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Aus der Stadt Ex-Teamleiter will keinen Müll auflesen
Hannover Aus der Stadt Ex-Teamleiter will keinen Müll auflesen
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19:40 23.06.2014
Von Michael Zgoll
Quelle: Symbolfoto
Hannover

Was für ein Arbeitsplatz kann einem Beschäftigten, der früher eine kleine Abteilung leitete und nun zu 40 Prozent behindert ist, zugemutet werden? Ein Mann, der seit 37 Jahren in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) arbeitet, erkrankte 2007 schwer, konnte seinen Job im Flachwäschelager nicht mehr ausfüllen. Nun hat ihm die MHH Tätigkeiten in der Pathologie, als Müllaufsammler und in der Wäscherei angeboten. Doch der 56-Jährige empfindet dies als herabwürdigend. Das Arbeitsgericht verhandelte jetzt über seine Klage wegen Diskriminierung von Behinderten und einen Entschädigungsanspruch von 33 000 Euro. Dabei wurde deutlich, dass dem Kläger ein akzeptabler Arbeitsplatz - etwa in einem Büro - viel lieber wäre als das Geld.

In den guten Zeiten an der MHH waren dem Mann mehrere Lagerarbeiter unterstellt. Doch ab 2007 häuften sich Fehlzeiten, weil er schwer erkrankte und oft stationär behandelt werden musste. Inzwischen ist er zuckerkrank, leidet unter Hüftgelenksarthrose sowie einer deformierten Lendenwirbelsäule und hat nach mehreren Herzoperationen einen Bypass sowie mehrere Stents im Körper.

Die Betriebsärztin der MHH habe seinem Mandanten bescheinigt, so dessen Anwalt Peter Pistorius, dass dieser nur „leichte Arbeiten überwiegend im Sitzen“, „kurze Gänge ohne Zeitdruck“ und „kurz anhaltende leichte Tätigkeiten im Stehen“ ausüben dürfe. Aus diesem Grunde habe sich die Deutsche Rentenversicherung bereiterklärt, ihm Zuschüsse für die Bereitstellung eines „leidensgerechten Arbeitsplatzes“ zu gewähren, etwa für eine Umschulung auf einen Büroarbeitsplatz.

Angebot für Tätigkeit in der Pathologie

Doch was dem Mann Anfang 2014 tatsächlich angeboten wurde, war eine Tätigkeit in der Pathologie. Einen Arbeitsplatz in der Nähe von Leichen, sagt er, habe er aber aufgrund seiner eigenen lebensbedrohlichen Herzoperationen und der damit verbundenen Todesängste abgelehnt. Dann habe man ihm den Vorschlag unterbreitet, täglich zwei Stunden auf dem Campusgelände Müll aufzusammeln - doch dies empfand er angesichts seiner früheren Teamleitertätigkeit als entwürdigend. Der Anwalt der MHH wies in der Sitzung der 13. Kammer darauf hin, dass sich der Kläger beim Müllaufsammeln ja nicht bücken müsse, sondern mit einem Greifer unterwegs sein könne. Abgesehen davon falle es der Hochschule aufgrund der zunehmenden Spezialisierung im Klinikum immer schwerer, einfache körperliche Tätigkeiten für Mitarbeiter zu finden.

Die jüngste Offerte der Hochschule verweist den 56-Jährigen auf die Wäscherei, doch auch das empfindet er als Zumutung. Dort werde viel im Akkord geschuftet, die Luft sei subtropisch schwül und die Arbeit anstrengend. Abgesehen davon, ergänzte Pistorius, habe die MHH angekündigt, die Campuswäscherei Ende 2014 aus wirtschaftlichen Gründen zu schließen. Sein Verdacht: Mithilfe der unzumutbaren Jobangebote wolle man seinen Mandanten aus der Hochschule herausekeln.

Richter Thomas Bödecker konnte den Kläger in der Güteverhandlung überreden, sich den Arbeitsplatz in der Wäscherei gemeinsam mit Verantwortlichen der MHH noch einmal anzuschauen. Sollte der 56-Jährige diesen Job aus gesundheitlichen Gründen für unzumutbar halten und sollte sich auf dem internen Arbeitsmarkt des Klinikums keine sitzende Tätigkeit für ihn finden, wird sich die 13. Kammer im September erneut mit dem Fall beschäftigen müssen.

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