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Aus der Stadt Eltern reißen sich nicht um Klassenfahrten
Hannover Aus der Stadt Eltern reißen sich nicht um Klassenfahrten
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20:24 05.06.2014
Von Bärbel Hilbig
Noch lange keine freie Fahrt für Klassenfahrten ohne Lehrer.  Quelle: obs/Dr. Walter GmbH (Symbolfoto)
Hannover

Haftung und Versicherung müssten bei den Eltern liegen. Schulleiter können ihr Okay geben, wenn der ausfallende Unterricht nachgeholt wird.

„Das klingt wie eine Beerdigung erster Klasse. Das Problem wird einfach verschoben: Am Ende sollen die Schulleiter Nein sagen“, sagt Alexander Padrok, Elternratsvorsitzender des Kurt-Schwitters-Gymnasiums. Die Unterrichtsstunden einer ganzen Woche ließen sich kaum nachholen. „Wann soll das geschehen? Über Wochen verteilt in der 8. und 9. Stunde?“ Aus Padroks Sicht liegt das Hauptproblem darin, dass Klassenfahrten nicht in den Arbeitsverträgen von Lehrern verankert sind. Viele Lehrer an Gymnasien setzen die Fahrten, die als freiwillige Aufgabe gelten, deshalb jetzt aus und wollen damit ausgleichen, dass ihre Pflichtstunden erhöht werden.

„Wenn Klassenfahrten zu den pädagogischen Aufgaben zählen, muss das Land Reisekosten und Arbeitsstunden der Lehrer bezahlen“, sagt Sabine 
 Hedderich, Elternvorsitzende der Bismarckschule. Sie selbst hat bereits im Dezember versucht, eine Fahrt für den elften Jahrgang ohne Lehrerbegleitung zu organisieren. Stattdessen sollten pädagogisch versierte Begleiter mitfahren. Die Haftung sollte bei den Familien liegen. Das Interesse der Eltern war denkbar gering: 40 von 100 Familien antworteten gar nicht, zehn waren dagegen. „Die Resonanz wäre bei Eltern von Fünftklässlern vielleicht größer. Aber da hat eine Fahrt doch wirklich nur Sinn, wenn die ganze Klasse sie mit dem Lehrer gemeinsam erlebt“, sagt Hedderich.

Thomas von Hodenberg, Elternsprecher des Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasiums, hält von der ganzen Idee der Eltern als Fahrtbegleiter nichts. „Das ist eine Sackgasse. Der pädagogische Sinn von Klassenfahrten liegt darin, dass sich die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern entwickelt.“ Der Arbeitskreis Gymnasien des Regionselternrats sieht das auch so. Das Risiko der Haftung für fremde Kinder erscheint den Elternsprechern außerdem zu groß.

An der Elsa-Brändström-Schule wollen die Aktivisten um Wolfgang Czychon jetzt jedoch die Bereitschaft von Schulleiter, Schülern und Eltern testen. Versicherungsfragen seien lösbar, sagt 
Czychon. Er denkt nun an eine Checkliste zur Organisation von Klassenfahrten – auch für Eltern anderer Schulen.     

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