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Aus der Stadt Einbrecher zieht es in den Süden
Hannover Aus der Stadt Einbrecher zieht es in den Süden
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22:34 16.04.2010
Von Vivien-Marie Drews
Quelle: Handout

Die Steigerung kann er nicht erklären. „Es gibt in der Statistik immer mal Ausreißer“, sagt er. Für das Handeln der Polizei komme es nicht so sehr auf die Gesamtstatistik an. „Wenn wir nur zwei ähnliche Einbrüche innerhalb kurzer Zeit haben, werden wir präventiv aktiv.“

Die Zahl der schweren und gefährlichen Körperverletzungen sank im Süden im vergangenen Jahr von 388 auf 370 Taten. Die Zahl der einfachen Körperverletzungen hingegen stieg: Registrierte die Polizei im Jahr 2008 noch 765 Taten, waren es 2009 insgesamt 864 Fälle. Beachtlich ist die Entwicklung der Raubüberfälle auf Straßen und öffentlichen Plätzen. 2008 gingen 53 Taten in die Statistik ein, 2009 waren es 74 Raubüberfälle dieser Art. Laut einer Erhebung der Stadt Hannover im Jahr 2008 fühlen sich die Anwohner der südlichen Stadtteile in ihrer Umgebung überdurchschnittlich sicher.

Misburg

„Wenn was passiert, dann sind das gleich richtig dreiste Taten“, erzählt die Verkäuferin eines Schmuckgeschäfts in Misburg. Allein drei ihrer Kunden seien betroffen gewesen. Die Täter kamen tagsüber, hebelten mit ein paar Handgriffen ein Fenster auf. „Die Leute haben zum Teil in der Küche gesessen, während die da einfach eingestiegen sind“, erzählt die Verkäuferin. Schmuck und Bargeld, darauf hätten die Täter es abgesehen. Schnelle Beute.

„Serieneinbrüche sind eher die Ausnahme“, sagt Ewald Rothkegel, Leiter des Kriminalermittlungsdienstes der Polizeiinspektion Süd. „Die Banden ziehen für ein paar Tage durch den Stadtteil und verschwinden wieder.“ Misburg war in den vergangenen Jahren einige Male betroffen, auch im Emslandviertel in Bemerode haben Einbrecherbanden schon ganze Straßenzüge abgearbeitet.

Regelmäßig treffen sich vor dem Rewe-Markt an der Hannoverschen Straße rechtsextreme Jugendliche, trinken dort ihr Bier. Im vergangenen Jahr kam es zu Übergriffen auf eine junge Frau. „Das war ein Einzelfall. Die Polizei hat mir zugesagt, die Szene im Auge zu behalten“, sagt Bezirksbürgermeister Knut Fuljahn. Präsent sind die Beamten auch an der Bushaltestelle an Meyers Garten. Sie diente Jugendlichen im vergangenen Jahr als beliebter Treffpunkt. Alkohol floss – Rangeleien, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen folgten. „Es hat ein bisschen gedauert, aber als die Betreiber der anliegenden Geschäfte alle Alarm geschlagen haben, ist die Polizei aktiv geworden“, sagt eine Gastronomin. Sie lebt gern in Misburg. „Natürlich gibt es mal Probleme. Aber im Vergleich zu anderen Stadtteilen sind das doch Kleinigkeiten.“ Vor einigen Jahren stand die Schließung des Polizeikommissariats zur Diskussion. „Sparmaßnahme“, sagt Bezirksbürgermeister Knut Fuljahn (SPD) und betont: „Wir sind froh, dass es anders gekommen ist, dass wir die Beamten weiterhin vor Ort haben.“

