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Aus der Stadt Erzieher kündigen weitere Kita-Streiks an
Hannover Aus der Stadt Erzieher kündigen weitere Kita-Streiks an
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00:15 23.03.2015
Von Saskia Döhner
Wir sind mehr wert: Erzieher, Sozialpädagogen und Mitarbeiter der Jugendhilfe machen bei der zentralen Kundgebung auf dem Goseriedeplatz ihrem Unmut Luft.
Wir sind mehr wert: Erzieher, Sozialpädagogen und Mitarbeiter der Jugendhilfe machen bei der zentralen Kundgebung auf dem Goseriedeplatz ihrem Unmut Luft. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Rund 3900 Erzieher, Sozialpädagogen und Mitarbeiter in Behindertenwerkstätten und Jugendämtern haben sich am Freitag an einem landesweiten Warnstreik beteiligt. Allein in Hannover kamen knapp 1000 Beschäftigte zu einer Kundgebung auf den Goseriedeplatz, in Lehrte legten rund 350 Demonstranten kurzzeitig den Verkehr in der Innenstadt lahm. „Das ist erst der Anfang unseres Protests“, sagte der Verdi-Landesvorsitzende Jürgen Hohmann, selbst ein gelernter Erzieher. „Weitere Warnstreiks werden folgen, wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegen.“ Möglicherweise drohe auch eine Urabstimmung.

Freitag waren alle 40 städtischen Kitas sowie rund 200 weitere im Umland geschlossen. Einen Notdienst gibt es bei nur eintägigen Streiks nicht, sondern erst bei längeren Streikphasen, die auf Eltern ab Mitte April zukommen könnten. Die nächste Verhandlungsrunde ist am Montag in Münster. „Vom Angebot der Arbeitgeber hängt es ab, wie es weitergeht“, sagte Verdi-Sprecher Ulf Birch. Die Tarifgespräche sollen danach am 9. April fortgesetzt werden.

Die Mitarbeiter im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienstes fordern eine „deutliche Aufwertung“ ihres Berufs. Für den einzelnen bedeutet dies ein Gehaltsplus von rund zeh Prozent. Die Wertschätzung eines Jobs drücke sich im Einkommen aus: „Gute Worte reichen nicht“, sagte Hohmann. Er verwies darauf, dass viele Erzieher nur Teilzeitstellen hätten: „Aber sie müssen volle und keine Teilzeit-Mieten zahlen.“

Mit einem Warnstreik haben Erzieher am Goseriedeplatz für mehr Lohn demonstriert.

Carsten Eisold, der beim Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt Neustadt arbeitet, sagte, er wolle nicht länger benachteiligt werden gegenüber Beschäftigten in der freien Wirtschaft. Er habe Sozialpädagogik studiert und noch eine Zusatzqualifikation erworben, aber sein Gehalt lasse zu wünschen übrig. Ähnlich äußerte sich Annika Ast, die in der Jugendhilfe tätig ist: „Wir wollen endich die Anerkennung, die uns zusteht, ich bin es wert, und Ihr seid es auch.“

Viele Eltern unterstützten die Forderungen der Erzieher, sagte Jessica Nofz vom Kita-Stadtelternrat. Die Eltern müssten aber auch selbst für bessere Bedingungen eintreten, wie beispielsweise kleinere Kita-Gruppen und die dritte Kraft nicht nur in der Krippe, sondern auch im Kindergarten. Wichtig sei, dass auch dies ein ausgebildeter Erzieher sei. Abstriche an der Qualität dürfe man nicht machen. Bislang werden im Kindergarten 25 Kinder von zwei Mitarbeitern betreut.

Die Stadt zog am Freitag eine positive Bilanz des Warnstreiks, an dem sich rund 700 städtische Mitarbeiter beteiligt hatten: Bis auf die Kitas sei überall der betreieb - wenn auch personell eingeschränkt - aufrechterhalten worden.

Lehrer streiken wieder

Angestellte Lehrer streiken wieder: Am Dienstag, dem letzten Schultag vor den Osterferien, wollen auch die angestellten Lehrer, Schulsozialarbeiter und pädagogischen Mitarbeiter in Hannover und im Umland sowie in den Kreisen Hameln, Nienburg, Schaumburg, Göttingen, Osterorde, Peine, Cuxhaven und Osterholz erneut in den Warnstreik treten. „Damit zeigen die Beschäftigten in den Schulen, dass sie endlich ein Angebot der Arbeitgeber zur Einkommensverbesserung erwarten“, sagte Rüdiger Heitefaut von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Am 28. März gehen die Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst der Länder in die nächste Runde. Bislang hätten die Arbeitgeber eine starre Haltung gezeigt, sagte Heitefaut. Am Mittwoch soll es in Hannover eine zentrale Kundgebung der Gewerkschaften vor der Oper geben.

20.03.2015
Bernd Haase 23.03.2015