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Aus der Stadt Endspurt für die Krippenplätze
Hannover Aus der Stadt Endspurt für die Krippenplätze
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07:06 02.08.2012
Von Bärbel Hilbig
Seit 2009 haben bereits einige neue Kitas eröffnet. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Oberbürgermeister Stephan Weil schlug am Mittwoch alarmierende Töne an. Angesichts des landesweit schleppenden Krippenausbaus rechnet er ab August 2013 mit einer Klagewelle von Eltern. Ab dann haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Platz für ihr Kind. Weil, der nächstes Jahr für das Amt des Ministerpräsidenten kandidiert, zielte mit seiner Kritik auf Land und Bund. Doch lässt seine Einlassung auch Rückschlüsse auf Schwierigkeiten beim Krippenausbau in Hannover zu?

In diesem Punkt will sich niemand wirklich festlegen. „Niemand kann den tatsächlichen Bedarf realistisch einschätzen. Das gilt aber für die Kommunen in ganz Deutschland“, sagt Jugend- und Sozialdezernent Thomas Walter. Selbst die Zahl der Kinder, die als erste ein verbrieftes Recht auf einen Krippenplatz haben, ist noch unklar.

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Einen Anspruch auf Betreuung haben Eltern für Kinder, die am 1. August 2013 ein oder zwei Jahre alt sind. Die letzten Kinder dieser Gruppe sind gerade erst diese Woche geboren. Unsicher, weil eine individuelle Entscheidung, ist auch, wie viele Eltern ihr Kleinkind betreuen lassen wollen. Ein weiterer schwer kalkulierbarer Faktor kommt hinzu, wie nicht nur der Jugenddezernent anführt: „Bis heute wissen wir nicht, ob die Bundesregierung Eltern ein Betreuungsgeld zahlt, wenn sie ihr Kind nicht in die Krippe geben. Das würde die Nachfrage entscheidend beeinflussen.“

Weitere Fragen bleiben:

Wie weit ist Hannover?

Die Stadt hatte 2008 mit ihren Planungen begonnen und bis zum Jahr 2013 schrittweise insgesamt 1500 neue Krippenplätze angekündigt. Die Zahl wurde angesichts steigender Geburtenzahlen später auf 1800 Plätze aufgestockt. Bisher sind davon 780 neue Betreuungsplätze entstanden, 400 weitere kommen dieses Jahr hinzu. Ein nicht geringer Teil fehlt also noch. Der Krippenausbau läuft in rund 260 Einzelprojekten, wie Elterninitiativen oder An- und Umbauten in bestehenden Kitas. Manche Projekte brachen zwischenzeitlich weg, und es musste Ersatz gefunden werden. Nächstes Jahr sollen weitere 700 Plätze eingerichtet werden, davon 345 in einem Neubauprojekt, das acht Kitas umfasst (siehe Kasten).

Aktuell kann die Stadt Betreuungsplätze für 4160 Kleinkinder bieten, das sind 44 Prozent der Ein- und Zweijährigen. Die Zielmarke liegt bei 5270 Krippenplätzen für August 2013. Damit könnten 53 Prozent der Kinder mit Rechtsanspruch versorgt werden.

Was besagt die Betreuungsquote?

Die Bundesregierung ging zunächst davon aus, dass nur für rund 35 Prozent der Kleinkinder Bedarf an Betreuung besteht, inzwischen wurde die Quote auf 39 Prozent nach oben korrigiert. Für Großstädte mit einer höheren Zahl berufstätiger Mütter sind allerdings ganz andere Zahlen im Gespräch: Der Deutsche Städtetag schätzt eine Quote von 60 Prozent als realistisch ein. Doch das sind alles nur grobe Orientierungswerte. „Die Eltern haben einen individuellen Rechtsanspruch“, sagt Jugenddezernent Thomas Walter.

Wie geht es ab 2013 weiter?

Eltern, die in ihrer Gemeinde keinen Krippenplatz für ihr Kind bekommen, können klagen. Ob sie dann Schadenersatz bekommen, weil sie vielleicht eine private Betreuung bezahlen müssen, liegt bei den Gerichten. Die Region will dann versuchen, Tagesmütter oder, als kurzfristige Notlösung, freie Plätze in anderen Kommunen anzubieten. Experten rechnen damit, dass die Nachfrage auch nach 2013 weiter steigt. Die Stadt muss dann, wie auch die anderen Kommunen, weitere Krippen planen.

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