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Aus der Stadt Eine fragwürdige Ehrenrunde
Hannover Aus der Stadt Eine fragwürdige Ehrenrunde
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20:40 04.10.2009
Von Bärbel Hilbig
Noch einmal, bitte: So wie der (fiktive) Gymnasiast Peter Pettersson müssen viele Schüler eine Klasse wiederholen – einige machen dabei gute Erfahrungen. Quelle: Martin Steiner

Am Ende der elften Klasse sah Marlenes Zeugnis verheerend aus: Sie bekam jeweils eine Fünf in Mathe, Latein und Biologie. Auch sonst gab es wenig Glanzlichter. „Als ich das Zeugnis gesehen habe, war das wie ein Schlag auf den Kopf. Ich habe gemerkt, da läuft was falsch“, sagt die 18-Jährige heute. Sie musste die elfte Klasse wiederholen – und ist damit ausgesprochen zufrieden. „Ich habe das als Chance gesehen.“ Marlene Mertsch war vorher eigentlich eine gute Schülerin gewesen, der vieles einfach zuflog. Doch irgendwann rutschte sie in eine typische pubertäre Krise, zweifelte am Sinn des Lernens, ging nicht mehr regelmäßig zur Schule. Die Tellkampfschülerin überlegte, ob sie statt Abitur nicht lieber eine Ausbildung machen sollte. Sie selbst sagt, sie sei in dieser Phase antriebslos gewesen.

Das änderte sich in der neuen Klasse. „Alle haben mich total nett aufgenommen. Und mit den Lehrern lief es plötzlich auch wieder gut.“ Marlene holte nach, was sie durchs Schwänzen verpasst hatte. Und in manchem war sie auch im Vorteil, weil sie auf ihren Vorkenntnissen aufbauen konnte. In Deutsch verbesserte sie sich von der Note Drei auf eine Eins, in Mathe bekam Marlene eine Zwei. „Und ich hatte ein Jahr mehr Zeit, darüber nachzudenken, was ich machen will. Das Sitzenbleiben war das Beste, was mir passieren konnte“, sagt die 18-Jährige heute. Sie geht inzwischen in den zwölften Jahrgang und will nach dem Abitur Religionswissenschaften studieren.

Auch Laura Bernardo hat mit dem Wiederholen einer Klasse gute Erfahrungen gemacht. Sie war von einer Realschule auf den Gymnasialzweig der Albert-Einstein-Schule in Laatzen gewechselt. Im ersten Jahr lief alles gut. Doch im Kurssystem verlor sie im zwölften Jahrgang den Faden, mit Hausaufgaben und langen Unterrichtszeiten bis 16 Uhr fühlte sie sich überfordert. „Als ich merkte, dass die anderen sich auf einem höheren Niveau bewegten, habe ich die Lust verloren und aufgegeben“, sagt die 19-Jährige. Die Lehrer hätten sich durchaus um sie bemüht und Hilfe angeboten. „Aber ich habe das nicht angenommen.“ Laura wiederholte den zwölften Jahrgang auf einem Gymnasium, der Tellkampfschule, und wechselte vom Englisch- zum Mathematik-Leistungskurs.

„Ich würde jedem empfehlen, beim Sitzenbleiben die Schule zu wechseln, damit die Lehrer unvoreingenommen sind“, sagt Laura, die inzwischen im 13. Jahrgang das Abitur ansteuert. Von der Empfehlung der Bertelsmann-Studie, das Sitzenbleiben abzuschaffen und stattdessen Schüler frühzeitig individuell zu unterstützen, hält Laura nicht viel. „Es ist ganz normal, dass Schüler in einem bestimmten Alter die Lust verlieren. Manche Kinder nehmen Unterstützungsangebote in dieser Phase nicht ernst.“ Allerdings räumt sie ein, dass sie selbst die Wiederholung sicher deshalb gut genutzt habe, weil ihr das Abitur als Ziel fest vor Augen stand. „In der neunten Klasse wäre Sitzenbleiben für mich eine Katastrophe gewesen. Man braucht dann die vertraute Klasse als festen Halt.“

Unter Pädagogen ist das Sitzenbleiben durchaus umstritten. Doch ganz darauf verzichten wollen die wenigsten. „Selbst bei optimaler Förderung würden es nicht alle Schüler immer schaffen, die Lernziele zu erreichen“, sagt Enno Dargatz, Leiter der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule. „Es wäre unsinnig, diese Kinder in den nächsten Jahrgang zu lassen, wenn sie dann am Ende an der Abschlussprüfung scheitern.“ Dennoch hält Dargatz die Ausstattung der Schulen mit Förderstunden für völlig unzureichend. Den Schulen ist seit einiger Zeit vorgeschrieben, für jeden Schüler die individuelle Lernentwicklung zu dokumentieren. „Wir stellen dann zum Beispiel fest, dass wir in einer Klasse acht förderbedürftige Schüler haben, können aber gar nicht auf alle im Unterricht eingehen.“

„Wenn wir mehr Förderstunden hätten, könnten wir die Anzahl der Sitzenbleiber drastisch reduzieren“, sagt auch Kurt Veith, Leiter der Leibnizschule. Jetzt hänge der schulische Erfolg von schwächeren Schülern oft von den Möglichkeiten im Elternhaus ab. Wenn Eltern bei Verständnisproblemen selbst helfen können oder eine Nachhilfe zahlen, sei das ein Vorteil. Veith hat die Erfahrung gemacht, dass Lehrer ihre Schüler mit gezielten Zusatzstunden, da, wo es nötig ist, sehr gut unterstützen können. „Das Kultusministerium hatte uns zwei Jahre lang Extrastunden für den Jahrgang bewilligt, der als Erster das Abitur bereits nach zwölf Jahren ablegt. Das hat sich wirklich bewährt.“ Wenn ein Schüler sitzen bleibe, müsse er dagegen alle Fächer wiederholen, auch die, in denen er gute Leistungen vorweist.

„Das kann demotivieren.“ Etliche Kinder müssen bereits in der Grundschule eine Klasse wiederholen. Kann so überhaupt Lust am Lernen entstehen? Christiane Kröger, Leiterin der Friedrich-Ebert-Schule, glaubt, dass manche Kinder gerade am Anfang mehr Zeit brauchen. Sie erlebt zahlreiche Schüler, die mit Entwicklungsverzögerungen, Sprach- oder Wahrnehmungsstörungen eingeschult werden. Die Lehrer der integrativ arbeitenden Grundschule sind bereits darauf eingestellt, ihren behinderten und nicht behinderten Schülern individuell ganz unterschiedliche Aufgaben zu stellen. Doch das sei nicht in jedem Fall ausreichend, sagt die Schulleiterin: „Manchen Kindern hilft es sehr, wenn sie ein Jahr mehr Zeit bekommen. Auf einmal fällt eine Last von ihnen ab.“

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