Bemerode

Mit den jungen Frühlingstagen kommen in Bemerode die alten Sorgen zurück. „Alle fragen sich, ob das Drama jetzt von vorne beginnt“, sagt ein Anwohner. Abend für Abend hat er im vergangenen Sommer beobachtet, wie eine Gruppe Jugendlicher – etwa 20 Personen – an der Stadtbahnhaltestelle Brabeckstraße Scheiben zu Scherben zertrümmerte, pöbelte, dealte, randalierte. „Das ging über Wochen“, erzählt ein Geschäftsmann. Eine internationale Gruppe sei das gewesen. „Deutsche, Türken, Russen. Nicht nur aus Hannover. Irgendwann sind hier auch Autos mit fremden Kennzeichen aufgetaucht“, berichtet der Geschäftsmann. An einem warmen Juniabend kam es zu einem vorläufigen Höhepunkt. „Es gab Streit. Da ist der eine dem anderen mit dem Messer in der Hand hinterher“, erzählt ein Anwohner. Von der Terrasse eines Eiscafés aus beobachtete er die Szene – wie so viele. Die Polizei rief er nicht – wie so viele. Wie so oft zuvor. „So ist das eben. Alle gaffen, keiner greift ein“, sagt der Anwohner. Von der Polizei fühlt er sich allein gelassen. „Natürlich sind denen nicht alle Vorfälle gemeldet worden. Aber die haben uns ja auch gar nicht ernst genommen.“ Ein Nachbar formuliert es drastischer: „Die haben uns für dumm verkauft. Die Politik auch“, sagt er. „Aus Sorge, der Stadtteil könnte durch die Vorfälle stigmatisiert werden, hat die Politik versucht, alles unter der Decke zu halten.“

Ende des vergangenen Jahres wurde die Situation an der Brabeckstraße erstmals im Bezirksrat aufgegriffen, die Polizei zeigte Präsenz, führte innerhalb weniger Wochen Dutzende Kontrollen durch, stellte Waffen und Alkohol sicher. „Während der kalten Wintertage hat sich die Lage beruhigt. Das war den Jugendlichen wohl zu ungemütlich“, sagt der Geschäftsmann. Er traut dem Frieden nicht. Nach Angaben der Polizei war die Situation an der Brabeckstraße eine Ausnahme. „Wie überall im Süden ist es in Bemerode erfreulich ruhig“, sagt ein Kontaktbeamter.

Mittelfeld

Allein in den vergangenen Monaten sind Einbrecher zweimal in den kleinen Kiosk am Lehrter Platz in Mittelfeld eingestiegen. „Einmal sind sie durch die Tür, das andere Mal hinten durchs Fenster“, erzählt eine Angestellte. Die Einbrecher hätten schnell gefunden, worauf sie es abgesehen hatten. „Alkohol“, sagt die Frau. Einen der Täter hätte sie am Morgen nach dem Einbruch in dem kleinen Raum hinter der Ladentheke gefunden. Im Sessel habe er gesessen, total betrunken. „In Mittelfeld spielt diese Art der Alkoholbeschaffung sicherlich eine größere Rolle als in anderen Stadtteilen“, sagt der Kontaktbeamte Wolfgang Marschall. Der Rübezahlplatz ist ein fester Treffpunkt für Trinker. „Insgesamt hat sich die Lage in Mittelfeld aber in den vergangenen Jahren deutlich verbessert“, sagt Marschall. Das liegt nach seiner Einschätzung vor allem an den Maßnahmen, die die Wohnbaugesellschaften ergriffen haben. „Viele Häuser sind sehr schön renoviert worden, und es gibt ein sehr aktives Quartiersmanagement“, sagt der Kontaktbeamte. Der ganze Stadtteil mute nun viel positiver an. „Das wirkt sich schnell auf das Sicherheitsempfinden der Leute aus.“

