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Aus der Stadt Feuer? „Ham’ wir mit Krawatte ausgemacht“
Hannover Aus der Stadt Feuer? „Ham’ wir mit Krawatte ausgemacht“
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19:50 11.01.2015
Von Gunnar Menkens
Bis 2011 war Alfred Falkenberg bei der Berufsfeuerwehr Hannover. Die Arbeit hat ihn bis heute nicht losgelassen, im 
Museum dokumentiert er die 
Geschichte der hannoverschen Stadtwehr.  Quelle: von Ditfurth
Hannover

Ein aufmerksamer Fahrdienstleiter bemerkte noch diese sprühenden Funken an einem vorbeirauschenden Güterwaggon, aber da war die Katastrophe schon nicht mehr aufzuhalten. Es war ein Sonntagmorgen, der 22. Juni 1969. Der Mann meldete seine Beobachtung und die Bundesbahn entschied, den Zug am Bahnhof Linden zu stoppen, zügig rückte die alarmierte Berufsfeuerwehr aus. Eben erreichte der Löschzug den Fischerhof, als einer der Waggons explodierte. 216 Panzergranaten detonierten, in einer einzigen Sekunde entstand eine Kraterlandschaft. In diesem Moment, um 8.05 Uhr, unter einem blauen Himmel, starben acht Feuerwehrleute und vier Mitarbeiter der Bahn. Funkenflug erhitzte die Waffen. Niemand in Hannover hatte gewusst, welche gefährliche Fracht der Zug durch die Stadt transportierte.

Es war der verheerendste Einsatz in der 135 Jahre währenden Geschichte der hannoverschen Berufsfeuerwehr. Alfred Falkenberg war da noch ein sehr junger Mann, er sollte erst sieben Jahre später seine Ausbildung zum Feuerwehrmann beginnen. Er hat viel erlebt bis zu seiner Pensionierung, aber das Unglück ist eingebrannt in die Erinnerung der Stadtwehr. Er sieht ein wenig fatalistisch darauf zurück: „Man muss brutal sagen: So was kann passieren.“

Klar, dass ein Feuerwehrmuseum in der Feuerwehrstraße steht. Das passt. Die Ausstellung ist so sachlich wie das Löschen selbst. Kein Schnickschnack. Zum neuen Jahr mit neuen Exponaten. Ein Rundgang.     

Die Tragödie auf dem Bahnhof macht nur einen kleinen Teil der Ausstellung aus, die fleißige Helfer für das Feuerwehrmuseum zusammengestellt haben. Gezeigt wird auf 250 Quadratmetern die Geschichte der Wehr, von 1880 bis heute. Sie erzählt von Gefahren, technischer Entwicklung, Politik, der Stadt Hannover und sogar ein wenig von der Mode. Um zu erfahren, was über die Exponate hinausgeht und um das Feuerwehrwesen besser zu verstehen, ist es nützlich, mit Alfred Falkenberg oder Museumsleiter Albrecht Reime durch die Räume zu streifen. Kaum zu glauben, was die zwei Pensionäre wissen.

Als 1880 alles begann, im offiziellen Gründungsjahr der Berufsfeuerwehr, waren die Männer nahezu ein Zweig des Militärs. Das machten schon die Uniformen deutlich, die oben mit einer Pickelhaube abschlossen. Wer nicht Reserveoffizier war und Naturwissenschaften studiert hatte, musste sich gar nicht erst bewerben. 15 Männer zählte die Besatzung der ersten Stunde.

Das Löschwerkzeug war primitiv, wie mit dem Blick von heute Vergangenes schnell primitiv scheint, selbst wenn es zu seiner Zeit ausgeklügelt gewesen sein mag. Die Spritze funktionierte so: Per Eimerkette wurde eine Art Lore befüllt, an deren Enden zwei Männer standen, um es herauszupumpen. Der Wasserdruck war bescheiden. Mit einem später entwickelten Gerät von kutschenähnlicher Größe konnten bereits acht Männer gleichzeitig pumpen. „Länger als zehn Minuten hat das keiner durchgehalten, dann musste gewechselt werden“, sagt Falkenberg.

