Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Empörung über Spielverbot an der Gracht
Hannover Aus der Stadt Empörung über Spielverbot an der Gracht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:07 09.11.2015
Von Mathias Klein
Das Spiel ist aus: Kinder sollen in der Gracht nicht mehr spielen dürfen. Foto: Kutter Quelle: (Foto: Katrin Kutter)
Anzeige
Hannover

Kinder fühlten sich dort wohl, wo sie einen Spielraum erobern könnten, meinte er. Und genau das sei bei den flachen Wasserflächen am Kanal der Fall. Wenn hier mit Verbotsschildern in die Welt der Kinder eingegriffen werde, verliere das Wohnviertel seine Kinderfreundlichkeit.

Unterstützung erhält der Kinderschutzbund vom Verband Haus- und Grundeigentum. Dessen Vorsitzender Rainer Beckmann bezeichnete die Verbotsschilder als „vollkommen unmöglich“. So könne die Gesellschaft einfach nicht mit Kindern umgehen, betonte er.

Anzeige

Auch Politiker finden klare Worte. „Das ist eine sehr ärgerliche Angelegenheit“, sagte die jugendpolitische Sprecherin der Grünen-Ratsfraktion, Sabine Nolte-Vogt. Kinder bräuchten Platz zum Spielen. Was die Hausverwaltung gemacht habe, sei „nicht akzeptabel“.

Die Sozialexpertin der SPD-Ratsfraktion, Gudrun Koch, meint, die Hausverwaltung könne ihre haftungsrechtlichen Bedenken auch mit Regeln für die Benutzung der Gracht in den Griff bekommen. CDU-Sozialexpertin Jutta Barth befürchtet, dass die Kinder aus der Siedlung jetzt an den nahe gelegenen Kanal ausweichen könnten. „Und dort ist das Spielen viel gefährlicher“, sagt sie.

Wie berichtet, hat eine Hausverwaltung Verbotsschilder aufstellen lassen, die alle Spiele der Kinder an und im flachen Wasser verbieten. Die Firma verwaltet neben mehreren Mehrfamilienhäusern auf der anderen Seite der Gracht auch die Wasserflächen selbst. Allerdings waren vor rund elf Jahren insbesondere Familien mit der Gracht in das Stadtviertel gelockt worden. Gespräche von Eltern mit der Hausverwaltung haben bisher nicht zu einer Lösung geführt. Offenbar geht es nicht nur um Haftungsfragen. Bewohner der Mehrfamilienhäuser sollen sich auch über Lärm beschwert haben, den die spielenden Kinder verursachen würden.

Der Kinderschutzbundvorsitzende Schmidt schlägt vor, dass Kinder und Eltern in dem Stadtteil eine Konferenz organisieren, bei der über Kinderrechte und die Spielmöglichkeiten für Kinder diskutiert wird. Zudem sollten sich die Eltern an die Kinderkommission des Landtages wenden.

Susanna Bauch 12.11.2015
Saskia Döhner 09.11.2015
Conrad von Meding 12.11.2015