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Aus der Stadt Ermittler rätseln weiter über Spritzenattacke
Hannover Aus der Stadt Ermittler rätseln weiter über Spritzenattacke
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06:15 06.04.2012
Von Vivien-Marie Drews
Foto: Die Staatsanwaltschaft Hannover geht von einer Quecksilbervergiftung aus.
Die Staatsanwaltschaft Hannover geht von einer Quecksilbervergiftung aus. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

„Wir gehen weiterhin fest davon aus, dass sich eine Quecksilberverbindung in der Spritze befand“, sagt Oberstaatsanwältin Irene Silinger. Ihren Angaben zufolge bewegen sich die Ermittler auf völlig unbekanntem Terrain. „Wir wissen einfach zu wenig darüber, was Quecksilber im Körper anrichtet. Das soll ein Gutachter nun ganz genau darstellen“, sagt Silinger.

Dabei steht vor allem eine Frage im Raum: Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Quecksilbervergiftung, wie der Täter sie seinem 40-jährigem Opfer der Staatsanwaltschaft zufolge mutwillig zugefügt haben soll, zum Tode führt? Erst wenn das geklärt ist, können die Ankläger entscheiden, dass sie fortan wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermitteln. Bisher läuft der Fall bei der Behörde als einfache Körperverletzung. Als solche wird der Nadelstich mit der Spritze gewertet.

Der Mitarbeiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) war am 15. Juli auf dem Weg zu seinem Auto in der Fischerstraße in der Calenberger Neustadt von dem Unbekannten mit der Spritze attackiert worden. Der Täter hatte die Nadel an die Spitze eines Regenschirms montiert und stach seinem Opfer damit ins Gesäß. Der Fremde konnte flüchten, dem Gewerkschaftsmitarbeiter gelang es aber, ihm die Spritze zu entreißen.

Die Untersuchung des Tatwerkzeugs gestaltete sich zunächst schwierig, da sich keinerlei Flüssigkeit mehr in der Spritze befand. Es dauerte Monate, bis Experten des Landeskriminalamtes winzige Überreste extrahieren und dann die Substanz gezielt auf verschiedene Stoffe testen konnten. Inzwischen steht fest: In der Spritze war eine quecksilberhaltige Verbindung aufgezogen.

Der Gewerkschaftsmitarbeiter begab sich nach dem Angriff umgehend in ärztliche Behandlung. Zunächst zeigte er keine Symptome, erst im September verschlechterte sich sein Zustand drastisch. Die Organe versagten; die Ärzte entschieden, den Patienten in ein künstliches Koma zu versetzen.

Wochenlang rätselten die Mediziner, was ihrem Patienten so heftig zugesetzt haben könnte. Zahlreiche Untersuchungen führten zu keinem Ergebnis, dann verdichteten sich die Hinweise, dass der Patient unter einer akuten Quecksilbervergiftung leiden könnte. Experten des Landeskriminalamtes untersuchten die Überreste in der Spritze daraufhin gezielt nach Quecksilber. Das Ergebnis war positiv. Quecksilbervergiftungen gelten gemeinhin als schwierig zu diagnostizieren, da sie einen verzögerten Verlauf nehmen. Sie führen unter anderem zu Nierenschäden, auch das Nervensystem kann in Mitleidenschaft gezogen werden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist das Opfer weiterhin nicht ansprechbar. Der Mann wurde inzwischen von der Medizinischen Hochschule Hannover in eine Pflegeeinrichtung verlegt.

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