Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Entschädigung für Abflug bei Nacht
Hannover Aus der Stadt Entschädigung für Abflug bei Nacht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:32 19.03.2015
Von Michael Zgoll
Reisestress statt ungetrübter Entspannung: Eine Familie konnte Palmen und Pool auf Fuerteventura nur eingeschränkt genießen. Quelle: dpa/Archiv
Anzeige
Hannover

Viele Urlauber kennen das Problem: Ihr Flug ins Ferienparadies verschiebt sich um einige Stunden, ihr Reiseveranstalter teilt ihnen kurzfristig eine Abflugzeit mit, die - meist - wesentlich ungünstiger liegt als der vorgesehene Termin. Eine vierköpfige Familie hat jetzt vor dem Amtsgericht Hannover eine Reisepreisminderung vom Tui-Konzern erstritten. Richterin Dagmar Frost bezeichnete es als „unzumutbar“, wenn eine Familie zu nachtschlafender Zeit im Flughafenterminal einchecken muss. Die Pauschalreise kostete 2507 Euro, davon bekommen die Urlauber jetzt 488 Euro zurück.

Vater, Mutter und zwei Kinder wollten im vergangenen August eine Woche auf der Kanareninsel Fuerteventura verbringen. Laut Buchungsbestätigung sollte ihre Maschine an einem Sonnabend um 12.30 Uhr vom Flughafen Hamburg abheben. Wie die Eltern dem Gericht vortrugen, hatten sie - aus Bremerhaven anreisend - die Abflugzeiten mit Bedacht ausgesucht, um den Airport am Vormittag ohne zusätzliche Übernachtung erreichen zu können. Doch dann teilte ihnen die Tui mit, dass der Termin auf 5.55 Uhr vorverlegt worden sei, Check-in war um 4.30 Uhr. Das warf die Anreisepläne der Familie über den Haufen, Amtsrichterin Frost bezeichnete das Boarding bei Nacht als „erhebliche Beeinträchtigung“.

Anzeige

Die Tui trug vor, dass die Kläger mit dem vorgezogenen Starttermin einen Vorteil gehabt hätten: Sie seien wesentlich früher auf der Ferieninsel gelandet. Doch das mochte das Gericht nicht gelten lassen. Üblicherweise würden Reisenden ihre Hotelzimmer nicht vor den Nachmittagstunden zur Verfügung stehen, sodass der Nutzen für die Familienmitglieder nur sehr eingeschränkt gewesen sei.

Mit dem Rückflug erging es den Urlaubern nicht besser als mit dem Hinflug. Hier war eine Abflugzeit von 17.10 Uhr geplant; so wäre den Reisenden - bei nur einer Woche Urlaub besonders kostbar - wenigstens noch ein halber Sonnentag auf Fuerteventura vergönnt gewesen. Doch dieser Termin verschob sich nun auf 9.20 Uhr; die Abholung im Hotel hatte der Reiseveranstalter auf 5.35 Uhr angesetzt. Die Richterin rügte die Verkürzung der Urlaubszeit als ebenso unzumutbar wie die Abholung zur Nachtzeit. Auch diese Abflugzeiten hätten sich die Kunden nicht selbst ausgesucht.

Der letzte Trumpf, den die Tui ausspielte, stach ebensowenig. In der Buchungsbestätigung, so das Reiseunternehmen, sei schließlich von „voraussichtlichen Abflugzeiten“ die Rede gewesen, und die müsse der Veranstalter verändern dürfen. Dagmar Frost sah das anders. Eine solche Einschränkung rechtfertige allenfalls eine geringfügige Abweichung, aber keineswegs eine Verschiebung um mehrere Stunden - die die Familie zu allem Überfluss auch noch zweimal um ihre Nachtruhe brachte.

Simon Benne 17.03.2015
Veronika Thomas 17.03.2015
Saskia Döhner 19.03.2015