Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt „Er stach wie in Zeitlupe zu“
Hannover Aus der Stadt „Er stach wie in Zeitlupe zu“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:18 15.12.2009
Von Sonja Fröhlich
Vor dem Landgericht hat Dienstag der Prozess gegen den 46-jährigen Akhmed E. begonnen, der seine Exfrau umgebracht haben soll. Quelle: Jana Striewe

Die Zeugen haben das grausige Geschehen vom Mai dieses Jahres noch deutlich vor Augen. „Ich war geradezu entsetzt darüber, mit welcher Ruhe er den Arm gehoben und zugestochen hat. Das wirkte auf mich wie in Zeitlupe.“ So beschrieb am Dienstag ein Zeuge vor dem Landgericht Hannover, wie der mutmaßliche Täter seine Exfrau auf offener Straße in Kleefeld getötet haben soll. Beim Prozessauftakt gegen einen wegen Mordes angeklagten Familienvater haben am Dienstag zahlreiche Zeugen ihre Fassungslosigkeit über die Tat zum Ausdruck gebracht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 46-jährigen Akhmed E. vor, seine seit fünf Jahren von ihm geschiedene Frau am Morgen nach Muttertag verfolgt und mit zwei Messerstichen in den Oberkörper getötet zu haben. Eine Mutter, die dort mit ihren beiden Kindern unterwegs war, schildert, wie der Täter der Frau auf den Fersen gewesen sei und immer wieder nach ihr gegriffen habe. Das Opfer sei panisch auf die Straße gelaufen und dort gestürzt. Dort habe sich der Verfolger über sie gekniet und „entschlossen und zielgerichtet“ zugestochen. Danach sei der Mann in stoischer Ruhe weggegangen und habe sich noch einmal umgedreht – „er wirkte, als ob er etwas vollbracht hatte“. Die Inhaberin eines Blumengeschäfts sagt, sie sei wegen eines „schrecklichen Schreis“ herausgerannt und habe mit anderen Helfern die blutüberströmte Frau versorgt, bis ein Rettungswagen kam. „So etwas vergisst man nicht“, sagt sie. Die meisten Zeugen wollen sich sicher sein, dass es sich bei dem Täter um den Angeklagten handelt.

Der 46-Jährige schweigt zu den Vorwürfen. Während der Verhandlung sieht man den hageren Mann mit dem schütteren Haar mit seinem Dolmetscher lachen, ein anderes Mal winkt er seiner neuen Ehefrau und dem gemeinsamen Kleinkind zu. Die Kinder der Getöteten leben bei dem Bruder des Angeklagten. Sein Mandant habe eine „absolute Erinnerungslücke“, sagt Verteidiger Fritz Willig, der den Mann aus Tschetschenien verteidigt. Möglicherweise sei dies auf dessen Kriegserlebnisse zurückzuführen.

Allerdings soll der 46-Jährige seiner Exfrau eine Woche vor der Tat bereits gedroht haben, sie umzubringen. Daraufhin zeigte sie ihn an. Wie das spätere Opfer gegenüber der Polizei angab, habe er die Herausgabe der Kinder gefordert, für die sie das alleinige Sorgerecht hatte. Als Grund dafür habe er ihr die neue Partnerschaft vorgeworfen: Er dulde keinen fremden Mann im Hause seiner Kinder. Schon vor der Scheidung soll der Mann die 36-Jährige bedroht und geschlagen haben, weil diese sich nicht an ihre religiösen Pflichten – etwa das Tragen eines Kopftuches – gehalten habe. Die Frau war zunächst in ein Frauenhaus geflüchtet, später soll sie sehr gut Deutsch gelernt und eine Arbeitsstelle angetreten haben. Nach der Drohung hatte die Frau eine einstweilige Verfügung gegen ihren Exmann beantragt. „Ich habe große Angst, dass mein geschiedener Mann seine Drohung umsetzt. Er ist unberechenbar“, gab die 36-Jährige zu Protokoll. E. soll ihr ein Ultimatum gesetzt haben – dies war am Tattag abgelaufen.

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Streit zwischen Hannovers Hauseigentümerverein und dem Berliner Zentralverband wird immer obskurer. Die Hannoveraner hatten jahrelang den Vereinsnamen Haus & Grund missbräuchlich genutzt und sind nun vom Zentralverband auf 4,5 Millionen Euro Schadenersatz verklagt worden.

Conrad von Meding 15.12.2009

Um Kindesmissbrauch besser bekämpfen zu können, haben sich die Jugendämter in und um Hannover sowie das Kinderkrankenhaus auf der Bult auf ein standardisiertes Meldeverfahren geeinigt.

15.12.2009

Weil er seine Ex-Frau im Streit um die Kinder erstochen haben soll, muss sich ein 46-Jähriger seit Dienstag vor dem Landgericht Hannover verantworten. Der Braunschweiger soll die 36-Jährige im Mai in Hannover auf offener Straße so schwer verletzt haben, dass sie vier Tage danach starb.

15.12.2009