1902 vermeldete Hannover eine Weltsensation. Der erste Automobillöschzug der Welt fuhr mit 4,2 PS durch die Stadt. Einfach ausrücken konnte der nicht, vorgeschrieben war, dass ein Radfahrer an der Spitze des Zuges fuhr, um Passanten vor dieser Ungeheuerlichkeit zu warnen. Der Elektromotor beschleunigte den Löschzug auf immerhin 16 Kilometer pro Stunde. (Ein Modell steht im Historischen Museum.) Der Fortschritt nahm seinen Lauf – und forderte im Feuerwehrwesen bald sein erstes Opfer. Der Türmer wurde eingespart, Feuermelder ersetzten 1907 den Mann im Turm der Marktkirche. Von oben hielt er nach Rauch und Feuer Ausschau.

Zweiter Weltkrieg wird Ausstellungsschwerpunkt

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet in diesem Winter die Arbeit der Feuerwehr im Zweiten Weltkrieg. Eine Geschichte, die bereits 1933 beginnt. Die Nazis machten aus der Berufsfeuerwehr die sogenannte Feuerlöschpolizei, womit aus Feuerwehrleuten zugleich Polizisten wurden, also den neuen Machthabern unterstellt. In der Pogromnacht 1938 „spielten sie keine rühmliche Rolle“. Falkenberg erzählt, wie ein Einsatz vorgetäuscht wurde, um die in Brand gesteckte Synagoge und jüdische Geschäfte nicht löschen zu müssen. Wenige Jahre später folgten die Bombennächte. Ein Sack Sand ist zu sehen, mit dem Feuer gelöscht werden sollten, das tückische Bomben entfacht hatten, die an Fallschirmen auf Hannover segelten.

Das Feuerwehrmuseum ist kein modernes Mitmachmuseum. Animationen, Filme oder Bespaßungen gibt es hier nicht, auch keine ausrangierten Feuerwehrautos zum Reinsetzen. Platz und Geld sind begrenzt. Es wird ehrenamtlich geführt, von Helfern wie Alfred Falkenberg und Albrecht Reime, den die Kollegen manchmal aus Spaß Museumsdirektor nennen. Über Jahre wurden 1500 Exponate zusammengetragen, vieles aus Privatbesitz, und an Modellen und hinter Vitrinen gezeigt. Vielfältige Helme, erstaunliche Geräte, ungezählte Abzeichen, historische Fotos, Zeitungsartikel, bizarr anmutende Ausrüstungen, Plakate, Uniformen.

Feuerwehrleute trugen Krawatten

Eine davon trug Alfred Falkenberg 1975 selbst, in seinem ersten Berufsjahr. „Damals haben wir mit Blouson, hellblauem Hemd und Krawatte das Feuer ausgemacht“, sagt er, nur ein Ledermantel schützte vor Hitze und Flammen. Man mag das heute nicht mehr glauben, aber Falkenberg sagt, so sei es gewesen. Er hat eine besondere Erinnerung daran. Nach einem Einsatz beklagte er sich als Berufsanfänger bei einem Vorgesetzten über so viel sinnloses Standesbewusstsein, blitzte aber ab, „mit dem größten Anschiss meiner Karriere“. Krawatte sei Dienstkleidung. Basta. Heute gehören sie weiter zur Ausrüstung, aber nur im Büro. Der Schnitt aktueller Uniformen nähert sich laut Falkenberg wieder dem Blouson an, so, wie ihn nach Kriegsende bereits die Briten eingeführt hatten.

Was in Hannover, urkundlich gesichert, 1390 mit der ersten Brandschutzordnung begann, hat sich ausgeweitet. Die Ausstellung zeigt auch, wie sich das Rettungswesen entwickelt, mit Geräten die aussehen, als wäre man lieber nicht daran angeschlossen worden. Auch Taucher gehören zur Feuerwehr. Zuerst seit Anfang der 1960er-Jahre: Vier Männer wurden eingestellt, nach dem drei Frauen in einem Auto in der Leine ertranken. Dann stellte man fest: „Im gewässerarmen Hannover hatten die nicht so viel zu tun. Leben mussten sie nicht retten.“ Also wurden die Stellen wieder abgeschafft. Dann, sagt Alfred Falkenberg, stellte man etwas Neues fest: „Ganz ohne ging es auch nicht.“ Heute sind Taucher im normalen Dienstplan integriert. Das Schicksal des Türmers blieb ihnen erspart.     

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