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Aus der Stadt Erste Flüchtlinge im Pavillon untergebracht
Hannover Aus der Stadt Erste Flüchtlinge im Pavillon untergebracht
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00:19 12.11.2015
Von Susanna Bauch
Drei Flüchtlinge aus Pakistan nach ihrer Ankunft vor dem Deutschen Pavillon. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Die Verlängerung des Spätsommers dauerte am Montag exakt bis zum Mittag. Dann fegte ein frischer Wind über das Expo-Gelände, ließ braune Blätter zu Türmen wachsen und Sprühregen gegen die blickdicht mit Folien beklebten Fenster des Deutschen Pavillons tropfen. Der Pavillon ist seit Montagmittag Unterkunft für rund 450 Flüchtlinge, unter ihnen etliche Frauen und kleine Kinder. Sie sind erleichtert, ein sicheres Dach über dem Kopf zu haben. Auch wenn sie nun erst einmal in einem Glashaus sitzen, eher dezentral und in einer Umgebung, die nicht gerade als infrastrukturell gut erschlossen bezeichnet werden kann.

Doch Stadt und Einsatzleitung geben ihr Bestes, geeigneter Platz für die Unterbringung von Flüchtlingen ist ja bekanntlich knapp bemessen. Die Familien werden durch winddichte Zelte und einen provisorischen Sanitätsraum in ihr neues Zuhause auf Zeit geleitet. Die vielen Helfer stärken sich mit Eintopf vor der Tür, die Flüchtlinge erhalten ihre warme Mahlzeit unter dem geschwungenen Dach des Pavillons. Ihre neuen Nachbarn sind in erster Linie junge Studenten der Hochschule Hannover (HsH). Rein altersmäßig auf den ersten Blick eine homogene Angelegenheit. Linea kann von ihrem Arbeitsplatz aus der Bibliothek genau auf das Einzugstreiben gegenüber schauen. Dabei kommt ihr ein Gedanke: „Ich frage mich, was die Menschen hier den ganzen Tag machen wollen“, sagt die Studentin.     

Die ersten Flüchtlinge sind im Deutschen Pavillon angekommen. Der Pavillon soll bis zu 400 Flüchtlingen als Unterkunft dienen.

In der Tat gibt es außer Mensa und Cafeteria kaum Möglichkeiten, sich im Warmen aufzuhalten. Beide schließen bereits nachmittags, sind dann nur noch mit spezieller Karte zugänglich. Eine Gruppe junger Studenten macht sich ebenfalls Gedanken über einen kreativen Tagesablauf der Flüchtlinge. „Wir könnten Sprachunterricht organisieren, aber das Problem ist, dass die Leute von der Stadt und dem Leben hier nicht sonderlich viel mitbekommen.“ Oder nur eingeschränkt. Im nahen schwedischen Möbelhaus können die Flüchtlinge bis abends günstig etwas zu essen kaufen, ansonsten führt sie der Weg auf dem Expo-Gelände vorbei an Designhochschule und Tui-Arena zum Radisson Blue Hotel oder der BMW-Niederlassung, in deren Fenster Fahrzeuge glänzen, von denen einige sechsstellige Beträge kosten. „Es ist schon spannend und spannungsreich, was hier geschieht“, meint ein Hochschulprofessor, der ebenfalls direkt gegenüber vom Pavillon sein Büro hat. In jedem Fall werde man den Neuankömmlingen helfen, so gut es gehe. „Nach rund vier Wochen werden sie dann ja auch weiterverteilt.“

So lange werden die kleinen Kinder auf Spielplätze verzichten müssen und hoffentlich einen großen Bogen um den maroden holländischen Pavillon machen, – der verlockend zum Erklimmen aussieht, was gefährlich werden kann. Und dann ist da noch der Schnellweg, auf dessen anderer Seite derzeit eine große Schar von Landwirtschaftsexperten ihre große Jahresausstellung präsentiert. Den jungen Flüchtlingsfamilien allerdings dürften diese Aspekte ihrer neuen Unterkunft nicht sonderlich wichtig sein. „Die hatten und haben ganz andere Probleme. Was hier zählt, sind Sicherheit und Ruhe“, sagt ein Sanitäter. Immerhin lockt der Kronsberg mit Grün und reichlich Herbstwind für fliegende Drachen.     

Der Pavillon

Während der Expo glänzte der Deutsche Pavillon als Präsentationsort der Gastgeber. Danach wurden hier ein Jahrzehnt lang rauschende Partys gefeiert, bis 2013 mangelnder Brandschutz eine weitere Nutzung verbot. Nun hat die Stadt den Glaspalast für 5,5 Millionen Euro gekauft – um Flüchtlinge auf Zeit unterzubringen. Ein wenig wird an dem Gebäude aber auch verdient: Gut ein Dutzend Büros im Obergeschoss sind vermietet – und bringen rund 25.000 Euro Jahresmiete ein.

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