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Aus der Stadt Wenn der Einkauf zur Herausforderung wird
Hannover Aus der Stadt Wenn der Einkauf zur Herausforderung wird
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22:03 04.06.2015
Auf der Suche nach den richtigen Süßigkeiten: Die kleine Handlupe ist Jessica Strackes wichtigstes Hilfsmittel. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Im Supermarkt immer dem Geruch nach – so wird kaum jemand einkaufen. Für Jessica Stracke ist genau das aber Alltag. Die Sozialpädagogin arbeitet für den Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen und hat selbst eine Sehbehinderung. Nur noch 3 bis 5 Prozent ihrer Sehleistung sind vorhanden. Formen und Farben erkennt sie zwar, auseinanderhalten kann sie sie aber nicht. „Außer Bananen, die sind recht außergewöhnlich, und Erdbeeren kann man relativ gut riechen.“ Mit der Aktion „Einkaufen mit Sehbehinderung“ möchte der Verband auf die Hürden beim Einkaufen aufmerksam machen.

Mit der Aktion "Einkaufen mit Sehbehinderung" möchte der Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen auf die Hürden beim Einkaufen für Sehbehinderte aufmerksam machen. Ein Gang durch den Supermarkt. 

Die Suche nach den Erdbeeren ist dann doch schwieriger als gedacht. Im Beki-Markt in Kirchrode sind sie nicht in der Obstabteilung zu finden, sondern im Eingangsbereich. Also muss Stracke doch um Hilfe bitten. „Eins der wichtigsten Dinge, die sich Sehbehinderte aneignen müssen, ist, Menschen anzusprechen und um Hilfe zu fragen“, sagt die 32-Jährige. Die Mitarbeiter im Markt helfen gern und führen die sehbehinderten Kunden zu den gesuchten Produkten oder erledigen mit ihnen gleich den ganzen Einkauf. Stracke versucht, so viel wie möglich allein zu machen, auch wenn das heißt, dass es mal länger dauert.

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„Mal eben schnell einkaufen gehen, das kann man leider nicht“, sagt auch Ramona Jacobs. Die 50-Jährige orientiert sich meist an Farben und Preisschildern, wenn diese groß genug gedruckt sind. „Die Vielfalt in den Supermärkten ist schön, aber erschlagend. Ich kaufe lieber in kleinen Läden ein. Da finde ich mich besser zurecht. Farbige Markierungen für die unterschiedlichen Warengruppen würden helfen.“ José Cadiz, Geschäftsführer des Marktes in Kirchrode an der Ottweilerstraße, hat dafür ein offenes Ohr. „20 000 Artikel auf 800 Quadratmetern Ladenfläche zu sortieren ist nicht einfach, aber das Farbsystem ist eine gute Idee.“

Was man nicht verfehlen kann, ist die Frischetheke. Hier hilft wieder der Geruch weiter. Dank der freundlichen Bedienung und des persönlichen Kontaktes sind Wurst und Käse schnell gekauft. Am Kühlregal wird es dagegen problematisch. Um Energiekosten zu sparen, hat die Kühltheke Glastüren. „Das ist echt schwierig, die Türen verhindern, dass ich nach Produkten tasten kann.“

Am Ende braucht Stracke eine halbe Stunde, um vier Teile einzukaufen. In fremden Supermärkten verlässt sich die Sozialpädagogin lieber auf die Hilfe der Angestellten. „Das geht viel schneller.“     

Susanne Kolbeck

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