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Aus der Stadt Fahrende Musikanten: Die Gründer von Kampe-Trucks
Hannover Aus der Stadt Fahrende Musikanten: Die Gründer von Kampe-Trucks
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20:57 03.03.2009
Backstage-Pässe und Konzertkarten als Firmengeschichte: Achim Fahnenschild (links) und Stephan Kampe fahren seit 25 Jahren Musikequipment für zahlreiche Bands. Quelle: Kris Finn

Eigentlich wollten Stephan Kampe (50) und Achim Fahnenschild (48) gar kein Transportunternehmen für Musiker gründen. Die Schulfreunde wollten, wie viele junge Hannoveraner Anfang der achtziger Jahre, Musik machen, vielleicht eine Zeit lang davon leben. Dazu probten sie regelmäßig im Bunker Badenstedt, gingen auf kleine Tourneen und waren es irgendwann leid, sich immer extra einen Transporter dafür auszuleihen. „Also haben wir zusammengelegt und kauften uns 1982 für 1600 D-Mark einen uralten Mercedes-Benz“, sagt Kampe. Befreundete Bands liehen sich den Wagen gern, und die Transporthilfe sprach sich rum. 1984 meldete sich ein gewisser Eric Burdon (67), englischer Sänger der Band The Animals. „Er brauchte einen Lastwagen und Fahrer – wir sagten zu“, erzählt Kampe. Für 2500 DM kauften Kampe und Fahnenschild ihren ersten Lastwagen und gingen mit dem Siebeneinhalbtonner und Burdon drei Wochen auf Europatour. Es war die Geburtsstunde von Kampe-Trucks.

25 Jahre ist diese Tour her. Als Kampe-Trucks GbR fahren Kampe und Fahnenschild nun schon ein Vierteljahrhundert Musikerequipment quer durch Europa. Sie arbeiteten mit Genesis, BAP, AC/DC, Eric Clapton, Aerosmith, den Scorpions und den Rolling Stones zusammen. In Kampes Büro in einer Lindener Altbauwohnung hängen Backstage-Ausweise von Konzerten ziemlich aller bekannten Bands der vergangenen 25 Jahre. Wie viele Konzerte sie genau betreut haben, wissen sie nicht. „Wir fragen uns eher, wen wir nicht betreut haben“, sagt Kampe.

Die Touren brachten die beiden Musiker durch ganz Europa. „Mein Höhepunkt war eine Fahrt für die Band The Sweet im Jahr 1987“, sagt Fahnenschild. „Ich sah, wie sich meine Idole in diese engen Kostüme quetschten – es sah schlimm aus.“ 1989 fuhr Fahnenschild noch vor dem Mauerfall mit Heinz Rudolf Kunze (52) nach Ost-Berlin, wo Kunze bei einem großen FDJ-Festival auftrat. „Ein komisches Gefühl“, sagt Fahnenschild, der 1989 noch einmal mit den Beach Boys nach Ost-Berlin fuhr, um das Bandgepäck zu transportieren. „Die traten 1989 in Berlin-West auf der Waldbühne auf, buchten aber offenbar aus Unwissenheit im Osten ein Hotel – die haben sich tierisch über die langen Grenzkontrollen aufgeregt“, erinnert er sich.

Zu den namhaften Auftraggebern kamen die Unternehmer eher zufällig. „Anfang der achtziger Jahre schraubten viele Musiker nebenbei an Boxen, andere an Lichtanlagen, und wir fuhren Instrumente“, sagt Kampe. Irgendwann gründeten einige Kollegen kleine Firmen, andere, wie Fury in the Slaughterhouse, wurden berühmt. Doch egal, in welche Richtung sie sich entwickelten, das Netzwerk zwischen den Musikern blieb bestehen.

„Immer kennt einer wen, der uns kennt, und dann werden wir gefragt“, sagt Kampe. „Manchmal kommt eine Band am Flughafen an, will auf Tour gehen, und die Instrumente passen nicht in ihren Leihwagen – dann werden wir gerufen“, erzählt Kampe, der oft als Helfer agiert: Als 1999 bei einem Konzert von Marius Müller-Westernhagen die Sattelschlepper nicht mehr an das damalige Niedersachsen-Stadion heranfahren durften, übernahmen die Kampe-Lastwagen den Shuttle service. Auch als 2005 ein Lastenanhänger der Popband Juli beim Plaza-Festival in Hannover zusammenbrach, wurde Kampe um Hilfe gebeten.

Probleme mit den eigenen Fahrzeugen hatten die Unternehmer in den vergangenen Jahren kaum. „Klar gab es Reifenpannen, oder es ist mal ein Motor verreckt“, sagt Fahnenschild. Aber nur einmal musste ein Konzert ausfallen. Gianna Nannini (52) sollte in München bei einem Festival auftreten. Kampe-Trucks war beauftragt, ihr Equipment zu fahren, doch die Kraftstoffpumpe streikte. „Zu der Zeit gab es noch keine Handys, und wir erreichten Fahrer und Pannendienst einfach zu spät“, sagt Kampe.

Heute gehören elf Lkw und drei Anhänger zum Unternehmensfuhrpark, und Kampe verleiht die Wagen auch mal für ganz normale Transporte. Das Geschäft laufe gut. Aber ihre Leidenschaft bleibt die Musik, die sie noch immer mit ihrer Band „Mamas Liebling“ machen. Etwa fünf Auftritte geben sie im Jahr. Falls sie doch noch berühmt werden sollten, haben sie zumindest schon die passenden Transporter.

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