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Aus der Stadt Eltern beschweren sich über unfaire Zeugnisnoten
Hannover Aus der Stadt Eltern beschweren sich über unfaire Zeugnisnoten
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00:15 25.06.2017
Von Mathias Klein
Im Jahr 2014 hatte es landesweit noch 146 Widersprüche gegen Zeugnisnoten gegeben, in diesem Jahr nur noch 124. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Eltern beschwerten sich zum Beispiel über nur eine Zwei in Sport, obwohl das Mädchen in der vierten Klasse sowohl das Jugendschwimmabzeichen in Gold abgelegt als auch eine Ehrenurkunde bei den Bundesjugendspielen erreicht hat.„Was muss man dann eigentlich machen, um eine Eins zu bekommen?“, fragt der Vater des enttäuschten Kindes. Wenn das Kind getröstet ist, sollten „Eltern erst einmal das Gespräch mit dem entsprechenden Lehrer suchen“, rät Bianca Schöneich von der Landesschulbehörde. Weitere Ansprechpartner könnten der Vertrauenslehrer oder der Schulleiter sein. Natürlich sei das in den Sommerferien nicht einfach, gibt sie zu.

Beschwerde bei Landesschulbehörde in Lüneburg

„Falls das Gespräch zu keinem Ergebnis führt, können einzelne Noten auch mit einer Fachaufsichtsbeschwerde angefochten werden“, erläutert Schöneich. Die Beschwerde muss bei der in Lüneburg sitzenden Behörde eingereicht werden. In dem Verfahren werde dann geprüft, ob der Einwand gerechtfertigt ist. Dafür wird eine Stellungnahme der Schule eingeholt und ein Experte der Landesschulbehörde einbezogen. Sollte die Beschwerde gerechtfertigt sein, erhalte die Schule dann die Weisung, die Note nachträglich zu ändern und ein neues Zeugnis auszustellen, erläutert Schöneich.

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Der hannoversche Rechtsanwalt Rolf Tarneden beklagt allerdings, dass das Schulrecht für Schüler sehr beschränkt ist. Es sei beispielsweise nicht möglich, gegen eine einzelne Note in einer Klassenarbeit vorzugehen, anfechtbar seien nur die Noten im Ganzjahreszeugnis, berichtet der Anwalt. „Das ist ein Riesenproblem“, meint Tarneden.

Offizielle Verfahren sind rückläufig

Er erhalte „permanent Anfragen“ von Eltern wegen ungerechter Noten, berichtet der Anwalt. Auch zahlreiche Lehrer klagen über die zunehmende Zahl von Eltern, die sich bei den Lehrern über Schulnoten beschweren. Die offiziellen Verfahren sind aber rückläufig, berichtet die Landesschulbehörde. Im Jahr 2014 hatte es landesweit noch 146 Widersprüche gegeben, in diesem Jahr nur noch 124. Auch die Zahl der Klagen sinkt, von 28 im Jahr 2014 auf 20 im vergangenen Jahr. Klagen sind allerdings nur möglich, wenn es Streit um für die Versetzung relevante Noten und um Noten in Abschlusszeugnissen gibt. Außerdem können Eltern gegen die sogenannten Kopfnoten für Sozialverhalten und Arbeitsverhalten vorgehen, wenn sich die Kinder mit diesem Zeugnis für eine weiterführende Schule anmelden wollen.

Conrad von Meding 25.06.2017
22.06.2017