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Aus der Stadt Familie bekommt Geld für Reise zurück
Hannover Aus der Stadt Familie bekommt Geld für Reise zurück
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20:42 11.12.2014
Von Michael Zgoll
Weil ihr Sohn kurz vor der Reise erkrankt war, muss die Versicherung der Familie die Reisekosten teilweise erstatten. Quelle: Symbolbild
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Hannover

Mit ihrer Forderung, die Stornokosten erstattet zu bekommen, stießen die Eltern auf taube Ohren. Das Unternehmen mit Sitz in München verweigerte eine Zahlung mit dem Argument, dass der Junge schon länger chronisch krank gewesen sei und deshalb kein Versicherungsschutz bestehe. Doch das sah Amtsrichterin Susanne Werfel anders.

Der 15-jährige Kevin leidet unter Morbus Crohn. Diese chronische Erkrankung führt zu Entzündungen des Verdauungstrakts, meist im Darmbereich. Bauchschmerzen, Durchfall und Gelenkschmerzen sind typische Symptome. Im Sommer 2013 wollten er und seine Eltern verreisen. Sicherheitshalber suchte die in Hannover lebende Familie im Dezember 2012 eine Fachärztin auf, um sich die Reisetauglichkeit des Jungen bescheinigen zu lassen - was diese auch tat. Zudem hatten Kevins Krankheitssymptome im Laufe des Jahres 2012 deutlich nachgelassen. Im Januar buchten die Eltern bei Alltours für 2661 Euro eine 13-tägige Flugpauschalreise. Auch eine Reiserücktrittsversicherung - mit 20 Prozent Selbstbeteiligung - schloss die Familie ab.

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Doch dann, im Juni 2013, gab es unerwartete Komplikationen: Die Kniegelenke von Kevin entzündeten sich stark. Es folgten mehrwöchige stationäre Aufenthalte in den Kinderkliniken der Medizinischen Hochschule Hannover sowie der Uni München. Der Junge war nicht reisefähig, die Eltern sagten den Sommerurlaub ab. Wenig später stellte Alltours Stornokosten in Höhe von 1065 Euro in Rechnung. Die Familie wollte von der Reiserücktrittsversicherung - abzüglich des Selbstbehalts - 852 Euro erstattet bekommen, fand aber kein Gehör.

Nach Ansicht der Versicherung handelte es sich bei der Knieentzündung um einen neuen Schub von Morbus Crohn. Auch sei der Junge in den sechs Monaten vor Vertragsabschluss ärztlich behandelt worden; somit liege keine unerwartete Erkrankung vor, die versichert sei.

Demgegenüber wies Richterin Werfel darauf hin, dass Kevin seine Ärzte seit Mai 2012 nur noch zu Kontrolluntersuchungen aufgesucht hatte. Auch sei der Umstand, dass der Junge regelmäßig Medikamente einnehmen musste, keine ärztliche Behandlung im eigentlichen Sinne gewesen. Würde man der Argumentation des Versicherers folgen, wären sämtliche chronischen Erkrankungen, die eine permanente Medikamenteneinnahme erfordern, vom Versicherungsschutz ausgenommen - was so nicht in den Geschäftsbedingungen stehe. Insofern würden auch Diabetiker, die ständig Insulin brauchen, Versicherungsschutz genießen, falls eine unvorhergesehene Erkrankung auftrete. Und genau eine solch unerwartete Verschlechterung einer bestehenden Erkrankung, so Werfel, habe bei Kevin vorgelegen - und darum müsse der Versicherer zahlen.

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