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Aus der Stadt „Ein Spiel mit dem Feuer“
Hannover Aus der Stadt „Ein Spiel mit dem Feuer“
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00:30 16.04.2015
Foto:  Neves Rosa Flecks hat ihr Arbeitsgerät in einen Lkw ausgelagert.
Neves Rosa Flecks hat ihr Arbeitsgerät in einen Lkw ausgelagert. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Ein leerer Raum, Ruß an den Wänden, beißender Geruch im Inneren wie auf der Straße. Die Folgen des Brandes, der am 18. März an der Deisterstraße 57 gelegt wurde, sind immer noch allgegenwärtig: Das Atelier Konglomerat 57 hat bis auf Weiteres geschlossen.

Es war ein trendiges, kleines Atelier, das zur Belebung der Deisterstraße in Linden-Süd beigetragen hat: ein heller Raum, eine charmant unverputzte Wand, offene Regale mit den unterschiedlichsten Stoffen, sechs industrielle Nähmaschinen. Eine ansehnliche Ausstattung der drei Modedesigner Neves Rosa Flecks (26), Annah Wams (26) und Felix Müller (24), die sich erst vergangenes Jahr gemeinsam selbstständig gemacht haben. „Das Atelier war immer eine Herzensangelegenheit für mich. Gerade am Anfang, wenn man mal soeben die laufenden Kosten decken kann“, sagt Flecks - eine Unternehmensgründung ohne unbedingte Leidenschaft funktioniere nicht.

Nicht zum ersten Mal Brandstiftung

Nun ist das ganze Arbeitsleben dreier Menschen zusammengepfercht in einem Lkw vor der Tür, während sich die Brandsanierungsfirma um die Räume kümmert. Vielleicht müssen sogar Boden und Decke erneuert werden. „All die Arbeit, die wir damals in die Renovierung gesteckt haben, mit ökologischen Farben oder den Holzarbeiten - das ist jetzt ein echter Rückschlag“, resümiert Flecks. Die Nähmaschinen haben sie derweil zur Spezialreinigung gegeben: „Wir hatten Sorge, dass sie bei einer normalen Firma in Einzelteile zerlegt werden und wir die Maschinen anschließend wieder genau einstellen müssen. Da hätte die Wartung dann auch noch einmal gekostet“, erklärt die 26-Jährige.

Mit einem Startkapital aus eigenen Ersparnissen suchten die drei Designer im Frühling 2014 ein günstiges Atelier, damit sie dort ihren jeweils eigenen Projekten nachgehen, sich gleichzeitig aber Miete und Nähmaschinen teilen konnten. Die Ladenfläche an der Deisterstraße stand zu dem Zeitpunkt leer: Einige Monate zuvor wurde hier schon einmal Feuer gelegt. Die damalige Inhaberin von Elegant am Rand, ein Laden für ­Gothic-Bekleidung, gab auf: Der Brand hatte sich durch die Kellerdecke gefressen und ein Loch im Boden hinterlassen. Damals verbrannte die Kleidung im Erdgeschoss.

Nun hat das Feuer im Konglomerat 57 zwar nichts von den Materialien verbrannt; der Rauch und die Rußablagerungen sind aber beinahe genauso schlimm: Einige Regale stehen seit Wochen im Garten, um den Geruch loszuwerden. Die restlichen Möbel sind in einem Lkw vor dem Atelier untergebracht, um Lagerkosten zu sparen. „Die Stoffe sind nicht mehr zu gebrauchen. Nach einer Reinigung wären sie nicht mehr neuwertig, zudem schrumpfen sie bei der Waschung“, erklärt Flecks. „Ich schätze, für mich entsteht ein Schaden von 5000 Euro“, sagt sie. „Bei Felix, der viel mit Siebdruck arbeitet, wird es weniger sein. Und Annah war im Gegensatz zu mir versichert.“ Sie und Wams kennen sich über einen Bio-Naturkostladen, ihren „Brot- und Butterjob“, wie Flecks sagt. „Der hält uns jetzt über Wasser.“

"Bewusst gegen Versicherung entschieden"

Als sie damals das Atelier gründeten, war Flecks diejenige, die gleich loslegte, während Wams es eher vorsichtig anging und alles abgesichert wissen musste. „Ich hab mich damals bewusst gegen eine Versicherung entschieden“, erklärt Flecks ihren Schritt. „Klar war das ein Spiel mit dem Feuer - buchstäblich“, sagt sie mit einem bitteren Lächeln. „Jetzt ist Annah natürlich besser dran.“ Bei Annah Wams kommt nun die Versicherung für ihren Anteil der Reinigung und einen finanziellen Ersatz der Materialien auf.

„Ohne Bürokratie und Absicherung geht es halt nicht, das war jetzt teures Lehrgeld“, sagt Flecks. Unterkriegen lässt sie sich jedoch nicht: „Egal, was wir jetzt durchmachen: Bei uns allen hat es erneut das Feuer entfacht und das Wissen, hier unbedingt weitermachen zu wollen.“

Von Katharina Derlin

Saskia Döhner 16.04.2015
Bernd Haase 16.04.2015
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