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Aus der Stadt Erdwärmeprojekt in Hannover auf Eis gelegt
Hannover Aus der Stadt Erdwärmeprojekt in Hannover auf Eis gelegt
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06:15 29.09.2012
Von Bernd Haase
Verschlusssache: Das Bohrloch in Groß-Buchholz ist derzeit durch ein Ventil verschlossen. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Hannovers spektakuläres Erdwärmeprojekt in Groß-Buchholz ist nach Angaben der federführenden Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) endgültig gescheitert. Gutachter haben aus wirtschaftlichen Gründen abgeraten, das Ziel weiter zu verfolgen, mit heißem Wasser aus dem Erdinneren Heizenergie zu erzeugen.

Seit 2008 sind insgesamt 20 Millionen Euro aus Töpfen des Bundeswirtschaftsministeriums in das Vorhaben geflossen, das nun kein greifbares Ergebnis bringt. Das 3900 Meter tiefe Bohrloch auf dem Gelände der Bundesanstalt wird bis auf Weiteres verschlossen.

Hauptziel des unter dem Namen Genesys betriebenen Projektes war es, das Gebäude der BGR am Stilleweg mit seinen rund 1000 Arbeitsplätzen sowie möglicherweise auch Großimmobilien in der Nachbarschaft durch Geothermie zu beheizen. Außerdem wollten die Forscher beweisen, dass Erdwärmenutzung in größerem Stil auch in Norddeutschland möglich ist, obwohl die geologischen Verhältnisse ungünstiger sind als im Süden der Republik.

Vor drei Jahren ist das tiefe Loch gebohrt worden. Wie geplant konnten die Spezialisten dann künstliche Risse im Tiefengestein erzeugen, durch die heißes Wasser mit einer Temperatur von 160 Grad ins Bohrloch floss und zur Oberfläche gefördert wurde. Dort sollte es über Wärmetauscher und dann durch ein Rohr im selben Loch wieder in die Erde laufen.

Dieses sogenannte Einbohrlochkonzept gilt als revolutionär. Das Verfahren klappte nur solange, bis Ende 2011 kristallisiertes Salz die Bohrung in einer Tiefe von 650 Metern verstopfte und die Wasserzirkulation unterbrach. Die BGR hat anschließend durch Gutachter untersuchen lassen, ob das Projekt zu retten ist. Das Ergebnis: Theoretisch ja, und zwar durch Einsatz einer sogenannten Erdwärmesonde. Dafür müsste ein zusätzliches Rohr in die Erde getrieben werden, um das Risiko einer erneuten Versalzung zu umgehen. Praktisch aber wäre der finanzielle Aufwand mit weiteren Millionenbeträgen zu hoch und die Wärmeausbeute zu gering.

Immerhin hat Genesys der Wissenschaft weiter geholfen. So hält die BGR Erdwärmenutzung im Raum zwischen Hannover und Celle grundsätzlich für möglich, da es gelungen sei, Wasser aus der Tiefe zu holen. Die Technologie sei im städtischen Umfeld sicher und umweltverträglich zu betreiben. „Das Projekt liefert wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen für zukünftige Vorhaben“, teilt die Bundesanstalt mit.

Das Bergrecht verlangt, dass das Bohrloch in Groß-Buchholz vom Salz freigeräumt werden muss. Dazu pumpen die Techniker Frischwasser in die Tiefe, in dem sich das Material lösen soll. Im kommenden Jahr wollen die BGR-Experten noch weitere hydraulische Tests und Untersuchungen durchführen – unter anderem, um noch offene Fragen zur Ursache und zur Beherrschbarkeit der Salzproblematik zu klären. „Anschließend wird die Bohrung für eine Zeit verschlossen, um in Abhängigkeit von der Energiepreisentwicklung und des Technologiefortschritts über weitere Nutzungsmöglichkeiten entscheiden zu können“, erklärt die BGR. Will heißen: Solange die Gaspreise nicht exorbitante Höhen erreichen, bleibt das Loch zu.

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Das Erwärmeprojekt auf dem Gelände der Bundesanstalt für Geowissenschaften in Groß-Buchholz liegt derzeit auf Eis. In dem fast 4000 Meter tiefen Schacht bildeten sich durch das Einleiten von Wasser Salzpfropfen. Jetzt soll ein Gutachten klären, inwieweit Salzablagerungen umgangen und das Projekt fortgesetzt werden kann.

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