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Aus der Stadt Erfinderzentrum Norddeutschland feiert 30 Jahre
Hannover Aus der Stadt Erfinderzentrum Norddeutschland feiert 30 Jahre
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13:07 11.10.2011
Von Felix Harbart
Gefördert vom Erfinderzentrum Norddeutschland: Die Erfindung des Chips auf der ec-Karte.
Gefördert vom Erfinderzentrum Norddeutschland: Die Erfindung des Chips auf der ec-Karte.
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Hannover

Wenn es gut läuft für Heinrich Klöker oder Sascha Klein, dann geht es ihnen in ein paar Jahren wie ihrem Kollegen Holger Sedlak. Dann können sie sich auf einer Pressekonferenz des Erfinderzentrums Norddeutschland (EZN) in Hannover entspannt zurücklehnen, ein bisschen den Kopf wiegen und auf die Frage, was denn nun so für das eigene Portemonnaie herumgekommen sei bei der ganzen Sache, sagen: „Na ja, ein hoher einstelliger Millionenbetrag war das schon.“ Holger Sedlak hat, kurz gesagt, den Chip auf der ec- und anderen Karten erfunden, von dem heute „mehrere Hundert Millionen Stück“ produziert werden – pro Jahr. Abzuwarten wird sein, ob Sascha Klein mit seinem „Fußtüröffner“ oder Heinrich Klöker mit dem „Stollenputzer“ da werden mithalten können.

Am Montag sorgte der 30. Geburtstag des EZN für eine beachtliche Ansammlung heller Köpfe in den Räumen des Sparkassenforums am Schiffgraben. Zur Feier des Tages hatte das EZN die bemerkenswertesten seiner Klienten zu einer kleinen Feierstunde mit Kaffee und Butterkuchen eingeladen, bei der alle jene Erfindung präsentierten, mit der im Kopf sie einst beim EZN an die Türe geklopft hatten. In den 30 Jahren seines Bestehens hat das Erfinderzentrum sich rund 50.000 Ideen vortragen lassen und sie bewertet, aus denen am Ende 15.000 konkrete Erfindungen und 2500 Patente wurden.

Aufgabe des Zentrums ist es, die teils spleenigen Ideen von Hochschulen, Privatleuten oder Unternehmen anzuschauen, die Klienten bei der mitunter 50.000 Euro teuren Patentanmeldung zu unterstützen und ihnen dann zu helfen, das Produkt tatsächlich zu vermarkten. Dabei hilft der ehemalige Landesbetrieb mit Zuschüssen von Land und Bund weiter – insgesamt rund 300.000 Euro im Jahr. „Ohne das Zentrum wäre es mir nicht möglich gewesen, meine Erfindung an den Markt zu bekommen“, sagt Chipkarten-Erfinder Sedlak, „ich komme aus keiner wohlhabenden Familie. Mithilfe des EZN aber wurde seine Diplomarbeit im Fach Informatik an der TU Braunschweig zu einem Produkt, das heute Millionen in ihrer Brieftasche mit sich herumtragen. Wie Sedlak damals steht Sascha Klein von der Firma Sass Systeme aus Garbsen heute noch am Anfang. Auf einer öffentlichen Toilette kam ihm die Idee zu einem Produkt, mit dessen Hilfe man nicht mehr die Klinke anfassen muss, um eine Tür zu öffnen. Ursächlich für den Gedankenblitz waren unter anderem die hygienischen Zustände in der Nasszelle.

Heute zielt Kleins Produkt vornehmlich auf Krankenhäuser und eben solche öffentlichen Toiletten ab. „90 Prozent der im Krankenhaus übertragenen Keime kommen von Klinken oder Wascharmaturen“, sagt er. Diese Übertragung lässt sich mit seiner Erfindung vermeiden – und das kostensparender als mit einer teuren elektronischen Tür.

Der Stollenputzer von Heinrich Klöker aus Steinfeld bei Vechta liegt immerhin schon in den olympischen Wettkampfstätten in Berlin und im Fußball-Leistungszentrum Barsinghausen aus. Der Hausmeister seines Dorfvereins hatte ihm erzählt, wie teuer die Reinigung der Abflüsse den Dorfverein Jahr für Jahr wieder kommt, wenn Rasenreste sie verstopfen. Auch in der Landwirtschaft oder im Bergbau sei sein Produkt schon gefragt. Und beim Golf, der Spikes wegen.

Andreas Schinkel 11.10.2011
Stefanie Kaune 11.10.2011
Klaus von der Brelie 11.10.2011