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Aus der Stadt Eltern kritisieren Platzvergabe an Gymnasien
Hannover Aus der Stadt Eltern kritisieren Platzvergabe an Gymnasien
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07:00 29.07.2017
Von Saskia Döhner
In Zukunft wird es in den niedersächsischen Klassenzimmern enger werden. (Archiv) Quelle: Holger Hollemann/dpa
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Hannover

Eine alleinerziehende Mutter eines Jungen aus der List, die nach eigenen Angaben „beruflich stark eingespannt ist und flexibel arbeiten muss“, kritisiert gegenüber der HAZ, dass soziale Kriterien und familiäre Umstände bei der Auswahl keine Rolle spielten. Insgesamt haben 174 angehende Gymnasiasten keinen Platz an ihrer Wunschschule Nummer eins bekommen. Eltern kritisieren seit Langem „das intransparente und ungerechte Auswahlverfahren“.

40 Minuten Schulweg

Ihr Sohn und sie seien auf gute Erreichbarkeit der Schule und ein funktionierendes Netz im Stadtteil angewiesen, das sie sich über Jahre hinweg aufgebaut hätte, betont die Mutter aus der List. Ihr Sohn sei von der Leibnizschule und der Ricarda-Huch-Schule abgelehnt worden, auch an den anderen drei genannten Wunschschulen sei kein Platz frei gewesen.

Der Junge sollte ursprünglich an die Humboldtschule in Linden-Süd gehen, was mit öffentlichen Verkehrsmitteln einen Schulweg von jeweils 40 Minuten bedeutet hätte. Dass in der List Freunde wohnten, deren Eltern den Jungen nach der Schule mitbetreut hätten, habe nicht gezählt. Es sei unverständlich, dass Kinder aus Wettbergen und Isernhagen an der Leibnizschule aufgenommen würden, während Schüler, die nur fünf Minuten entfernt wohnten, quer durch die Stadt fahren sollten. Andere Kinder aus der List sollten sogar bis nach Misburg fahren. Es könne nicht sein, dass Zehnjährige allein unfallträchtige Straßen wie die Vahrenwalder Straße überqueren oder am Hauptbahnhof umsteigen müssten. Die Leistung Alleinerziehender verdiene Anerkennung, nicht Bestrafung durch unfaire Schulplatzvergabe.

Dezernentin Rita Maria Rzyski sagt, dass die Stadt keinen Einfluss auf die Platzvergabe habe. Das sei Sache der Schulleitungen. Für weiterführende Schulen sei das gesamte Stadtgebiet Einzugsgebiet. „Die überbuchten Gymnasien entscheiden per Losverfahren“, sagt Bianca Schöneich von der Landesschulbehörde, „dieses ist das einzig rechtssichere Verfahren und kennt keine Härtefälle.“ Das heißt, Faktoren wie Wohnsitz, Noten oder familiäre Verhältnisse werden nicht berücksichtigt. Schüler aus der Stadt haben aber Vorrang gegenüber Familien aus dem Umland.

Andreas Schinkel 31.07.2017
31.07.2017