen-Klajic hat erstmals den Sprengel-Neubau besucht, der mittlerweile so gut wie fertig ist.

Alexander-Calder-Saal

Der bislang Placement genannte, zwei Stockwerke hohe Raum mit der Rotunde, der Alt- und Neubau verbindet, soll künftig Alexander-Calder-Saal heißen. „Damit erweisen wir dem Schöpfer des Hellebardiers am Maschsee eine Reverenz“, sagt Museumschef Reinhard Spieler, der auch ein Calder-Mobilee an der Raumdecke installieren lassen will. Vom Calder-Saal aus gut sichtbar bleiben soll die große Stahlskulptur Erich Hausers, die bislang vor dem Museumseingang steht und nun hinter dem Gebäude aufgestellt werden soll.

Weiße Wände, pompejanisches Rot

Inzwischen sind alle Trockenbauwände, mit denen die zehn Ausstellungsräume jeweils um wenige Grad gegeneinander versetzt und so zu „tanzenden Räumen“ werden, strahlend weiß und vermitteln den endgültigen Raumeindruck. Im Calder-Saal ist eine Wand in pompejanischem Rot dunkel abgesetzt. „Das setzt einen starken Kontrapunkt“, sagt Architekt Peter.

Sandfarbener Terrazzoboden

Einen warmen und zugleich hellen Farbton hat der sandfarbene Terrazzo, der im kompletten Neubau, auch auf der Rotunde, den Boden bedeckt. „Er rundet den Raumeindruck ab, zu dem die Architektur nur Licht und Proportion beisteuert“, sagt Markus Peter. „Eigentlich muss man das Bauwerk nicht sehen, denn es ist für die Kunst gebaut, nicht für die Architektur.“

Lamellen an Decken und Fenstern

Als „größte Herausforderung für den Architekten“ bezeichnet Peter die Lichtführung. In allen Räumen lässt sich anstelle von Leuchtstoffröhrenlicht auch wechselnde Tageslichteinstrahlung über computergesteuerte Lamellen stabil halten, Textilbahnen erlauben auch eine teilweise oder komplette Verdunkelung – „wenn wir mal empfindliche Papierarbeiten oder auch Videokunst zeigen wollen“, erläutert Reinhard Spieler und weist darauf hin, dass Tages- und Kunstlicht dabei verblüffend ähnlich scheinen. Lamellen regeln auch den Lichteinfall in den drei Loggien zum Maschsee.

Einhelliges Lob erhielt der Neubau vom Architekten, dem Museumschef und den Repräsentanten von Stadt und Land – wobei Kulturministerin Heinen-Kljajic besonders feierlich wurde. „Beeindruckend und faszinierend“, urteilte sie nach dem Rundgang über den Erweiterungsbau, der „höchst raffiniert und aufwendig“ ausgestattet und „für alle Eventualitäten gerüstet“ sei. „Das Bauen hat sich absolut gelohnt.“

„Die Fassade 
ist bewusste
 Provokation“

Mit Markus Petzer vom Architektenbüro Meili+Peter, das den Neubau entworfen hat, sprach Daniel-Alexander Schacht:

Dies ist Ihr erster Museumsbau. Was war dabei die größte Herausforderung?

Es war eine Supererfahrung, das 
Placement mit der großen Rotunde herzustellen, das so viele Funktionen erfüllen muss: Es ist Bindeglied zum Altbau und noch dazu Durchgangs- und Ausstellungs- und Veranstaltungsort. Das umzusetzen war so schwierig, dass wir mehrfach unsere Pläne revidieren mussten.

Dass die Ausstellungsräume gegeneinander versetzt „tanzen“, ist fast unmerklich. Lohnt das trotzdem den Aufwand, wirkt es vielleicht ganz sublim?

Diese permanent knickenden Diagonalen setzen einen Kick – man sieht von einem Raum schon die Werke an der Wand des nächsten Raumes, wird weiter gezogen. Das ist viel spannender als eine achsensymmetrische Enfilade.

Gibt es eine Botschaft des Gebäudes nach außen, eine architektonische Aussage?

Der Erweiterungsbau ist Teil eines Gesamten, bezieht sich auf den Altbau und kommuniziert damit. Er ist eben kein solitärer Neubau, sondern ein Weiterbau.

Aber bezieht es sich auf die sonstige Umgebung, etwa den Maschsee?

Die Fassade mit dem Relief reagiert schon darauf – und das ist eine riesige und bewusste Provokation in der Architekturszene. Denn man kann ja fragen: Darf ein Architekt ein Relief machen? Oder ist das den Künsten vorbehalten? Aber die mittelalterlichen Architekten haben an den Kirchenfassaden Reliefs gebaut, Mies van der Rohe hat mal ein Relief gebaut – also: Warum nicht?

In Wien weist das 1897 errichtete Gebäude der Sezession Reliefs auf, die für Kunstpräsentationen genutzt werden, als Ausstellungsfläche. Ist das auch eine Option für den Erweiterungsbau?

Auch da sage ich: Warum nicht.

Sie haben ja auch gesagt, diese Architektur ist für die Kunst gebaut und nicht für die Architektur.

Klar, wichtiger als das Gefallen an der Architektur ist es, dass den Besuchern des Sprengel-Museums die Kunst darin gefällt.

Jörn Kießler 10.06.2015
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