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Aus der Stadt Falsche Fahrerin vor Gericht
Hannover Aus der Stadt Falsche Fahrerin vor Gericht
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00:17 26.02.2015
Von Michael Zgoll
Eine Frau aus der Versicherungsbranche ist offenbar unschuldig ins Visier der Justiz geraten, sie wurde Opfer eines dummen Zufalls. Quelle: Ralf Decker
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Hannover

Eine Frau aus der Versicherungsbranche ist offenbar unschuldig ins Visier der Justiz geraten, sie wurde Opfer eines dummen Zufalls. Die Besitzerin eines BMW war beschuldigt worden, in der Nordstadt durch ihren rüpelhaften Fahrstil einen Verkehrsunfall verursacht zu haben. Zwei Zeugen, so die Polizei, hätten sich ihr Autokennzeichen notiert. Allerdings stellte sich am Montag im Zivilverfahren heraus, dass die Zeugenaussagen nicht viel wert waren. Daraufhin zog der Anwalt der Firma, deren Fahrer am Unfall beteiligt war und die 3300 Euro Schadenersatz von der Frau gefordert hatte, die Klage zurück. Der Kommentar der 48-Jährigen: „Das war ein Stück aus dem Tollhaus, aber zum Glück hat die Gerechtigkeit gesiegt.“

An einem Augustvormittag 2013 hatte es auf der Arndtstraße Richtung Christuskirche gekracht. Ein weißer Mercedes-Transporter befand sich auf der linken Spur, ein Renault Twingo auf der rechten. Doch plötzlich, so sagte der Lieferwagenfahrer später aus, habe ihn ein dunkler BMW links überholt, sei dabei - zwangsläufig - über die Gegenfahrbahn gerauscht. Um einen Unfall zu vermeiden, habe er sein Auto nach rechts gelenkt, wo er mit dem Twingo kollidierte. Die Polizei vernahm die beiden Unfallfahrer und nahm zu Protokoll, dass sich beide an das Kennzeichen des BMW erinnerten sowie gleiche Buchstaben und Ziffern benannten. Halterin war die 48-Jährige - die aus allen Wolken fiel, als ihr die Polizei auf die Pelle rückte.

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In der Verhandlung bei Amtsrichterin Christiane Brack-Dalisdas beharrte die in Groß-Buchholz arbeitende Frau darauf, dass sie sich den besagten Tag auf einem Seminar befunden habe, was mindestens zwölf Kollegen bezeugen könnten. Ihr schwarzes BMW-Cabrio der 1er-Baureihe habe die ganze Zeit auf dem Firmenparkplatz gestanden; der Autoschlüssel sei den ganzen Tag in einem verschlossenen Rollcontainer geblieben, so dass weder sie noch jemand anders mit ihrem Wagen unterwegs sein konnte.

Bei der Befragung der beiden Unfallfahrer stellte sich heraus, dass der Lieferwagenfahrer dem Twingo-Besitzer die Nummer des Kennzeichens mitgeteilt, dieser das Nummernschild aber gar nicht selbst erkannt hatte. Der Transporter sei auch nicht überholt, sondern nur von einem BMW bedrängt worden, so der Renault-Fahrer. Der Lieferwagenfahrer wiederum meinte, dass es sich bei dem überholenden Wagen eher um einen hellbraunen BMW 318 als einen schwarzen 1er gehandelt habe.

Bei dieser Beweislage war es nur folgerichtig, dass der Anwalt der Transporterfirma die Klage zurückzog. Was bleibt, ist ein gewissen Erstaunen. Augenscheinlich hatte der Lieferwagenfahrer - versehentlich oder absichtlich - ein falsches Kennzeichen angegeben, vielleicht auch, um die Schuld am Unfall zu delegieren. Dass dieses Kennzeichen tatsächlich zu einem dunklen BMW passte, ist unwahrscheinlich, aber offenkundig Tatsache. Leidtragende dieses unglücklichen Zufalls war die 48-Jährige.

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