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Aus der Stadt Elf Erstsemester ziehen in das Eilenriedestift ein
Hannover Aus der Stadt Elf Erstsemester ziehen in das Eilenriedestift ein
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20:26 23.09.2011
Von Juliane Kaune
Unter einem Dach: Studentin Verena Tietze und Senior Peter Meyer haben gut lachen im Eilenriedestift. Das Wohnheim berechnet Studierenden rund 1000 Euro Miete weniger im Monat als seinen älteren Kunden. Quelle: Martin Steiner
Hannover

Auf die Neuzugänge freut Peter Meyer sich schon. Gleich elf Bewohner auf einen Schlag ziehen in der kommenden Woche in das Eilenriedestift ein. „Die werden hier viel frischen Wind reinbringen“, ist der 78-Jährige überzeugt. Denn die künftigen Mitbewohner senken den Altersdurchschnitt in dem Seniorenwohnstift im Heideviertel erheblich: Manche sind gerade mal volljährig, andere Anfang 20, und sie alle haben eines gemeinsam: Im Oktober werden sie ein Studium an einer hannoverschen Hochschule beginnen.

Studenten und Senioren unter einem Dach zusammenbringen – mit diesem etwas anderen „Mehrgenerationenhaus“ leistet das Eilenriedestift Pionierarbeit in der Landeshauptstadt. Die Idee, die hinter dem Projekt steckt: Studienanfänger, die wegen des doppelten Abiturjahrgangs Probleme haben, eine kostengünstige Wohnung zu finden, können zu einem reduzierten Preis in freie Apartments in dem Seniorenstift einziehen. Im Gegenzug, so wünscht es sich Organisator Uwe Weiner, können die jungen Leute in dem Stift ehrenamtliche Arbeit leisten oder auch bestimmte Tätigkeiten auf der Basis eines 400-Euro-Jobs übernehmen. „So helfen wir beiden Generationen“, sagt Weiner.

Entlohnt würden einfache Tätigkeiten, die im Stiftsalltag anfallen und nicht in den eigentlichen Bereich der Pflege gehören – wie Bettenbeziehen, Frühstück zubereiten oder Fahrdienste. Im Ehrenamt könnten die Studenten den Senioren zum Beispiel aus der Zeitung vorlesen, mit ihnen Spaziergänge machen oder bei Besorgungen für den täglichen Bedarf zur Hand gehen.

Absolutes Neuland betreten Weiner und seine Kollegen nicht. In einer Art Pilotprojekt haben sie bereits Erfahrungen gesammelt: Vor einem Jahr zogen die ersten vier Studenten in das Stift ein, drei davon von der Musikhochschule. „Wir haben dort gezielt mit Aushängen gesucht – mit dem Ziel, das kulturelle Angebot für unsere Bewohner zu erweitern“, sagt Weiner.

Ebenfalls zu den Stifts-Studenten der ersten Stunde gehört Verena Tietze, die im Studiengang Soziale Arbeit an der Fachhochschule Holzminden eingeschrieben ist und den praktischen Teil ihres Studiums seit November 2010 im Eilenriedestift absolviert. Damit ist sie hochzufrieden: „Eine intensivere Vorbereitung auf meinen Beruf hätte ich mir nicht vorstellen können“, sagt die 24-Jährige, die ein 25 Quadratmeter großes Apartment im Stift bewohnt. Aufgrund ihrer Ausbildung sei sie den Umgang mit älteren Menschen bereits gewohnt. „Dass jetzt auch Studenten ganz anderer Fachrichtungen mal Erfahrungen mit der älteren Generation sammeln können, ist eine tolle Sache“, findet sie. Und sie würde den künftigen Mitbewohnern auch gern den einen oder anderen Tipp geben.

Weiner und sein Team hatten frühzeitig Inserate in der für alle Vermieter frei zugänglichen Online-Wohnraumbörse des Studentenwerks aufgegeben. Unterzeichnet wurden jetzt Mietverträge mit Studenten der Leibniz-Uni, der Medizinischen Hochschule und der Fachhochschule. Angehende Lehrer sind ebenso darunter wie Wirtschaftswissenschaftler, Juristen oder Bauingenieure in spe, ihre bisherigen Wohnorte reichen von Ostfriesland bis zum Rheinland. „Wir haben gezielt darauf geachtet, dass es Erstsemester sind, die von außerhalb nach Hannover kommen“, erklärt Weiner. Denn sie hätten es wegen des Studentenandrangs aus dem doppelten Abijahrgang am schwersten, eine Wohnung zu finden.

Die Preise, die sie zahlen müssen, sind moderat und mit denen in Wohnheimen des Studentenwerks vergleichbar. Für ein 25 bis 30 Quadratmeter großes Apartment mit Bad und eigener Küche berechnet das Eilenriedestift zwischen 200 und 230 Euro monatlich, plus zehn Euro Stromkosten und, auf Wunsch, 20 Euro für einen Internetzugang. Senioren zahlen für Zimmer gleicher Größe 1300 Euro – allerdings sind in dieser Summe auch die kompletten Serviceleistungen des Stifts enthalten.

Die Studenten nähmen den Senioren keine Zimmer weg, betont Weiner. Es gebe unter den 420 Wohnungen des Stifts einen Überhang an Einzimmer-Apartments, die in jüngster Zeit nicht mehr so stark nachgefragt seien. Die 15 Kleinwohnungen, die an Studenten vergeben werden, seien ohnehin frei gewesen. Dass leer stehende Zimmer im Eilenriedestift von Studenten bewohnt werden können, sei im Übrigen schon in den Statuten der Gründungsväter von 1969 verankert, betont Weiner.

Ginge es nach Peter Meyer, könnten ruhig noch mehr Studenten einziehen. „Je mehr Jugend, desto besser. Es ist wichtig, dass die junge Generation mal lernt, dass wir Alten nicht alle tatterig sind“, meint der agile 78-Jährige. Vor einem Jahr ist er mit seiner Frau nach einer Herzoperation in das Stift gezogen ist. Seitdem fühlt er sich wieder fit, ist unternehmungslustig und diskutierfreudig. Und eines freut den studierten Juristen besonders: „Wenn hier bald ein Jura-Student wohnt, dann kann der mich mal auf den neuesten Stand im Rechtswesen bringen.“

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