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Aus der Stadt Essen in der Schulmensa stößt oft auf Kritik
Hannover Aus der Stadt Essen in der Schulmensa stößt oft auf Kritik
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20:03 13.12.2011
Von Bärbel Hilbig
Ein Traum für Kinder: Im Bistro der Schillerschule gibt es ohne Vorbestellung täglich Pizza und Würstchen. Das Mensaessen müssen Schüler und Lehrer vorbestellen – serviert werden dann zum Beispiel Nudelgerichte, Hähnchen oder Rindergulasch. Quelle: Martin Steiner
Hannover

Bei den meisten Schülern kommt die neue Mensa der Schillerschule gut an. Der helle Raum mit tiefen Fenstern strahlt in warm leuchtenden Farben. „Die Mensa ist wirklich schön. Man fühlt sich wohl hier, und die Mitarbeiter sind richtig nett“, lobt der elfjährige Mika Bosse. Mitschülerin Felicitas sieht das kritischer. „Na ja, der Fisch heute war nicht so. Er war ein bisschen kalt.“

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) würde sich über eine unbestechliche Testesserin wie Felicitas wahrscheinlich freuen. Die DGE rügte vor Kurzem öffentlich das Essen an Ganztagsschulen in Deutschland. Die Angebote seien oft zu billig kalkuliert, um gesunde Kost anzubieten. Schüler müssten manchmal im Klassenzimmer essen, und die Mittagspause sei zu kurz bemessen.

Zumindest die unwirtlichen Notlösungen, bei denen ein paar Stühle und Tische im Gang oder in der Aula ausreichen mussten, verschwinden in Hannover langsam. Inzwischen verfügen 46 der 110 städtischen Schulen über eine Mensa. Noch 15 dieser 46 Mensen gelten als Provisorien. Fünf Schulkantinen sind aktuell im Bau. In den Umbau von vorhandenen Räumen oder gar den Neubau eines Speisesaals mit Küche fließt viel Geld. Allein aus dem Konjunkturpaket des Bundes gingen 15 Millionen in Hannovers Schulmensen. Doch die schönen, teuren Speiseräume allein sind nur ein erster Schritt zu einem guten Mittagessen für die Schüler.

An der Goetheschule stehen jetzt häufig Süßspeisen wie Schokoladensuppe oder Germknödel als Hauptgericht auf der Speisekarte. Sehr zum Verdruss von Eltern, die Wert auf ausgewogene Ernährung legen. Die meisten Schulen sind für ihr Mittagessen auf die mehr oder weniger guten Angebote von Caterern angewiesen, denn die Stadt richtet in den Mensen grundsätzlich Ausgabeküchen ein, in denen angeliefertes Essen warm gehalten und dann verteilt werden kann. Nur in sehr wenigen Schulen kann noch frisch vor Ort gekocht werden.

Und so sitzt dann ein Sechstklässler in der Integrierten Gesamtschule Stöcken vor einer Aluschale, aus der er eine Pizza zu lösen versucht. Das Essen  sieht weder gesund noch appetitlich aus. Heike Gräser, die sich während der Mittagspause tatkräftig und ehrenamtlich um die Kinder kümmert, macht ein anderer Aspekt mehr Sorgen: „Die Portionen sind nicht riesig. Und Nachschlag gibt es nicht.“ Dafür gibt es als Nachtisch oft einfach einen Apfel – und das zum Gesamtpreis von 3,60 Euro. Der alte Caterer hatte 2,70 und am Ende 3,40 Euro genommen, bevor er pleiteging.

An der IGS Stöcken gehen der bisher provisorischen Mensa inzwischen massiv die Kunden verloren. Die gesunkene Qualität spielt eine Rolle, ebenso wie der gestiegene Preis. „Das ist zu teuer für diesen Stadtteil. Viele Familien liegen knapp über dem Sozialhilfesatz“, sagt Schulleiter Rolf Doelle. An manchen Tagen kommen nur noch 50 Kinder zum Essen. Die Stadt baut aber an einer neuen Mensa mit 250 Plätzen. Eigentlich wollte Doelle die Schüler dann zum gemeinsamen Essen verpflichten. Angesichts der Preise schreckt er davor zurück. Außerdem kann die Schule ihr vom Land nur spärlich finanziertes offenes Ganztagsangebot nur eingeschränkt aufrechterhalten. „Wenn die Schüler nachmittags kein Angebot haben, gehen sie nach Hause.“ Das warme Schulessen ist dann überflüssig.

Doelle und auch andere Schulleiter wünschen sich mehr Hilfe von der Stadt. Sie trägt nur in gebundenen Ganztagsschulen die Kosten für das Ausgabepersonal. Dort kommt das Essen die Schüler deshalb deutlich billiger und liegt im Schnitt bei 2,80 Euro.Die realen Kosten liegen deutlich höher. Schulen, die die Essenausgabe selbst mit 400-Euro-Kräften organisieren, kalkulieren bis zu einen Euro pro Essen für Personal und Steuern ein.

An der Schillerschule zahlen die Kinder 3,20 Euro pro Hauptgericht. Der rührige Elternverein hat einen Anbieter in der Nähe gefunden, dem es offenbar gelingt, das warme Essen in ansehnlichem Zustand in die Schule zu bringen: Die Ravioli sind noch bissfest. „Es gibt immer etwas, was ich gerne mag“, sagt der elfjährige Florian Hornef. Diese Meinung teilen viele Schüler, wie der „Mensaausschuss“ aus Schülern, Lehrern und Eltern per Umfrage festgestellt hat. Die Kinder schätzen auch die liebevolle Betreuung am Tresen. Dort sind Eltern angestellt, und die geben auf Wunsch Nachschlag aus den großen Bottichen, berichtet Vereinsvater Rainer Martinsen. „Das ist eine Sache der Erfahrung. Am Anfang hatten wir Angst, dass es nicht für alle reicht.“

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