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Aus der Stadt Eltern dürfen bei Betreuung nicht einspringen
Hannover Aus der Stadt Eltern dürfen bei Betreuung nicht einspringen
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00:17 24.05.2015
„Allmählich gehen uns die Ideen aus“: Elternverteter Oliver Haupt und Doreen Berthold. Quelle: Krajinovic
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Hannover

Mami, hat die Kita immer noch geschlossen?“ – die Worte ihrer zweijährigen Tochter Marie gehen Doreen Berthold direkt ins Herz. Seit nunmehr zwei Wochen muss die zweifache Mutter bei der Betreuung ihrer Kinder jeden Tag aufs Neue organisieren, verschieben, einspringen, improvisieren. Zwei große Plakate prangern an den Eingangstüren zur Kita Röntgenstraße den laufenden Ausstand der Erzieher und Sozialarbeiter an. Und der ist noch nicht zu Ende: Wie Verdi-Sprecher Ulf Birch am Donnerstag mitteilte, geht der Streik auch nach Pfingsten weiter. Die Eltern in der Röntgenstraße würden jetzt die Betreuung gerne selbst in die Hand nehmen – aber sie dürfen nicht.

Seit zwei Wochen sind Erzieher und Sozialarbeiter an kommunalen Betreuungseinrichtungen nun bundesweit und unbefristet im Ausstand. Die Gewerkschaften Verdi und GEW wollen mehr Anerkennung für Erziehungsberufe durch höhere Eingruppierungen für die bundesweit 240. 000 Beschäftigten erreichen – doch die Verhandlungen stecken fest.

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In der Röntgenstraße sind die Eltern mit ihrem Latein am Ende. Der Jahresurlaub ist aufgebraucht, die Gebühren sind weg, die Nerven liegen blank. Während zu Beginn der Streikphase noch immer irgendein Elternteil oder jemand aus dem Freundeskreis in der Betreuung aushelfen konnte, sind die Alternativen langsam ausgereizt. „Allmählich gehen uns die Ideen aus“, sagt Oliver Haupt, Mitglied der Elterninitiative Röntgenstraße. „Wenn uns die Stadt zumindest in Sachen Räumlichkeiten ihr OK geben würde, wäre uns damit schon unglaublich geholfen“.

Erzieherinnen und Angestellte im Sozialbereich haben mit der Gewerkschaft Verdi in Hannover demonstriert.

Wie letzte Woche bekannt wurde, dürfen Eltern in Seelze die Räume der Kita Gümmer nutzen, um ihre Kinder dort in Eigenregie zu betreuen. Für einen vorab festgelegten Zeitraum können sie dort selbstständig die Aufsicht der Kinder übernehmen. Mit der Stadt wurden dazu Vereinbarungen getroffen, die diesen Ausnahmefall aus versicherungstechnischer Sicht möglich machen. So müssen Eltern, die Kinder in ihre Obhut nehmen, im Schadenfall selbst dafür haften.

Die Eltern der Kita in der List fordern nun gleiches Recht für alle. Anfang der Woche wandten sie sich deshalb mit der Bitte an die Stadt, für die verbleibende Streikphase die Betreuung in den Räumlichkeiten in der Röntgenstraße selbst übernehmen zu dürfen. Ohne konkrete Gründe zu nennen, lehnte die Stadt Hannover die Bitte ab. „Dass das in anderen Kitas gehe, könne man sich nicht vorstellen, das seien bestimmt nur Gerüchte“, erinnert sich Stephanie Seemann, Mitglied der Elterninitiative, an die Antwort der Verwaltung.

Aber die Stadt bleibt hart: „Wir haben den Fall ausreichend juristisch prüfen lassen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Lösung aus versicherungstechnischen Gründen nicht möglich ist“, sagt Sprecherin Konstanze Kalmus. Die etwa 90 Kinder der Kita Röntgenstraße müssen also auch in den kommenden Tagen Unterschlupf bei Freunden und Nachbarn finden.

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