Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Feuer im Flüchtlingscamp: Polizei sucht Zeugen
Hannover Aus der Stadt Feuer im Flüchtlingscamp: Polizei sucht Zeugen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 16.12.2014
Zwei Zelte des "Refugee Protest Camps Hannover" wurden durch die Flammen zerstört. Quelle: Christian Elsner
Hannover

Nach dem Feuer in dem umstrittenen Flüchtlingscamp auf dem Weißekreuzplatz in der Oststadt steht immer noch nicht fest, ob es sich um ein Unglück oder einen Anschlag handelt. Die Polizei ermittelt jedoch weiter wegen Brandstiftung und kündigte an, jetzt und in den kommenden Tagen weitere Zeugen befragen zu wollen. Am frühen Donnerstagmorgen waren in dem Protestlager zwei Zelte in Flammen aufgegangen. Die Polizei rettete drei Asylbewerber, die in einem der Zelte schliefen, in letzter Sekunde vor dem Feuer. Einer der drei Männer musste mit einer leichten Rauchvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Er hatte versucht, sein Hab und Gut aus dem brennenden Zelt zu retten. Die Polizei konnte ihn nur mit Gewalt davon abbringen. Die Ermittler schließen einen technischen Defekt als Ursache aus. Ob das Feuer allerdings vorsätzlich gelegt oder versehentlich verursacht worden ist, steht noch nicht fest.

Ein Passant hatte gegen 2.20 Uhr Rauch aus einem Zelt aufsteigen sehen, das den Flüchtlingen als Versammlungsort dient, und die Feuerwehr gerufen. Als die fünf Minuten später eintraf, schlugen bereits meterhohe Flammen aus dem Zelt. Sie hatten bereits auf das angrenzende Zelt übergegriffen, in dem die drei Flüchtlinge schliefen. Hätten die Polizisten nicht beherzt eingegriffen und die Männer aus dem Zelt geholt, wäre womöglich Schlimmeres passiert. Die Feuerwehr hatte die Flammen schnell unter Kontrolle, dennoch wurden beide Zelte nahezu vollständig zerstört. Insgesamt entstand bei dem Brand ein Schaden von rund 5000 Euro.

Feuer im Flüchtlingscamp: Zwei Zelte sind im Flüchtlingscamp am Weißekreuzplatz komplett niedergebrannt. Ein Mann wurde leicht verletzt.

Flüchtlinge gehen von Brandstiftung aus

Am Donnerstagvormittag untersuchten Brandexperten der Polizei den Tatort nach Spuren und befragten die Flüchtlinge. Ein technischer Defekt kommt als Ursache nicht infrage, weil es auf dem Gelände keinen Strom gibt. Somit bleiben noch zwei Möglichkeiten: Das Feuer wurde durch eine unachtsam weggeworfene Zigarettenkippe oder eine brennende Kerze entfacht – oder vorsätzlich gelegt.

Die Flüchtlinge gehen unterdessen fest davon aus, dass Unbekannte das Zelt in Brand gesteckt haben, „um das Camp zu sabotieren und zu beenden“, wie es in einer Mitteilung der Sudanesen heißt. Beweise für diese Behauptung haben sie allerdings bislang nicht. Stattdessen geben sich die Asylsuchenden weiter entschlossen: „Trotz dieses Ereignisses und aller Schwierigkeiten kämpfen wir weiter für unsere Rechte“, schreiben sie.

Mehr zum Thema

Alle Berichte, Bilder, Videos und weitere Informationen zum Flüchtlingscamp in Hannover finden Sie hier.

Aus Sicht der Polizei besteht trotz des Vorfalls keine Veranlassung, das Camp der Sudanesen auf dem Areal an der Friesenstraße zu beenden. Die Stadtverwaltung schloss sich dieser Haltung an. „Die Stadt unterstützt das Vorgehen der Polizei, die Demonstration weiterhin unter den bisherigen Bedingungen und Beschränkungen zuzulassen“, teilte sie gestern schriftlich mit. Ein Dauercamp mit Übernachtungsmöglichkeit sei in diesem Rahmen allerdings weiterhin nicht möglich, teilt die Verwaltung mit. Dass vereinzelt doch Flüchtlinge die Nächte in den Zelten verbrachten, haben Stadt und Polizei bisher geduldet. Die Politik schloss sich der offiziellen Linie der Verwaltung an. Die SPD verwies auf laufende Ermittlungen. Vonseiten der CDU hieß es, Polizeischutz für die Demonstration sei vorerst nicht notwendig.

Stadt Hannover immer mehr unter Zugzwang

Die Stadt gerät durch das Feuer auf dem Platz zunehmend in Zugzwang. Bisher hatte man im Rathaus darauf gesetzt, dass die Flüchtlinge das Camp aufgrund der zunehmend kalten Witterung über kurz oder lang von selbst verlassen würden. Die Gespräche mit den Sudanesen gestalteten sich indes schwierig, heißt es.

Rund 50 sudanesische Flüchtlinge vom Weißekreuzplatz und Unterstützer haben mit einem Protestzug gegen Abschiebung protestiert.

Schon bei Beginn der Platzbesetzung im Mai hatten die Sudanesen angekündigt zu bleiben, bis ihre Forderungen erfüllt sind. Das dürfte allerdings dauern, denn die Forderungen reichen weit über den Einflussbereich hannoverscher Kommunalpolitik hinaus. Die „diskriminierende“ Asylgesetzgebung müsse abgeschafft werden, heißt es, die Willkür auf den Amtsstuben ein Ende haben. „Wir bleiben so lange auf dem Platz, bis wir unsere Freiheit und Würde wiedererlangen“, sagt ein Sprecher der Gruppe.

Derweil zeigen sich Anwohner und andere Hannoveraner weiterhin solidarisch mit den Flüchtlingen. So war am Donnerstagvormittag unter anderem ein älterer Herr zu dem Camp gekommen und brachte den Bewohnern warme Kleidung.

Von Tobias Morchner

Fahren die Regiobus-Sprinterlinien bald nicht mehr den ZOB in Hannover an? Das zumindest droht das Verkehrsunternehmen. Es sieht eine zu hohe Unfallgefahr – und fühlt sich von der Landeshauptstadt schikaniert.

Mathias Klein 13.12.2014

Braucht Hannover mehr kleine Wohnungen? Oder zusätzliche Studentenwohnheime? Die steigenden Mieten in der niedersächsischen Landeshauptstadt 
werfen Zukunftsfragen auf.

Andreas Schinkel 13.12.2014

Wegen Beihilfe zum Drogenhandel steht eine 65-jährige Rentnerin vor dem Landgericht Hannover. Sie soll ihren 40-jährigen Sohn für seine illegalen Machenschaften von Hameln nach Hannover gefahren haben.

Michael Zgoll 13.12.2014