Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Es gibt Halbjahreszeugnisse
Hannover Aus der Stadt Es gibt Halbjahreszeugnisse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 01.02.2013
Am Mittwoch gibt es Halbjahreszeugnisse. Thorsten Windus-Dörr mit seinem alten Schulzeugnis zusammen mit seiner Tochter Lucie (8 Jahre, 3. Klasse) mit ihrem lezten Zeugnis. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
Hannover

Thorsten Windus-Dörr hat seine Bildungskarriere fein säuberlich geordnet. „Mein Leben in Dokumenten“ steht auf dem Rücken der Aktenordner im Arbeitszimmer. Und in Band eins befinden sich, wie sich das gehört, seine Grundschulzeugnisse. Die hat der 54-Jährige nach langer Zeit hervorgekramt, denn Windus-Dörrs Tochter Lucie bekommt heute wie alle Schüler in der Region Hannover ihr Halbjahreszeugnis.

Anlass genug für Vater und Tochter, eine kleine Zeitreise zu unternehmen und zu blättern. Religion, Musik, Sport, Werken, Kunst - viele der Fächer, die in dem Zeugnis Ende der sechziger Jahre auftauchen, kennt die Achtjährige. Nur Deutsch sucht sie vergeblich. Stattdessen gibt es Rechtschreiben, Schreiben, schriftliches Gestalten sowie Lesen und Sprechen. „Das war wohl damals etwas differenzierter“, sagt Windus-Dörr.

Lucie staunt. „Wie war das denn bei dir sonst so früher“, fragt sie, und ihr Vater erzählt von der Peter-Petersen-Schule in der Südstadt, die damals, 1965, noch nagelneu war. Er erzählt, dass er verliebt war in seine Lehrerin und dass er sich gar nicht gern meldete, weil er so schüchtern war. Seine Tochter hört ungläubig zu. Ihr Vater schüchtern - das kann sie sich dann doch nur schwer vorstellen.

Groß werden Lucies Augen auch, als ihr Vater, der heute Geschäftsführer einer PR-Agentur in der Altstadt ist, erzählt, dass er seine Grundschulzeit als leicht und unangestrengt in Erinnerung hat. „Früher war es irgendwie lockerer. Heute wird den Kindern deutlich mehr abverlangt. Das sehe ich kritisch. Die Kindheit sollte doch so lange wie möglich dauern.“

Diese Einschätzung teilt auch Angela Friedrichs-Özdemir. Auch sie erzählt ihrer achtjährigen Tochter Elisa in diesen Tagen viel von ihrer eigenen Grundschulzeit in Berlin. Die Unterschiede liegen auf der Hand. Die Klassen waren größer, Noten gab es schon ab der zweiten Klasse, auch sonnabends wurde unterrichtet. Entscheidend aber ist auch für Friedrichs-Özdemir der früher einsetzende Leistungsdruck. „Wir sind noch sechs Jahre gemeinsam zur Schule gegangen“, erzählt die 41-Jährige, „erst dann wurde entschieden, wie es weitergeht.“

Elisa bekommt heute von ihrer Grundschule Mengendamm erstmals ein Zeugnis, in dem nicht wie bisher ihre Entwicklung und ihre Leistungen in Worten ausformuliert werden, sondern Noten stehen. Ihre Mutter ist gespannt - weniger wegen der Noten, als vielmehr wegen des Gefühls, das diese bei Elisa und ihren Mitschülern auslösen. „Die Kinder sind nervös. Sie diskutieren schon jetzt, ob beispielsweise eine Drei in Mathe für die Gymnasialempfehlung reicht. Das finde ich nicht gesund“, sagt sie, „da waren wir damals entspannter. So einen Riesenrespekt vor den Zensuren - das gab es bei uns nicht.“

Veronika Schaffrina kennt diese Gedanken bisher nicht. Ihr Sohn Lennart geht in die zweite Klasse der Brüder-Grimm-Schule. Er sei sicher, selbstbewusst und voller Elan, wenn es darum gehe, die schulischen Aufgaben zu bewältigen, erzählt seine Mutter. „Er ist so ganz anders als ich damals. Ich war schüchtern, brauchte Zeit, mich dem Lernstoff zu nähern“, erinnert sich die Waldorfschülerin. „Ich bin glücklich, dass er so sorglos ist.“

Doch auch wenn Mutter und Sohn sich in puncto kindlichem Selbstbewusstsein nicht sehr ähneln, so gibt es zwischen ihnen trotzdem viele Parallelen. Die Vorliebe für Mathe zum Beispiel. Das kleine Einmaleins steht zurzeit auf dem Programm. „Da werden wirklich viele eigene Erinnerungen wach“, erzählt die Hebamme.

Interview:

„Lernen braucht Ruhe"

Frau Dieckmann, heute gibt es Halbjahreszeugnisse. Sie haben mehr als 40 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet. Was bedeutet der Zeugnistag für die Kinder?

