Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Erster interaktiver Hannover-Krimi entsteht
Hannover Aus der Stadt Erster interaktiver Hannover-Krimi entsteht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:52 07.03.2015
Wolfram Hänel und Ulrike Gerold diskutieren am Küchentisch über die Handlung des interaktiven Krimis.
Wolfram Hänel und Ulrike Gerold diskutieren am Küchentisch über die Handlung des interaktiven Krimis. Quelle: Michael Thomas
Anzeige
Hannover

Sie bestimmen über Handlungsverläufe, Hauptschauplätze und können mit etwas Glück sogar selbst im Roman eine kleine Rolle spielen. „Wir werden alles an Handwerk und guten Ideen in den Roman werfen und freuen uns über die besondere Herausforderung, einen Krimi mit Lesereinwürfen überhaupt in den Griff zu bekommen“, sagt Hänel beim Hausbesuch in Kleinbuchholz. „Und wir hoffen natürlich auf ein sehr gutes Ergebnis“, sagt Gerold.

An einem großen Holztisch samt Kerze und Klemmbrett sitzt das Paar in einer offenen Küchen mit bunter Keramik auf den Regalen und diskutiert über Charaktere, Handlungsverläufe und immer wieder neue Ideen. Eine Espressokanne blubbert, die selbst gedrehte Kippe zwischen Hänels Fingern verströmt feine Rauchzeichen, Border Collie Carlos sitzt unter dem Tisch und döst. Arbeitsalltag. Hänel schaut durch das Fenster hin zum kleinen Wald, den Anzugträger der HDI- und Swiss Life-Versicherungsgruppen für Mittagsspaziergänge nutzen.

Werden Sie Teil des neuen Buches

Ein regionaler Krimi ist Wolfram Hänel und Ulrike Gerold zuletzt mit „Kein Erbarmen“ gelungen, der im Verlag zu Klampen erschienen ist. Immer wieder führt ein Verbrechen darin die Ermittler nach Bennemühlen, es geht um die beste Currywurst in Hannover und selbst der VIP-Bereich im Fußballstadion wird als Ort der Verschwörung aufgegriffen. Kommissar Tabori, Kollege Lepcke und Mitbewohnerin Lisa werden auch im Hannover-Krimi „Haarmanns Kopf“ eine Rolle spielen – wie ein HAZ-Leser. Krimifans können sich bis Dienstag an hannover@haz.de mit dem Betreff „Krimi“ wenden, wenn sie die Rolle des Menschen einnehmen wollen, der zum Beispiel eine Leiche findet. Ein kleines Rollenporträt sollte dabei sein samt Alter, Hobbys und Hinweisen auf Charakterzüge. Das erste Kapitel veröffentlicht die HAZ am Sonnabend, 21. März. Dann können Leser auch entscheiden, wie der Krimi weitergeht. Das Buch soll im späten Herbst erscheinen.

„Wir sind eher Nachteulen, arbeiten lang und kommen spät ins Bett“, sagt Gerold und schenkt Kaffee nach. Die ersten Recherchen für den Hannover-Krimi haben längst begonnen. „Wir haben in der Zeitung von Fritz Haarmanns Kopf gelesen“, erzählt Hänel. Jahrzehntelang lagerte das Haupt des Serienmörders als schauriges Medizinpräparat in der Göttinger Rechtsmedizin. Der Kopf war den Forschern 1925 übergeben worden, um zu untersuchen, ob Verbrecher sich anhand bestimmter Anomalien im Gehirn erkennen ließen. Erst im Frühsommer vergangenen Jahres wurde er eingeäschert.

„Das ist doch unfassbar spannend. Haarmann ist als Person bundesweit bekannt und weit über Hannovers Grenzen hinaus interessant“, sagt Gerold und Hänels Augen leuchten. „Wir haben immer an der Geschichte von Haarmann rumgedacht. Was wäre nun, wenn Haarmanns Kopf zum Beispiel in Timm Ulrichs’ Kunstwerk Kopf-Stein-Pflaster am Schiffgraben auftauchen würde? Welcher Kopf wurde dann in Göttingen eingeäschert?“ Hänel zieht an seiner Zigarette.

Paar veröffentlichte mehr als 100 Bücher

Weit mehr als 100 Bücher hat das Paar schon veröffentlicht. Sie wurden in 25 Sprachen übersetzt. Die Werke schmücken als aufgestapelte Türme das Wohnzimmer mit einer beeindruckenden Bibliothek. Darunter sind viele Kinder- bücher, die Hänel regelmäßig in Schulen, Bibliotheken und Kulturzentren vorstellt. Die Arbeitsweise für einen Roman unterscheide sich gar nicht so sehr von Kinderbüchern. „Schreiben ist ein Handwerk, auch wenn die Atmosphäre natürlich eine völlig andere ist“, sagt Hänel. Die Arbeit an Krimis verändere ihn daher auch nicht. „Man lebt eher eine Anlage stärker aus, die in uns allen steckt.“ Es sei eher die Frage, wie weit man Spannung treiben kann? „Ich persönlich habe keine große Lust auf Maden oder aufgedunsene Körper und Pathologieberichte. Ich möchte gern anders Spannung schaffen“, sagt Hänel.

Zudem gilt es beim aktuellen Buch, das in Kooperation mit dem Verlag zu Klampen und der HAZ erscheint, die regionalen Besonderheiten Hannovers aufzunehmen. „Wir wollen ja keinen konstruierten Stadtführer schreiben, eher elegant Wissen einstreuen.“ Das gelang dem Paar im jüngsten Krimi „Kein Erbarmen“ sehr gut. Ganz nebenbei erfährt der Leser darin, dass den Grabstein von Kurt Schwitters auf dem Stadtfriedhof Engesohde der Satz „Man kann ja nie wissen“ ziert. Klingt auf jeden Fall spannend.

Aus der Stadt Amtsgericht Hannover entscheidet: - Käufer haftet für Mangel am Mops
Michael Zgoll 09.03.2015
Veronika Thomas 09.03.2015
Andreas Schinkel 07.03.2015