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Aus der Stadt „EZ“ wird künftig von Hamburg aus gesteuert
Hannover Aus der Stadt „EZ“ wird künftig von Hamburg aus gesteuert
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00:15 03.07.2017
Von Mathias Klein
Wann sind die Nächsten dran? 2014 protestierten die Mitarbeiter des Lutherischen Verlagshauses vor dem Gebäude der „Evangelischen Zeitung“ gegen die Entlassung von 18 Kollegen – Donnerstag erschien die letzte Ausgabe der Zeitung und die letzten drei verbliebenen Mitarbeiter mussten gehen. Quelle: Felix Küpper (Archiv)
Hannover

Die EZ wird künftig komplett von Hamburg aus gesteuert, ohne Redaktion in Niedersachsen. Chefredakteur Michael Eberstein kommt direkt von seinem eigenen Arbeitsgerichtsprozess zur Abschiedsfeier. „Nach allem, was ich in den letzten Jahren erlebt habe, bin ich froh, dass ich das Kapitel abschließen kann“, sagt der 63-Jährige.

Bereits vor zwei Jahren hatte die Hannoversche Landeskirche das finanziell angeschlagene Lutherische Verlagshaus, zu dem auch die „EZ“ gehört, an die Evangelische Presseverband Norddeutschland GmbH verkauft. Im Oktober vergangenen Jahres hatte das Lutherische Verlagshaus dann Insolvenz angemeldet.

Eigentlich wollte sich die zuletzt dreiköpfige hannoversche Redaktion von ihnen rund 8000 Abonnenten und knapp 30 000 wöchentlichen Lesern in Niedersachsen mit zwei Zeitungsseiten verabschieden. „Die haben wir am Montag und Dienstag fertig gemacht, in Hamburg wurden sie dann ausgetauscht“, berichtet Eberstein. „Einen solchen Eingriff in die redaktionelle Freiheit habe ich in meinen 36 Berufsjahren bisher nicht erlebt“, sagt der „EZ“-Chefredakteur.

Nadine Hill, die den Insolvenzverwalter vertritt, begründet den Austausch der Seiten mit der fehlenden Absprache. „Das wäre alles kein Problem gewesen, wenn es mit uns abgesprochen gewesen wäre“, sagt sie. Da die Seiten aber „verfahrenstechnische Sachen zum Inhalt“ gehabt hätten, sei eine Veröffentlichung jedoch nicht möglich gewesen.

Auf den beiden Zeitungsseiten berichtet die Redaktion unter anderem von der Kündigung der zuletzt drei verbliebenen redaktionellen Mitarbeiter in Hannover. Und sie berichtet, dass seit dem Verkauf des Lutherischen Verlagshauses durch die Landeskirche insgesamt 18 Arbeitsplätze verloren gegangen sind, die Hälfte davon in der Redaktion. Bereits im Frühjahr musste der zum Lutherischen Verlagshaus gehörende Buchverlag schließen.

Zuschuss umgeleitet

Seit dem Verkauf des Verlagshauses habe es fünf Wechsel in der Geschäftsführung gegeben. Dennoch sei er guter Dinge gewesen, dass es mit der „EZ“ weitergehen könne. Aber ein Zuschuss der Landeskirche in Höhe von 250 000 Euro sei an einen Berliner Radiosender weitergeleitet worden, der Hintergrund dafür ist Eberstein unklar.

Durch die Insolvenz sei der einjährige Kündigungsschutz der Redakteure ausgehebelt worden. Er werde den Eindruck nicht los, dass die Insolvenz des Verlagshauses vom bisherigen Eigentümer zumindest bewusst in Kauf genommen worden sei, um die „teuren alten Arbeitsverträge“ zu kündigen, meint Eberstein.

Ein neuer Job ist Eberstein und seinen Kollegen weder von dem kirchlichen Unternehmen noch von der Kirche selbst angeboten worden, sagt er. Und die Verbitterung ist deutlich zu hören.

1946 als „Botschaft“ gegründet

Die Geschichte der „Evangelischen Zeitung“ beginnt in Hannover im Jahr 1946 unter dem Titel „Botschaft“. In der Nachkriegszeit stieß der Name auf Kritik, die Leser hätten sich ein Wiederaufleben des „Hannoverschen Sonntagsblatts“ gewünscht. Doch das war politisch nicht durchsetzbar, genauso wenig wie die Vergabe der Lizenz an den alten Lutherhausverlag. Dessen Besitzer Heinrich Feesche hatte sich in der Nazi-Zeit politisch kompromittiert. Deshalb erhielt Oberlandeskirchenrat Adolf Cillien die Lizenz persönlich, das Blatt erschien im Eigenverlag. Cillien war auch der erste Chefredakteur.
Nach und nach wurden die in einzelnen Kirchensprengeln zusätzlich erscheinenden Sonntagsblätter mit der „Botschaft“ zusammengelegt. Nachdem nach und nach auch die Kirchenblätter der anderen niedersächsischen Landeskirchen zur „Botschaft“ stießen, wurde 1975 ein neuer Name nötig: „Evangelische Zeitung“ („EZ“).
Ihre besten Zeiten hatte die Kirchenzeitung in den Sechziger- und Siebzigerjahren mit einer Auflage von mehr als 50 000 Exemplaren pro Woche.     

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