Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Bettwanzen-Prozess endet mit einem Vergleich
Hannover Aus der Stadt Bettwanzen-Prozess endet mit einem Vergleich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:16 28.04.2015
Von Michael Zgoll
Quelle: Symbolfoto
Anzeige
Hannover

Eine Familie ist beim Amtsgericht mit dem Versuch gescheitert, die Tui für Bettwanzen im Hotelzimmer haftbar zu machen und sich beim Reisekonzern für einen missratenen Urlaub schadlos zu halten. Der Körper des elfjährigen Sohns, so hatten die Eltern behauptet, sei im August 2014 bereits nach einem Urlaubstag im türkischen Antalya mit roten Flecken und wässrigen Bläschen bedeckt gewesen. Der Gesundheitszustand des Kindes habe sich so sehr verschlechtert, dass man nach drei Tagen heimgekehrt sei.

Die 48-jährige Mutter klagte 4228 Euro ein, davon knapp 2000 Euro Reisepreiserstattung und knapp 2000 Euro für entgangene Urlaubsfreuden. Doch Richterin Dagmar Frost hatte sich bestens vorbereitet – sie zerlegte die Behauptungen in Windeseile.
Die Betten seien klamm und modrig gewesen, so schilderte es die Klägerin eindringlich, geschlafen habe die Familie kaum. Der Versuch, ein anderes Zimmer zu bekommen, sei gescheitert, demgegenüber hätten die Pusteln auf dem Sohn immer größere Ausmaße angenommen. Nach der Rückkehr nach Deutschland habe man eine Ärztin aufgesucht; diese habe festgestellt, dass Stiche und Entzündungen mit größter Wahrscheinlichkeit von Wanzen stammen.

Anzeige

Richterin Frost sah das anders. Das Attest sage keineswegs, dass der Junge von Bettwanzen attackiert worden sei. Auf Fotos seien nur sechs bis sieben relativ weit auseinanderliegende Stiche zu erkennen, keine wanzentypischen Straßen. Die Familie habe nichts von Kot- oder Blutspuren erzählt, die bei derartigem Insektenbefall oft zu sehen sind, auch sei kein süßlicher, wanzentypischer Geruch erwähnt worden. Und schließlich gebe es kein einziges Beweisfoto, das die Existenz der Quälgeister belege.
Sollte der Sohn allergisch auf andere Insektenstiche reagiert haben, so Frost, sei das kein Grund gewesen, die Reise abzubrechen. Wenn sich die Tui „erbarme“, könne sie den Klägern aber gerne 200 Euro zahlen – aus purer Nächstenliebe. Die Parteien haben nun zwei Wochen Zeit, über diesen Vergleichsvorschlag nachzudenken.

Andreas Schinkel 01.05.2015
28.04.2015
Saskia Döhner 27.04.2015