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Aus der Stadt Eltern dürfen keinen Kuchen mitbringen
Hannover Aus der Stadt Eltern dürfen keinen Kuchen mitbringen
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21:40 12.08.2009
Ein Kuchen wie diese Smarties-Torte gehört eigentlich zu jedem Kindergeburtstag. Doch in Caritas-Kindergärten ist das Mitbringen von Gebäck aus gesundheitlichen Gründen verboten. Quelle: Radel

Es hört sich nach einem normalen Sachverhalt an: Max wird vier, und seine Mutter backt für die Kindergartengruppe Muffins, das Sommerfest steht vor der Tür, und Eltern bringen Marmorkuchen mit, und auch das Laternenfest in der Kita wäre ohne Schokokuchen nur halb so schön.

Doch was nach einer Selbstverständlichkeit klingt, ist in manchen Kindergärten in Hannover verboten. Die Begründung: Salmonellengefahr. In Kitas, die sich in Trägerschaft der Caritas befinden, dürfen Eltern keinen selbst gebackenen Kuchen mitbringen. Zumindest dann nicht, wenn er Ei enthält. Und das ist bei fast jedem Kuchen der Fall.

Um die Ansteckung mit Salmonellen auszuschließen, reicht es aus, den Kuchen bei mindestens 70 Grad zu backen. Doch dass dies gewährleistet ist, könne man eben bei mitgebrachten Kuchen nicht garantieren, sagt Thea Heusler, die beim Caritasverband Hannover für den Bereich Kinder und Familie zuständig ist. „Es ist uns klar, dass unser Verbot Eltern verärgert“, räumt sie ein. „Doch da wir, wenn wir den Kuchen weiterreichen, in der Pflicht sind, haben wir beschlossen, das nicht zu erlauben.“

Die Vorsicht des Caritasverbandes wird sich auch zur Osterzeit auswirken. Denn das Bemalen von ausgepusteten Eiern ist in den Kindergärten des katholischen Wohlfahrtsverbandes ebenfalls untersagt. Selbst dann, wenn die Eltern den Kindern ausgepustete Eier mitgeben, dürfen sie keine Ostereier anmalen. „Die Schalen könnten verunreinigt sein“, sagt Heusler dazu.

Ganz so streng sehen das andere Kindergärten nicht. „Wir könnten es uns einfach machen und das Mitbringen von Selbstgebackenem einfach verbieten, aber es ist aus sozialen und pädagogischen Gesichtspunkten wünschenswert, dass Feste gefeiert werden und Eltern sich beteiligen. Das ist uns wichtiger als eine mögliche Salmonellenansteckung, zu der es im Übrigen auch noch nie gekommen ist“, sagt Hagen Zywicki, Fachberater für Kitas bei der AWO.

Auch die städtischen Kindergärten kennen kein generelles Kuchenverbot. Es gibt ein Informationsblatt, das Erzieher wie Eltern informiert. Demnach ist das Mitbringen von Sahne- und Buttercremetorten untersagt, Obst- und Topfkuchen sowie Waffeln sind erlaubt. Zur Osterzeit empfiehlt auch die Stadt, in den Kitas keine Eier auszupusten. „Aber mitgebrachte Eier dürfen Kinder anmalen. Sie können sich ja anschließend die Hände waschen“, sagt Sprecherin Konstanze Kalmus. „Wir wollen schließlich keine Spaßverderber sein.“

Eine Verordnung, die das Mitbringen von Kuchen in Kindergärten verbietet, gibt es nicht. Weder das Gesundheitsamt der Stadt noch der Fachdienst für Verbraucherschutz und Veterinärwesen der Region kennen entsprechende Vorgaben. „Natürlich appellieren wir im Umgang mit Eiern und allen daraus zubereiteten Speisen zur Vorsicht“, sagt Regionssprecher Nils Meyer, „aber wie genau das geregelt wird, muss jeder Kindergarten für sich entscheiden. Kuchen ist da das geringste Problem.“

Das sieht auch Hans-Dieter Werlein, Lebensmittelmikrobiologe der Leibniz Universität Hannover, so. „Die Wahrscheinlichkeit, sich bei einem Kuchen mit Salmonellen anzustecken, tendiert gen null“, sagt Werlein. Er betont aber auch, dass ein Restrisiko nicht auszuschließen sei. Sei der Kuchen nicht durchgegart, also innen noch klitschig, könnten Salmonellen überlebt haben. „Da müssten dann aber noch mehr Zufälle dazukommen, damit es dann tatsächlich zu einer Salmonelleninfektion kommt“, sagt der Wissenschaftler. Das Gleiche gelte für das Auspusten von Eiern. „Sollte man ein verseuchtes Ei erwischen, nimmt man aller Voraussicht nach so wenige Salmonellen zu sich, dass diese die Magensäure sowieso nicht überleben.“

von Julia Pennigsdorf

Stichwort: Salmonelleninfektion

Salmonellen sind stäbchenförmige Bakterien, die je nach Salmonellenart eine Lebensmittelvergiftung (Salmonellenenteritis) oder in tropischen Regionen fieberhafte Erkrankungen wie Typhus und Paratyphus verursachen können. Die Keime gelangen durch mangelnde Hygiene auf Nahrungsmittel und in das Trinkwasser.

Besonders gefährdet sind Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, wie ältere und kranke Menschen sowie Kinder. Eine Salmonelleninfektion, hervorgerufen durch den Erreger Salmonella enteritidis, äußert sich durch Beschwerden wie massiven Durchfall, Kopfschmerzen, Bauchkrämpfe, Fieber und Erbrechen, die nach fünf bis 72 Stunden nach dem Verzehr verdorbener Lebensmittel auftreten können. Die Erkrankung dauert vier bis sieben Tage und klingt meist ohne Folgen wieder ab. Weil der Körper aufgrund des starken Flüssigkeitsverlusts austrocknet, sollten Erkrankte reichlich Flüssigkeit zu sich nehmen.

Infektionsquelle Nummer eins sind mit Salmonellen verdorbene Lebensmittel, vorzugsweise Eier, Geflügel, Mayonnaisen, Speiseeis, Meeresfrüchte sowie rohe Fleisch- und Wurstwaren wie Hackfleisch oder Tatar. Sie sollten stets im Kühlschrank aufbewahrt werden. Beim Zubereiten empfehlen Fachleute Garzeiten von mindestens zehn Minuten bei mehr als 70 Grad Celsius, um die Keime sicher abzutöten. Weil das Auftauwasser von gefrorenem Geflügel häufig Salmonellen enthält, müssen Hände und alle Gegenstände, die damit in Kontakt kommen, gründlich gereinigt werden.

vt

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