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Aus der Stadt Fassadenfirma ist insolvent
Hannover Aus der Stadt Fassadenfirma ist insolvent
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00:22 30.03.2015
Der Umbau des Landtags soll mittlerweile 52,8 Millionen Euro kosten. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Auf ihrem Hof an der Haltenhoffstraße lagern sämtliche Teile der Granitfassade - und wegen komplizierter juristischer Verwicklungen könnte es Probleme geben, sie kurzfristig von der Insolvenzmasse zu trennen. Der Insolvenzverwalter wollte am Freitag dazu keine Stellungnahme abgeben.

Das Insolvenzverfahren der Firma Naturstein Krause wird unter dem Aktenzeichen 903 IN 155/15 geführt, es betrifft den hannoverschen Mutterbetrieb mit seiner mehr als hundertjährigen Firmentradition. Das Krause-Fertigungswerk an der Uferstraße in Letter wird in einem parallelen Insolvenzverfahren behandelt. Zu den Gründen der Insolvenz wollte der vorläufige Verwalter, Nils Krause aus der Bremer Kanzlei Schultze & Braun, am Freitag keine Stellung beziehen.

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Das Unternehmen Krause gilt als einer der großen Natursteinspezialisten im Raum Hannover. Deshalb wundert es auch kaum jemanden, dass der Landtag dieses Unternehmen beauftragt hat, die wertvollen Granitplatten von der Fassade des Plenargebäudes sicher zu lagern. Krause soll auch Ersatz für beschädigte Platten liefern: Einige der großen Steinelemente sind rissig oder schon zerbrochen und müssen ausgetauscht werden.

Doch genau diese Auf­tragskombination könnte zum Problem werden. „Grundsätzlich gehören gelagerte Materialien nicht zur Insolvenzmasse, weil sie eindeutig einem Eigentümer zugeordnet werden können“, sagt ein Insolvenzfachmann. „Sobald aber eine Vermischung der Eigentumsverhältnisse eintritt, könnte es ein Problem geben.“ Sobald die Fassadenplatten zur Insolvenzmasse gerechnet werden, hat der Insolvenzverwalter zugriff darauf und darf sie zugunsten der Gläubiger mit Schulden verrechnen. Dieses Verfahren kennen zum Beispiel Kunden der inzwischen abgewickelten Baumarktkette Max Bahr: Wer kurz vor der Insolvenz Material bestellt hatte, hatte plötzlich keinen Zugriff mehr - auch wenn er schon bezahlt hatte.

Insolvenzen von Fassadenfirmen haben in Hannover schon mehrfach Großbaustellen stark verzögert. Unter anderem gab es Probleme beim Bau des Torhauses am Aegi und bei der Modernisierung des DGB-Hochhauses an der Goseriede.

Am Landtag kann man weitere Probleme eigentlich nicht gebrauchen. Kostensteigerungen und Bauprobleme begleiten das Projekt seit Anbeginn, die Kosten sind von einst veranschlagten 45 auf mittlerweile 52,8 Millionen Euro gestiegen.

Gabi Stief 30.03.2015
Michael Zgoll 27.03.2015
30.03.2015