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Aus der Stadt Falsche Asylhilfe: Iraner legt eigene Freundin rein
Hannover Aus der Stadt Falsche Asylhilfe: Iraner legt eigene Freundin rein
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00:38 17.06.2018
Das Opfer sollte 800 Euro zahlen, damit sich die angebliche Cousine des Angeklagten um den Asylbewerberfall kümmert. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Sie glaubte an die große Liebe, er dachte offenbar an das schnelle Geld: Mojtaba S. hat sich vor dem Amtsgericht Hannover wegen zweifachen Betrugs verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft warf dem 32-jährigen Iraner vor, im Jahr 2016 seine damalige Freundin Hilda H. „durch Vorspiegelung falscher Tatsachen“ um 800 Euro betrogen zu haben. S. hatte demnach behauptet, er könne der 38-Jährigen und ihrer Tochter bei der Bewilligung der Asylanträge helfen – die Cousine des Angeklagten sei Anwältin. Als H. jedoch dämmerte, dass sie offenbar betrogen wurde, erstattete sie Anzeige. Das Gericht stellte das Verfahren am Ende gegen Rückzahlung der 800 Euro plus 200 Euro Strafe ein.

S. und H. hatten sich im August 2016 auf Facebook kennengelernt, beide stammen aus dem Iran. Sie tauschten Nachrichten aus, der Kontakt wurde enger und binnen kürzester Zeit waren sie ein Paar, berichtete die 38-Jährige. Sie lebt in der Nähe von Marburg, er in Hannover. Als S. von den Asylanträgen erfuhr, habe er die Hilfe seiner Cousine angeboten – anfangs kostenlos. Als Grund habe er genannt, „er sei in mich verliebt und wolle heiraten“, sagte die Geschädigte vor Gericht.Sie überreichte ihm die für die Asylanträge nötigen Dokumente. Diese wurden bei einer späteren Wohnungsdurchsuchung von der Polizei sichergestellt.

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Im September 2016 wollte der 32-Jährige dann plötzlich doch Geld haben. 400 Euro für die Bearbeitung musste H. zahlen. Im Oktober wurden weitere 400 Euro fällig – angeblich für das Ausstellen der Asylbescheinigungen. Das Geld überwies die 38-Jährige auf das Konto eines unbekannten Dritten, die nötigen Bankdaten schickte ihr S. via Whatsapp in Form einer abfotografierten Kontokarte. „Es war ein Fehler von mir, dass ich mich nie gewundert habe“, sagte H. vor Gericht. Auch die angebliche Anwältin traf die 38-Jährige nie. Als das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sie zur Anhörung über ihren Asylantrag lud, erstattete H. Anzeige gegen den 32-Jährigen.

Der Angeklagte machte zu den Vorwürfen keine Angaben. Nach einstündiger Verhandlung schlug seine Verteidigerin vor, das Verfahren gegen Zahlung der 800 Euro an die Geschädigte einzustellen. „Ihr geht es hauptsächlich um das Geld und die Dokumente“, sagte Anwältin Anne Deneke. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch das Gericht waren damit einverstanden, allerdings legte Richter Simon Schnelle noch weitere 200 Euro Strafe oben drauf. „Damit auch eine Sanktion für die Tat hängenbleibt“, sagte er. 500 Euro zahlte S. noch im Saal an Hilda H., die restliche Summe wird in Raten bis Ende Oktober beglichen.

Von Peer Hellerling

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