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Aus der Stadt Extrem-Hochwasser würde Südstadt gefährden
Hannover Aus der Stadt Extrem-Hochwasser würde Südstadt gefährden
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06:15 24.11.2012
Von Mathias Klein
Zahlreiche Straßen, Brücken und Wohnquartiere würde bei einem Extrem-Hochwasser überschwemmt werden. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Dieses Extrem-Hochwasser würde nicht nur Teile von Ricklingen, sondern auch größere Bereiche von Südstadt, Innenstadt und Calenberger Neustadt unter Wasser setzen. Theoretisch tritt der Fall nur alle 200 Jahre ein – doch dann kommt es neuesten Berechnungen zufolge dicke. Zahlreiche Behörden, darunter das Finanzamt und die Staatskanzlei, sogar die Wasser- und Schifffahrtsdirektion wären lahm gelegt. Das Regionshaus wäre dann nur mit Gummistiefeln trockenen Fußes zu erreichen, das Rathaus läge gerade so eben außerhalb des Überschwemmungsgebietes.

Die Berechnungen hat der Umweltdezernent der Region Hannover, Axel Priebs, Am Mittwoch vorgelegt. Bisher hatten sich Planungen stets nur auf das Hundertjährige Hochwasser ausgerichtet. Priebs warnte eindringlich, sich nicht davon beruhigen zu lassen, dass die neueste Simulation statistisch nur alle 200 Jahre vorkommt. „Es kann schon das nächste Hochwasser sein, das so extrem ausfällt“, sagt Priebs. Das hänge vor allem von der Wetterlage ab.

Die von Priebs vorgestellten Pläne, auf denen in einzelnen Karten die Überschwemmungsgebiete fast metergenau verzeichnet sind, sollen Kommunen und Grundstückseigentümern zeigen, welche Flächen bei einem derart extremen Hochwasser unter Wasser stünden. „Jetzt kann man erkennen, wo etwas für den Hochwasserschutz getan werden kann, wo Evakuierungen oder wo andere Katastrophenschutzmaßnahmen nötig sind“, sagt Priebs. Kommunen seien angehalten, die im Überschwemmungsgebiet wohnenden Bürger auf mögliche Hochwassergefahren hinzuweisen.

Allerdings sind Auswirkungen des aktuell im Bau befindlichen Hochwasserschutzprogramms der Landeshauptstadt mit einem Volumen von 30 Millionen Euro in den Experten-Berechnungen noch nicht berücksichtigt. Bei der Stadt sagte Sprecher Dennis Dix, die jüngsten Berechnungen der Region lieferten zwar nützliche Informationen. Die Stadt werde daraus aber vorerst keine konkreten Maßnahmen ableiten.

In der Südstadt (rechts) und Ricklingen (unten links) sowie der Calenberger Neustadt (oben links) wären beim 200-jährigen Hochwasser etliche Wohnquartiere überschwemmt.

Wenn Hannover unter Wasser steht

Es war ein Einsatz, den viele Feuerwehrleute der Region nicht vergessen werden. Im Oktober 2007 rückten mehrere hundert Feuerwehrleute in den südlichen Landkreis Hildesheim aus. Rund um das kleine Dorf Heersum drohten die Deiche des Flusses Innerste zu brechen, Heersum und mehrere andere Dörfer wären vom Hochwasser überflutet worden.

„Der Kampf um Heersum“, wie er damals von Feuerwehrleuten beim nächtelangen Packen von Sandsäcken bezeichnet wurde, wäre gar nichts gegen das Szenario, das bei einem Jahrhunderthochwasser der Leine droht. Und das wiederum wäre erst recht nichts gegen ein Hochwasser, wie es statistisch alle 200 Jahre eintreffen könnte.

Die Planungsbehörden machen sich längst Gedanken darüber, wie sie die Bürger vor den Folgen solcher Katastrophen schützen können. Bisher wurde nur mit Hochwasserfällen gerechnet, die statistisch alle 100 Jahre vorkommen könnten (Fachbegriff: HQ 100).   Wegen des Klimawandels und der damit verbundenen steigenden Gefahr extremer Niederschläge müsse man sich aber auch auf ein Extremszenario einstellen, wie es nur alle 200 Jahre vorkommt (HQ 200), sagte der Umweltdezernent der Region, Axel Priebs, am Mittwoch bei der Vorstellung der Karten.

Ricklingen, die Calenberger Neustadt, Teile der Südstadt und sogar Teile der Innenstadt würden unter Wasser stehen, aber auch die Herrenhäuser Gärten und ihre Umgebung. Für einige Gebiete, etwa den Ricklinger Stadtweg, haben die Experten Wasserstände bis zu 2,70 Meter errechnet. Im nächsten Februar ist es 67 Jahre her, dass Hannover von einer Jahrhundertflut getroffen wurde. Im Februar des Jahres 1946 traten Leine und Ihme über die Deiche. Drei Menschen starben in den Fluten, rund 20 000 saßen in ihren Wohnungen fest. Besonders betroffen war damals der Stadtteil Ricklingen. Heftige Überschwemmungen gab es in den Jahren 1981 und 2003. Dass die Leine nach langanhaltenden Regenfällen in Südniedersachsen oder während der Schneeschmelze über die Ufer tritt kommt nahezu jährlich vor.

Um sich vor einem Jahrhunderthochwasser zu schützen, investiert die Stadt Hannover derzeit 30 Millionen Euro. Die Benno-Ohnesorg-Brücke ist gerade verbreitert worden, damit auch größere Wassermassen hindurchfließen können, an der Ihme sind Bauarbeiter mit den letzten Arbeiten für die Vorlandabgrabungen beschäftigt, dort soll sich das Wasser besser verteilen können, ohne Schäden anzurichten. Und demnächst soll der Deich in Ricklingen verlängert werden, um den besonders von Hochwasser bedrohten Stadtteil besser zu schützen.
Betroffen wären auch die Orte im Umland von dem extremen Hochwasser. Sie würden aber vergleichsweise besser wegkommen. Zum einen fließt dort die Leine noch in ihrem natürlichen Bett und kann sich recht gut auf tiefer liegenden Wiesen ausbreiten. Außerdem haben dort die Häuser überwiegend einen respektvollen Abstand zum Fluß.

Die jetzt vorgestellten Hochwasserpläne sollen vor allem den Behörden helfen, über geeignete Maßnahmen zum Hochwasserschutz nachzudenken, meint Priebs. Beispielsweise sei an den vom Computer errechneten Bildern zu erkennen, wo es ausreiche, ein Betonfundament zu bauen, um im Fall eines Hochwassers mobile Dämme aufzustellen, sagte Ulrich Kiel von der Ingenieursgesellschaft Stadt-Land-Fluss, die an der Datenberechnung beteiligt war. Außerdem gehe es darum zu klären, an welcher Stelle sich der Bau eines Deiches lohne und an welcher nicht.

Wichtig sei aber immer die Gesamtbetrachtung, betont die Leiterin des Fachbereichs Umwelt in der Region, Sonja Papenfuß. „Wenn der Landkreis Hildesheim sagen würde, wir machen hier alles vor Hochwasser sicher, das hätte dann in der Region Hannover gravierende Auswirkungen.“

Weitere Karten zum Thema Extrem-Hochwasser zeigt die Stadt Hannover auf der Seite der Simulation HQ 200.

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