Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Ermutigung für engagierte Frauen
Hannover Aus der Stadt Ermutigung für engagierte Frauen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:29 11.12.2016
Von Bernd Haase
Ausgezeichnet: Elvin Hülser (r. )vom Antikriegshaus überreicht Heide Serra (v. l.), Sylvia Rombach und Gabriele Michel von Amica den Friedenspreis.
Ausgezeichnet: Elvin Hülser (r. )vom Antikriegshaus überreicht Heide Serra (v. l.), Sylvia Rombach und Gabriele Michel von Amica den Friedenspreis. Quelle: Privat
Anzeige
Hannover

Das Thema für den Friedenspreis „Sievershäuser Ermutigung“ hätte dieses Mal angesichts von weltweit 65 Millionen Flüchtlingen kaum aktueller sein können. Ausgeschrieben war er für Initiativen, die sich für durch Kriegs- und Fluchterfahrungen traumatisierte Menschen engagieren. Am Sonnabend, dem Tag der Menschenrechte, ist der mit 5000 Euro dotierte und im Zwei-Jahres-Rhythmus vergebene Preis in der Dokumentationsstätte Antikriegshaus Sievershausen vergeben worden.

Die Gewinner hatten eine lange Reise hinter sich - die Wahl der Jury war auf die Freiburger Organisation Amica gefallen. „Wir hatten elf hervorragende Bewerbungen, aber das Votum fiel einstimmig aus“, sagte Jury-Mitglied Martin Schindehütte, ehemaliger Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland.

„Amica ist 1992 aus der Freiburger Bürgerschaft heraus entstanden“, berichtet Sprecherin Heide Serra. Damals organisierte die örtliche Bosnien-Hilfe während des Bürgerkriegs auf dem Balkan Lebensmitteltransporte für kroatische Flüchtlingslager und in die Stadt Tuzla. Bereits ein Jahr später begann Amica mit der Betreuung Traumatisierter im Kriegsgebiet und entwickelte in Tuzla ein Modellprojekt zur psychosozialen Arbeit. Mittlerweile ist Amica, das 130 Mitglieder zählt, in Bosnien, dem Kosovo, Libanon und Libyen aktiv. Zwischendurch leistete der Verein auch in Tschetschenien Hilfe.

„Psychosoziale Betreuung allein reicht nicht aus“, erklärt Serra. Längst organisiert Amica für die betroffenen Frauen in den Kriegs- und Nachkriegsgebieten deshalb medizinische Hilfe, Sozialberatung, Bildungsprogramme und juristischen Beistand, wenn es darum geht, während des Krieges begangene Sexualverbrechen vor Gericht zu bringen. „Wir helfen mit Beratungsstationen und dabei, lokale Netzwerke zu bilden“, erklärt die Vorsitzende Gabriele Michel. Ziel sei es, vor Ort funktionierende Strukturen aufzubauen. Finanziert werde das Engagement durch projektbezogene Förderung und durch Spenden.

„Um diese Arbeit zu leisten, braucht man Mut“, erklärt Elvin Hülser, Vorsitzender der Dokumentationsstätte zu Kriegsgeschehen und über Friedensarbeit, wie sie offiziell heißt. Die seit 1988 verliehene „Sievershäuser Ermutigung“ trage ihren Namen, weil sie nicht nur die Preisträger ermutigen solle, sondern auch diejenigen, die ihn verleihen - nämlich darin, „nicht nachzulassen in konstruktiver Arbeit für den Frieden“.

Conrad von Meding 12.12.2016
Bärbel Hilbig 11.12.2016