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Aus der Stadt Fleisch muss sein
Hannover Aus der Stadt Fleisch muss sein
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00:21 28.11.2014
Von Mathias Klein
Kein 
Verhältnis: Laut 
Bundesregierung gibt es in 
deutschen Schulmensen zu viel Fleisch und zu wenig Fisch. Quelle: dpa
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Hannover

So richtig glücklich sind die Eltern von Moritz mit dem Schulessen für ihren Sohn nicht. „Es ist schwer, mit Kindern gemeinsam das Essen vorzubestellen“, berichtet sein Vater, der möchte, dass sich sein Sohn gesund ernährt. Denn dann wähle der Sechsjährige immer das Gericht mit Fleisch - und nicht das vegetarische Alternativangebot. „Es funktioniert auch nicht, ohne ihn einfach ein vegetarisches Gericht zu bestellen“, erzählt Moritz’ Vater. Denn dann sehe sein Sohn in der Schule, dass andere Kinder Fleisch auf dem Teller haben und ärgere sich. Deshalb wünschen sich die Eltern des Schulkindes, zumindest einen Tag in der Woche, an dem es nur vegetarische oder nur Fischgerichte gibt.

Hoffnung für die Eltern von Moritz kommt aus Berlin. Dort hat Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) gestern eine Studie zum Schulessen vorgestellt: Demnach wird an deutschen Schulen Fleisch zu oft und Fisch zu selten angeboten. Die Experten-Empfehlungen für Gemüse, Obst und Rohkost würden häufig nicht erfüllt, heißt es weiter in der Untersuchung der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg im Auftrag des Ministeriums. Ein Caterer, der in Hannover täglich rund 1000 Schulessen zubereitet, kann die Kritik aus Berlin nicht nachvollziehen. „Natürlich verwenden wir viel Gemüse für unser Essen“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Schließlich sei Gemüse deutlich preiswerter als Fleisch.

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So deutlich äußern sich die Pressestellen größerer Unternehmen nicht. „Die Kritik aus Berlin kann uns nicht treffen“, sagt Jörg Wischhusen von Meyer-Menü. Das Bielefelder Unternehmen beliefert auch in Hannover zahlreiche Schulen. „Wir haben auch immer ein vegetarisches Angebot zur Auswahl“, sagt Wischhusen. Der Kunde könne also entscheiden - und diese Entscheidung gehe eben meist zugunsten der Fleischgerichte aus. Nur ganz wenige vegetarische Speisen könnten mit da mithalten - der Klassiker Nudeln mit Tomatensoße etwa.

Nach Angaben der Stadt gibt es an den mehr als 50 hannoverschen Ganztagsschulen rund 6000 Schüler, die in den Schulmensen zu Mittag essen. Wie viele Schüler auf die warme Mahlzeit verzichten, konnte die Stadt gestern nicht sagen. Das Schulessen koste die Eltern derzeit durchschnittlich 2,80 Euro pro Mahlzeit, jedes Essen unterstützt die Stadt mit 85 Cent. Die Stadt verlangt von den Caterern, dass sie sich an die Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung halten. Außerdem soll es täglich mindestens ein vegetarisches Essen geben, berichtet Rathaussprecherin Anne Ruhrmann. Wünschenswert sei der Einsatz von regionalen Bioprodukten.

Deutschland müsse bei der Schulverpflegung ein Streber im positive Sinne werden, forderte Ernährungsminister Schmidt gestern. Da gibt es in Hannover noch Nachholbedarf, etwa bei der für das Essen zur Verfügung stehenden Zeit. Denn die Autoren der Studie fordern mehr als eine dreiviertel Stunde Zeit zum Mittagessen. In einigen hannoverschen Schulen ist aber sogar nur eine halbe Stunde vorgesehen.

Eine Streberin ist, so gesehen, die Albert-Schweitzer-Schule in Linden: An der Grundschule haben die Schüler eineinhalb Stunden Mittagspause.

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