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Aus der Stadt Sind die Schul-Tablets zu teuer?
Hannover Aus der Stadt Sind die Schul-Tablets zu teuer?
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00:17 30.10.2015
Von Bärbel Hilbig
Digitale Medien wie Tablets sollen an den Schulen vermehrt eingesetzt werden. Quelle: Bernd von Jutrczenka
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Hannover

Der Posten, der die Eltern aufmerken lässt: Jeder Schüler soll einen Tabletcomputer für rund 470 Euro nutzen, den die Familien selbst anschaffen müssten. Sebastian Willing, Vater von drei Kindern, hat in einer E-Mail Oberbürgermeister und Ratspolitiker darauf hingewiesen, dass viele Tablets bereits für rund 100 Euro zu haben sind. „Öffentliche Einrichtungen begehen häufig den Fehler, das jeweils teuerste Gerät zu nehmen“, kritisiert Willing, der selbst in Burgwedel lebt. Dort steht eine ähnliche Diskussion noch bevor.

„Ein Streit um die Finanzierung des Elternanteils kommt viel zu früh und geht an der Sache vorbei“, sagt dagegen Ralf Kühnbaum-Grashorn, Elternvertreter im Schulausschuss des hannoverschen Rats. Denn das Vorhaben, das die Verwaltung vor Kurzem im Ausschuss vorgestellt hat, sei ein Pilotprojekt, in dem verschiedene Möglichkeiten für das mobile digitale Lernen an Schulen getestet werden sollen. „Wir brauchen diese Testphase dringend“, betont Kühnbaum-Grashorn.

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Mängel bei digitaler Infrastruktur

Der Stadtelternrat Hannover hatte bereits 2012 ein stärkeres Engagement der Stadt bei der Ausrüstung und Betreuung der digitalen Infrastruktur an Schulen eingefordert. Die Ausstattung mit mobilen Geräten ist dabei jedoch nur ein Baustein. Vieles liegt bisher im Argen. Die Schulen erhalten zwar ein Budget für die Wartung von Geräten. Es ist allerdings so klein, dass oft Lehrer als Autodidakten nebenbei versuchen, den Betrieb des IT-Systems zu sichern. „Ich habe kürzlich vier Tage mit einem Kollegen nach einem Fehler im Netzwerk gesucht“, berichtet Manfred Baum, Lehrer an der Bismarckschule. Pädagogische Konzepte und Ausstattung hingen bisher oft auch vom Engagement der einzelnen Schulen ab.

Mit dem Pilotprojekt will die Stadt einem sogenannten Medienentwicklungsplan für alle Schulen näherkommen. „Besonders wichtig ist dabei, dass die Stadt einen umfangreichen Support für alle Schulen leisten und zentral für Netzsicherheit sorgen will“, sagt Kühnbaum-Grashorn. Geplant sind drahtloser Internetzugang (WLAN) und Breitbandanschluss, die oft im Zuge einer Schulsanierung eingerichtet werden. Für die Testphase an fünf Schulen wird mit rund 4 Millionen Euro kalkuliert.

Der Kauf von Tablets ist dabei nicht zwingend. Getestet wird ein Leasingmodell, bei dem Eltern ein Gerät auf dem neuesten Stand inklusive Support und Versicherung mieten. „Wir suchen nach wirtschaftlichen Lösungen“, sagt Stadtsprecherin Anja Menge. Kritik von Politikern entzündete sich an dem Plan, Lehrer mit Tablets auszurüsten. „Ich sehe da das Land in der Pflicht. Die Stadt geht in Vorleistung“, sagt Kühnbaum-Grashorn.

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