Südstadt, Waldhausen, Döhren

„Hier ist es doch sicher. Die Südstadt ist einfach total ruhig“, sagt der junge Mitarbeiter eines Friseursalons in der Sallstraße. Eine persönliche Einschätzung, der sich die Geschäftsleute vom Wirtschaftsforum Südstadt, Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne, Lokalpolitiker und Anwohner ausnahmslos anschließen – selbst die Polizei. Tag für Tag ist der Kontaktbeamte Rolf Pieper zu Fuß in dem Revier zwischen Messeschnellweg und Maschsee, Aegi und Döhrener Turm unterwegs. „Die Südstadt gleicht fast einer ländlichen Idylle“, sagt Polizeioberkommissar Pieper. Gewaltdelikte und Raubüberfälle auf offener Straße sind Einzelfälle. Die Trinker- und Drogenabhängigenszene am Stephansplatz und an der Schlägerstraße sei „überschaubar“, sagt Pieper. „Die verschwinden am Abend pünktlich von der Straße und halten Abstand zu Kindern. So haben wir es abgemacht.“

Allerdings ziehen die bürgerlichen Wohnhäuser in Döhren, Waldheim und Waldhausen sowie in der Südstadt eine ganz bestimmte Tätergruppe an: Trickbetrüger. „In den vergangenen Monaten haben wir viele Enkeltrickfälle gehabt“, sagt Wolfgang Marschall, Kontaktbeamter in Waldhausen, Döhren und Wülfel. Die Täter gaukeln ihren Opfern am Telefon vor, ein Verwandter in finanziellen Nöten zu sein. Nicht selten erschleichen sie sich fünfstellige Beträge. „Hier wohnen viele ältere Menschen. Sie sind häufig einsam und anfällig für die Masche der Trickbetrüger“, sagt Marschall.

Laatzen

Am frühen Nachmittag beginnen an der Stadtbahnhaltestelle Laatzen Zentrum vor dem Leine-Center die Probleme. „Dann hängen da viele Jugendliche ab, pöbeln alte Menschen an und beleidigen Passanten“, sagt ein junger Mann. „Einem Freund von mir haben sie vor Kurzem das Nasenbein gebrochen.“ Schülerinnen berichten, dass sie den Bereich um das Leine-Center abends meiden, zu oft sind sie schon belästigt worden. Man bemühe sich um eine Neugestaltung in Laatzen-Mitte, sagt Bürgermeister Thomas Prinz. Es sei wichtig, Straßen und Plätze zu beleben. „Laatzen-Mitte ist ein sicherer Stadtteil. Das wird von außen – leider auch von einigen Bürgern – anders wahrgenommen“, sagt der Bürgermeister.

Bezirksbürgermeister Martin Benkler im Interview

Herr Benkler, Anwohner der Brabeckstraße klagen, Polizei und Politik hätten die Probleme mit randalierenden Jugendlichen an der Stadtbahn- haltestelle unter den Teppich kehren wollen. Stimmt das?

Richtig ist, dass wir das Ausmaß der Situation zunächst nicht erkannt haben. Was wir dann aus Gesprächen mit Bürgern erfahren haben, hat uns sehr überrascht.

Ist die Polizei Ihrer Ansicht nach konsequent genug vorgegangen?

Die Zusammenarbeit mit der Polizei war sehr gut. Die Beamten haben regelmäßig kontrolliert, den Bezirksrat genau über neue Vorkommnisse informiert. Ein Problem für die Beamten war es sicherlich, dass sie von vielen Vorfällen gar nicht erfahren haben, weil sie nicht angezeigt wurden. Derzeit hat sich die Situation an der Haltestelle beruhigt.

Wie beugen Sie einer erneuten Eskalation vor?

Der Bezirksrat steht weiterhin in engem Kontakt mit der Polizei. Sobald sich derartige Ereignisse an der Haltestelle oder anderswo häufen, werden wir eingreifen. Voraussetzung ist allerdings, dass wir davon erfahren. Wir ermutigen alle Bürger, Gewalttaten oder Sachbeschädigungen zu melden, wenn nicht bei der Polizei, dann auch gerne im Stadtteilzentrum Krokus. Dann können wir uns kümmern.

Interview: Vivien-Marie Drews

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