Es ist ein besonderer Tag, immer noch mit Aufregung verbunden, obwohl viele Kinder ihre Zensuren schon kennen. Schließlich besprechen viele Lehrer die Bewertungen schon Tage vorher mit den Kindern. Eltern sollten die Zeugnisse würdigen als Dokument der Leistung des vergangenen Halbjahres. Über gute Zensuren sollten sie sich freuen, schlechte Zensuren relativieren, damit die Kinder nicht mutlos werden. Schimpfen verbittert und schafft Gegenwehr.

Man hört oft, der Leistungsdruck auf die Kinder in der Schule sei gewachsen. Entspricht das auch Ihrer Wahrnehmung?

Ich meine auch, dass der Leistungsdruck in der Schule zugenommen hat. Nicht weil die Anforderungen gestiegen sind, sondern, weil weniger Klassenarbeiten geschrieben werden müssen und dadurch die einzelne Arbeit mehr Gewicht erhält. Auch weil mehr Wert auf mündliche Mitarbeit als auf schriftliche Leistungen gelegt wird, zum Nachteil für stille Kinder. Phasen ruhigen Arbeitens sind weniger geworden. Die Unruhe in vielen Klassen ist ein großer Stressfaktor. Ebenso die vielen unterschiedlichen Betreuer im Nachmittagsunterricht der Ganztagsschulen. Lernen braucht Ruhe.

Bei schlechten Noten ist die Enttäuschung groß. Was empfehlen Sie Eltern?

Sie sollten trösten – und Hilfe anbieten. Setzen Sie sich zu Ihrem Kind an seinen Schreibtisch und fragen es: Welche Fächer magst du nicht? Warum? Wie kann ich dir dabei helfen? Seien Sie geduldig, Lernen braucht Zeit und Hinwendung. Lassen Sie sich die Hefte Ihres Kindes zeigen. Geben Sie ihm Anregungen für eine saubere, ansprechende äußere Form. Loben Sie Ihr Kind. Lob spornt an. Tadel vernichtet. Bauen Sie auf die Hilfe des Lehrers. Bitten Sie ihn um Unterstützung. Üben Sie mit Ihrem Kind Sätze wie diese: Das habe ich nicht verstanden. Oder: Können Sie mir bitte helfen? Der Lehrer wird gern helfen, das ist seine Aufgabe.

Welche Bedeutung kommt Ihrer Ansicht nach den Hausaufgaben zu?

Hausaufgaben sind wichtig, um das Gelernte zu wiederholen und zu festigen. Sie müssen in der Schule vorbereitet werden und dem Leistungsvermögen des Kindes angepasst sein: Langsame Lerner erhalten ein Minimalpensum, gute Lerner freuen sich über Zusatzaufgaben. Alle schriftlichen Arbeiten sollten vom Lehrer korrigiert werden, damit sich keine Fehler festsetzen.

Zur Rolle Schule und Elternhaus: Was müssen Ihrer Ansicht nach Eltern leisten, was ist Aufgabe der Schule?

Eltern sollten ihrem Kind einen eigenen, hell ausgeleuchteten Arbeitsplatz schaffen, in dem es in Ruhe arbeiten kann. Fragen Sie, ob es die Hausaufgaben verstanden hat, und lassen Sie es allein arbeiten. Anschließend bewerten Sie die äußere Form. Für den Inhalt ist die Schule zuständig. Der Lehrer braucht die Rückmeldung, ob die Aufgaben dem Leistungsniveau des Kindes entsprachen. Er wird die Fehler korrigieren und wird eine liederlich angefertigte Arbeit zurückweisen und Korrektur oder Wiederholung verlangen. Leider weisen inzwischen viele Lehrer diese Arbeit den Eltern zu. Benachteiligt werden dadurch Kinder aus bildungsfernen Haushalten und Kinder von Einwanderern. Kurz gesagt: Die Schule kümmert sich um Inhalte, das Elternhaus um die Form.“

Julia Pennigsdorf

Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg im vergangenen Herbst gibt es Verwirrung über die Müllgebühren. Offenbar bewegt sich der Abfallwirtschaftsbetrieb aha in einigen Bereichen im rechtsfreien Raum.

Mathias Klein 29.01.2013

Einkaufen in Hannovers Georgstraße gleicht seit einigen Tagen etwas einem Hindernislauf. Und das wird auch einige Zeit so bleiben. Grund sind viele Baken, die einzelne Bereiche in der Fußgängerzone absperren.

Mathias Klein 29.01.2013

Nach gut sechs Jahren räumt Stephan Weil sein Büro im Rathaus, um die nächstgrößere Bühne zu betreten. Blickt man auf seine Karriere, ist das ein logischer Schritt.

Gunnar Menkens 29.01.2013