Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Feuerwehr rückte 1950-mal umsonst aus
Hannover Aus der Stadt Feuerwehr rückte 1950-mal umsonst aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
21:32 20.06.2012
Von Tobias Morchner
Nicht immer wenn der Notruf gerufen wird, brennt es: Die Feuerwehr rückte in vielen Fällen umsonst aus. Quelle: Elsner
Anzeige
Hannover

Die Berufsfeuerwehr in Hannover ist im Jahr 2011 so oft ausgerückt wie seit Jahren nicht mehr. Die Zahl der Einsätze im Bereich der Brandbekämpfung stieg im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf 2944 Einsätze. Die Einsätze im Bereich Rettungsdienste nahmen um fünf Prozent zu. Was der Feuerwehr besonders zu schaffen macht: Es kommt immer häufiger zu Fehlalarmierungen. Insgesamt 1950-mal rückten die Einsatzkräfte aus, ohne anschließend tätig werden zu müssen. Das ist eine neue Höchstmarke in der Statistik.

Insgesamt absolvierte die Feuerwehr im vergangenen Jahr 54.192 Einsätze. Das heißt: Im Durchschnitt 148-mal am Tag, beziehungsweise sechs Mal in der Stunde verließen Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn die Feuerwachen Hannovers, weil sie zu Hilfe gerufen worden waren. „Wir haben gut zu tun“, kommentierte Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange die Entwicklung. Vor dem Personalausschuss der Stadt stellte er am Mittwoch den Jahresbericht der Wehr vor.

Anzeige

Die hohe Zahl der Fehlalarmierungen bereite ihm Kopfzerbrechen, sagte Lange vor den Mitgliedern des Ausschusses. Die Gründe für diese Entwicklung seien vielfältig: So gebe es im Stadtgebiet immer mehr automatische Brandmeldeanlagen, durch deren falsche Programmierungen die Feuerwehr auf den Plan gerufen werde, obwohl eigentlich kein Grund für einen Einsatz vorliege. „Oft passiert es, dass die Brandmelder bei Bauarbeiten durch Staubpartikel ausgelöst werden, weil sie nicht vorsorglich ausgeschaltet wurden“, erklärt Feuerwehrsprecher Michael Hintz. Man wolle nun mit den rund 1000 Betreibern solcher Anlagen Gespräche führen, um diese Probleme in den Griff zu bekommen, kündigte Feuerwehrchef Lange an. Häufige Fehlalarme können einen Anlagebetreiber aber schon jetzt teuer zu stehen kommen. Lösen Brandmelder auffällig oft ohne Grund Alarm aus, stellt die Feuerwehr den Verantwortlichen die Kosten in Rechnung.

Neben den Fehlalarmen macht der Feuerwehr auch die Zunahme der Rettungsdiensteinsätze zu schaffen. „Es ist eine enorme Belastung für die Kollegen“, sagt Sprecher Michael Hintz. Bereits bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2010 hatte Feuerwehrchef Lange auf die prekäre Lage hingewiesen. Die 120 Rettungsdienstler seien im Grunde rund um die Uhr auf den Beinen, hatte Lange damals erklärt. Ein Jahr später hat sich die Situation weiter verschärft – Tendenz steigend. „Es kann prognostiziert werden, dass eine alternde Bevölkerung auch mehr medizinische Dienstleistungen in Anspruch nimmt“, heißt es im Jahresbericht.

Keine wesentliche Rolle spielt die Zahl der Brandstiftungen in Hannover. Bei insgesamt 2944 Brandeinsätzen für die Feuerwehr im Jahr 2011 konnte die Polizei in nur 126 Fällen vorsätzliche, in 62 weiteren Fällen fahrlässige Brandstiftung feststellen. Ebenfalls keine Probleme hat die Feuerwehr in Hannover nach eigener Darstellung damit, rechtzeitig am Einsatzort zu sein.  „Vom Anruf in der Leitstelle bis zum Eintreffen vor Ort vergehen in der Regel weniger als zehn Minuten“, schreibt der Feuerwehrchef im Jahresbericht. In Hamburg war am Mittwoch ein behördeninterner Bericht bekannt geworden, wonach die Feuerwehr dort in mehr als 9000 Fällen nicht schnell genug am Einsatzort war. In der Hansestadt gilt die Regel, dass acht Minuten nach dem Alarm zehn Feuerwehrleute am Brandort eingetroffen sein sollten und fünf Minuten später weitere sechs Kollegen. Für Hannover gelten ähnliche Vorgaben. „Innerhalb von neuneinhalb Minuten sollte ein kompletter Löschzug, der zwölf Mann umfasst, zur Stelle sein. Dieses Ziel erreichen wir, wie vereinbart, in 90 Prozent der Fälle“, erklärt Michael Hintz.

Albrecht Scheuermann 20.06.2012
Juliane Kaune 23.06.2012
20.06.2012
Anzeige