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Aus der Stadt Neue Ermittlungen im Fall des MHH-Arztes
Hannover Aus der Stadt Neue Ermittlungen im Fall des MHH-Arztes
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00:24 30.10.2014
Von Tobias Morchner
Foto: Am Dienstagmorgen durchsuchten Ermittler der Polizei erneut die Wohnung des 39-Jährigen.
Am Dienstagmorgen durchsuchten Ermittler der Polizei erneut die Wohnung des 39-Jährigen. Quelle: Petrow
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Hannover

Zwei Wochen nach der Festnahme eines Kinderarztes der MHH wegen des Verdachts des vierfachen Kindesmissbrauchs hat die Polizei gestern die Wohnung des 39-Jährigen in der List erneut durchsucht. Kripo-Beamte aus Hannover leisteten Amtshilfe für die Ermittler in Augsburg, die den Fall federführend übernommen haben. Mehrere Stunden lang suchten die Polizisten nicht nur in der Wohnung des verdächtigen Harry S. nach Spuren. Bekleidet mit weißen Schutzanzügen und Mundschutz fahndeten sie auch im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses in der Lister Straße nach Beweisen. Dabei beschlagnahmten die Ermittler mehrere Gegenstände.

Polizeibeamte haben am Dienstagvormittag erneut die Wohnung des MHH-Arztes durchsucht, der im Verdacht steht mehrere Jungen missbraucht zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hielt sich mit Informationen zu der Polizeiaktion ziemlich bedeckt. „Ich kann bestätigen, dass es kriminaltechnische Untersuchungen in dem Gebäude gegeben hat“, sagte Matthias Nickolai, der Sprecher der Strafverfolgungsbehörde, gestern. Die Aktion fuße auf den Erkenntnissen der bisherigen Ermittlungen.

Harry S. war am 14. Oktober in Augsburg unter dringendem Tatverdacht festgenommen worden, in München, in Augsburg und Hannover insgesamt vier Jungen im Alter zwischen vier und sieben Jahren missbraucht haben. In mindestens zehn weiteren Fällen überprüft die Polizei derzeit fieberhaft, ob der 39-jährige S. nicht auch als mutmaßlicher Täter in Frage kommt. Der schlimmste Fall hat sich nach Erkenntnissen der Ermittler im Sommer im Raum Hannover zugetragen. Harry S. soll einen fünfjährigen Jungen aus Garbsen verschleppt, ihn betäubt und anschließend sexuell missbraucht haben. Anschließend brachte er sein Opfer mit seinem Geländewagen zur Weimarer Allee in Vahrenheide und überließ ihn sich selbst.

Die groß angelegte Polizeiaktion legt den Verdacht nahe, dass die Behörden nunmehr tatsächlich davon ausgehen, dass die Wohnung in der List auch der Tatort ist, an den der Junge aus Garbsen verschleppt wurde. Bisher war das nicht zweifelsfrei geklärt. Der Junge aus Garbsen hatte nach HAZ-Informationen ausgesagt, er sei von seinem Peiniger in die Wohnung in der List gebracht worden, von der er auch eine, wenn auch nicht gerade detaillierte, Beschreibung abgeben konnte. Dort soll der Mann auch die Fotos von dem Jungen angefertigt haben, die die Polizei bei der ersten Durchsuchung sicherstellen konnte. In den anderen drei Fällen, die ihm bislang zur Last gelegt werden, soll Harry S. seine Opfer in Kellern beziehungsweise einer Tiefgarage missbraucht haben. Die Tiefgarage in der List, in der der Mediziner einen Stellplatz gemietet hatte und die seiner Wohnung direkt gegenüber liegt, nahmen die Polizisten bei der gestrigen Aktion nicht unter die Lupe.

Harry S. sitzt derzeit weiter in Untersuchungshaft und schweigt. Sein Rechtsanwalt Ralf Schönauer, der seinem Mandanten regelmäßig besucht, will sich derzeit nicht öffentlich zu dem auch für einen erfahrenen Juristen wie ihn nicht einfachen Fall äußern. „Wir halten den Zeitpunkt für eine Stellungnahme derzeit nicht für günstig“, sagt Schönauer.

Harry S. war seit dem 1. September 2013 als Assistenzarzt auf der Intensivstation der Kinderklinik der MHH beschäftigt. Zuvor war er lange Jahre an der Kinderklinik in Augsburg tätig. Bislang gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass die ihm jetzt zur Last gelegten Taten im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit an der Hochschule stehen könnten. Die MHH hatte bereits vor zwei Wochen betont, es habe weder von Eltern, noch von Kindern oder Ärzten Beschwerden über den Verdächtigen gegeben.

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Die Augsburger Polizei prüft derzeit intensiv weitere Fälle im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den MHH-Kinderarzt. Die Beamten haben den Verdacht, Harry S. könnte allein in den vergangenen zehn Jahren zehn weitere Jungen missbraucht haben.

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